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Verkaufshilfe für 850 LKW-Ladungen Holz

Verkaufshilfe für 850 LKW-Ladungen Holz

Waldbesitzer können ihr Holz ab Januar 2011 direkt an die Dienstleistungsgesellschaft des Waldbauvereins Bitburg verkaufen und müssen zukünftig weder Vorkosten noch Risiken tragen. Das Angebot ist laut Waldbauverein in Rheinland-Pfalz einzigartig.

Bitburg. Entwurzelte Bäume, umgeknickte Strommasten, abgeknickte Dächer - das Sturmtief Xynthia wütete im Februar in Mitteleuropa und richtete teilweise enorme Schäden an. Auch für den Waldbauverein Bitburg und dessen Dienstleistungsgesellschaft Eifel Wald und Holz Management (EWH) blieb der Orkan nicht folgenlos: "Danach waren unsere ganzen Planungen über den Haufen geworfen", erklärt EWH-Geschäftsführer Elmar Franzen.

Allein in den Privatwäldern der Mitglieder des Waldbauvereins Bitburg gab es infolge der Waldschäden rund 30 000 Festmeter Holz mehr zu vermarkten als im Vorjahr (siehe Extra). Das entspricht rund 850 LKW-Ladungen.

Dienstleistungsgesellschaft tritt in Vorleistung



Die EWH stand vor einer großen Herausforderung und entwickelte daraus einen neuen Service für die Waldbesitzer. Bislang mussten sie die Kosten für die Holzernte vorfinanzieren und bekamen einige Zeit später die Erlöse aus dem Verkauf des Holzes ausbezahlt. Im vergangenen Jahr war das anders: Die EWH trat für die Holzernte in Vorleistung, so dass den Waldbesitzern im Vorfeld der Holzvermarktung keine Kosten entstanden. "Aus diesem Service heraus ist der Gedanke entstanden, noch einen Schritt weiterzugehen", sagt Franzen. Ab 1. Januar 2011 wird die EWH nicht nur die Holzerntekosten vorfinanzieren, sondern auch die Einnahmen aus dem Holzverkauf schon an die Waldbesitzer ausbezahlen, bevor die Sägewerke mit der EWH abgerechnet haben. Geschäftsführer Franzen spricht dabei von einem Rundum-Service für die Mitglieder des Waldbauvereins Bitburg. "Wir nehmen den Holzbesitzern damit das komplette Risiko ab", erklärt er.

Die EWH könne sich ihrerseits im Gegensatz zu den Waldbesitzern gegen das Risiko von Zahlungsausfällen wegen Firmeninsolvenzen durch Versicherungen schützen. Außerdem schließt die Dienstleistungsgesellschaft mit den Sägewerken üblicherweise Vorverträge für ein Quartal oder Halbjahr ab, so dass die Preise von vorneherein feststehen und exakt kalkuliert werden können.

Ferner lassen sich die Holzmengen in Zukunft noch besser bündeln. Das war schon vorher teilweise notwendig, weil die geringen Holzmengen, die in kleinen Privatwäldern anfallen, alleine gar nicht vermarktbar gewesen wären. Die EWH musste teilweise also das Holz mehrerer Waldbesitzer zusammen verkaufen. Jetzt kann die Gesellschaft noch flexibler agieren, weil sie das Holz zunächst selbst kauft und dann auf eigene Rechnung weiterveräußert.

Angebot ist einzigartig in Rheinland-Pfalz



Das Angebot ist nach Aussagen der EWH in Rheinland-Pfalz einzigartig. "Wir haben nach Nordrhein-Westfalen ins Sauerland geschaut, um ein solches Konzept kennen zu lernen", erklärt Elmar Franzen. Er versichert, dass die EWH mit ihrem Service keine zusätzlichen Gewinne erwirtschaften werde. Von den Einnahmen aus dem Holzverkauf würden lediglich die Kosten abgezogen, die für Ernte und Vermarktung entstanden seien. Eine Gewinnmarge werde nicht einkalkuliert.

Die EWH ist von ihrem Angebot überzeugt: "Das ist auf jeden Fall ein großer Schritt, weil das Althergebrachte revolutioniert wird", sagt Kurt Rings, der stellvertretende Vorsitzende des EWH-Beirats.

Ende 2011 können die Holzvermarkter eine erste Bilanz ziehen und ermitteln, ob und wie das Angebot von den Mitgliedern des Waldbauvereins Bitburg angenommen wurde. ExtraDie Arbeit der EWH in Zahlen: Als Dienstleistungsgesellschaft des Waldbauvereins Bitburg vermarktet die Eifel Wald und Holz Management GmbH das Holz von 1800 Waldbesitzern im Altkreis Bitburg. Das entspricht 9000 Hektar Waldfläche. Vergangenes Jahr betrug der Holzabsatz insgesamt 51 014 Festmeter (2009: etwa 21 000 Festmeter). Der Gesamtabsatz setzt sich aus 773 Einzelverkäufen von 480 Waldbesitzern zusammen. Die kleinste verkaufte Holzmenge lag bei zwei Festmetern, die größte bei rund 2000. 95 Prozent des verkauften Holzes stammten von Fichten und Douglasien. Jeweils zwei Prozent waren Kiefern- und Buchenholz. Der Eichenholz-Anteil betrug ein Prozent. Von den 56 Abnehmern der EWH befinden sich die meisten in Rheinland-Pfalz oder in Belgien. Geringe Mengen gehen in den Export, teilweise auch nach Übersee. Durch den Holzverkauf im Privatwald wurde 2010 ein Umsatz von mehr als drei Millionen Euro erzielt (2009: 850 757 Euro). (jk)