| 20:35 Uhr

"Im Mai sieht wieder alles ganz anders aus"

Üxheim-Ahütte. Die großflächige Rodung rings um den Touristenmagneten Wasserfall Dreimühlen bei Üxheim-Ahütte hat viele Besucher erschreckt. Von Verantwortlichen der Hillesheimer Bauabteilung und des Natur- und Geopark Vulkaneifel wird sie verteidigt und als notwendig eingestuft. Felicitas Schulz und Mario Hübner

Üxheim-Ahütte. "Die Maßnahme war längst überfällig, denn uns liegen seit einigen Jahren immer wieder Hinweise von Besuchern des Wasserfalles vor, die auf die drohende Gefahr von Astbruch und umstürzenden Bäumen nach Schnee, Stürmen und Gewittern hinweisen. Sie wurden dann jeweils nur im Einzelfall behoben." Mit diesen Worten rechtfertigt Jürgen Mathar von der Bauabteilung des Rathauses in Hillesheim die großflächige Rodung rings um den Wasserfall Dreimühlen zwischen Üxheim-Ahütte und Nohn und um die Burgruine Dreimühlen in unmittelbarer Nähe."Mondlandschaft"


Vielen Wanderern und Naturfreunden aber hat das gar nicht gefallen. Sie haben ihrem Ärger in sozialen Netzwerken, aber auch bei der Touristinformation in Hillesheim Luft gemacht. Die Vorwürfe reichen von "unverantwortlich", "schrecklich" und "übers Ziel hinaus" bis hin zu "ein paar Nummern zu groß", "großräumig plattmachen muss nicht sein" und "Mondlandschaft". Das bestätigt dessen Leiter Manfred Schmitz: "Ja, es haben sich viele bei uns gemeldet und sich über die ihrer Ansicht nach viel zu drastischen Arbeiten beschwert."
Er sagt aber auch: "Ich bin mir sicher, dass es im Mai, wenn die Büsche wieder sprießen, schon ganz anders aussieht und die Besucher dann froh sind, dass sie einen schönen und ungefährdeten Blick auf den Wasserfall haben."
In die gleiche Kerbe schlägt Andreas Schüller, Geschäftsführer vom Natur- und Geopark Vulkaneifel. Er sagt: "Ich bin mir sicher, dass mit Beginn der Vegetationsperiode im Frühjahr das Umfeld des Wasserfalles von dieser Maßnahme deutlich profitieren wird und das Naturphänomen an Attraktivität gewinnt."
Den Wunsch der Anlieger-Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinde Hillesheim, den Wasserfall und das Umfeld entlang des Kalkeifel-Radwegs freizuschneiden, um besondere Felsformationen und Sehenswürdigkeiten besser sichtbar zu machen, haben die Verantwortlichen des Natur- und Geoparks aufgegriffen.
"Die einzelnen Maßnahmen erfolgten in Abstimmung mit der unteren sowie der Oberen Naturschutzbehörde", sagt Schüller. Vier Dinge wurden erledigt: Rund um den Wasserfall Dreimühlen ist großflächig gerodet worden. Dazu zählte, dass Stöcke, die aus den Felsspalten ausgetrieben sind, zurückgeschnitten wurden. Zudem wurde auch die Kuppe auf dem Wasserfall komplett freigeschnitten und ist somit bis zum Gelände erstmals wieder begehbar. Zudem ist rund ein Dutzend Erlen am Ahbach am Fuß des Wasserfalls zurückgeschnitten worden. Schüller erklärt, wieso: "Hier haben uns die Experten gesagt, dass die Bäume, falls sie umstürzen, das Ufer herausreißen. Das wollten wir verhindern, zumal einige Bäume bereits unterspült waren."
Eine neue Infotafel mit Erklärungen zu dem Naturphänomen soll in Kürze am Wasserfall aufgestellt werden. Zweitens ist das Areal rund um die Burgruine Dreimühlen in unmittelbarer Nähe des Wasserfalls gerodet worden - und somit seit langem erstmals wieder sichtbar.
Drittens sind eine steile Felswand an der Nohner Mühle und viertens ein Felshang am Weg in Richtung Niederehe freigestellt worden.
Alles zusammen hat laut Schüller rund 9000 Euro gekostet. Die Kosten hat die Natur- und Geopark GmbH übernommen, wodurch die Anliegerkommunen nicht zur Kasse gebeten werden mussten.Meinung

Alles halb so wild
Die großflächige Rodung rund um den Wasserfall Dreimühlen sieht schrecklich aus. Das ist unbestritten. Daher ist verständlich, wenn Besucher zunächst einmal heftig darauf reagieren. Wer aber genau hinschaut, wird rasch merken, dass alles halb so wild ist. Schließlich sind keine hundertjährigen Eichen, sondern nur dürre Bäumchen, Nadelhölzer, umsturzgefährdete Erlen und viel Gestrüpp an vier markanten Stellen entfernt worden. Dadurch kann man die Sehenswürdigkeiten besser betrachten - einige wie die Burgruine sieht man nun erstmals wieder -, die Gefahr abknickender Äste wurde verringert und neuer Lebensraum für andere Pflanzen und Tiere geschaffen. Und schon bald, wenn wieder alles sprießt und blüht, werden sich die meisten Besucher wieder am Wasserfall und den tollen geologischen Formationen entlang des Ahbachs erfreuen. m.huebner@volksfreund.deExtra

Der südlich von Ahütte liegende Wasserfall gilt als der interessanteste seiner Art in der gesamten Eifel. Er entstand durch Ablagerungen von drei stark karbonathaltigen Zuflüssen des Ahbaches. Solche Karbonatablagerungen heißen Karbonat-Sintergestein (Travertin). Seit Ende der Eiszeit vor rund 10 000 Jahren ist dort eine etwa 300 Meter lange und 100 Meter breite Sinterbank entstanden. Beim Bau der Eisenbahnstrecke im Jahre 1912 leitete man das Wasser der drei Quellbäche zu einem künstlichen Bach zusammen. Er führte unter dem Bahnkörper hindurch zur Geländestufe der Sinterbank und von dort in den Ahbach. Seit dieser Regulierung wächst die Sinterbank als Dreimühlener Wasserfall in einer Richtung. Wegen seiner Einmaligkeit wurde der Wasserfall von Dreimühlen zum Naturdenkmal erklärt. fs

Vorher – nachher: Die großflächige Rodung rund um den Wasserfall Dreimühlen (Foto oben rechts) hat viele Besucher erschreckt. Auch rund um die bislang kaum sichtbare Burgruine Dreimühlen (Foto unten) sind Bäume und Gestrüpp weggeschnitten worden. TV-Fotos (2): Felicitas Schulz; TV-Foto: Archiv/Helmut Gassen
Vorher – nachher: Die großflächige Rodung rund um den Wasserfall Dreimühlen (Foto oben rechts) hat viele Besucher erschreckt. Auch rund um die bislang kaum sichtbare Burgruine Dreimühlen (Foto unten) sind Bäume und Gestrüpp weggeschnitten worden. TV-Fotos (2): Felicitas Schulz; TV-Foto: Archiv/Helmut Gassen