GUTEN MORGEN!

Zur Memme mutiert Wissen Sie, wann für mich Sommer ist? Nicht erst, wenn das Thermometer 25 Grad anzeigt. Für mich als - und damit oute ich mich - Saarländer ist dann Sommer, wenn draußen im Grill die Holzkohle glüht und auf dem Rost die Würstchen und der Schwenkbraten brutzeln.

Und das kann auch bei zwölf Grad sein. Also: Es ist seit Wochen Sommer. Über Werbesprüche wie "Die Grillsaison beginnt" kann ich nur lachen. Von wegen "beginnt", die ist schon voll am Laufen. Der erste Sack Holzkohle ist schon leer. Seit Wochen glüht der Grill quasi im Dauerbetrieb. Allerdings habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass ich seit meiner Heimat-Abwesenheit verweichlicht bin. Früher hat mir Regen und Kälte beim Freiland-Brutzeln nichts ausgemacht: Sonnenschirm aufgespannt, Pulli an, angefeuert, Fleisch drauf und fertig. Mittlerweile bin ich zum Schönwetter-Griller mutiert. Unter zwölf Grad - wie gesagt - läuft nichts, und bei Regen wird dann auch schon mal (was für eine Schande für einen Saarländer) der Elek tro-Grill angeschmissen (Liebe Landsleute, ich schwöre, das soll die Ausnahme bleiben!). Einen echten Saarländer kann normalerweise Wind und Wetter von seiner liebsten (und einzigen) Freizeitbeschäftigung nicht abhalten. Selbst an Weihnachten oder Silvester raucht in den Gärten entlang der Saar der Grill, und gebraten wird alles, was sich nicht mehr bewegt, Hauptsache von einem Tier. Und ich? Ich grille mittlerweile sogar Maiskolben oder anderes Grünzeug, selbst griechischer Käse landete bereits auf dem Rost. Heiliger Schwenker, was ist bloß aus mir geworden? Eine Grill-Memme. Bernd Wientjes In der Kolumne "Guten Morgen" beschreiben wechselnde Autoren ihre Gedanken zum Tag.

Mehr von Volksfreund