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Parken in Gerolstein wird teurer

Anne Hahn aus Nohn zieht am Ticketautomaten auf dem Parkplatz vor der Touristinfo in Gerolstein ein Freiticket. Dafür, dass zum Schuldenabbau die Gebühren ab Dezember angehoben und das kostenlose Parken von einer Stunde auf 15 Minuten reduziert wird, hat sie weitgehend Verständnis. TV-Foto: Maro Hübner
Anne Hahn aus Nohn zieht am Ticketautomaten auf dem Parkplatz vor der Touristinfo in Gerolstein ein Freiticket. Dafür, dass zum Schuldenabbau die Gebühren ab Dezember angehoben und das kostenlose Parken von einer Stunde auf 15 Minuten reduziert wird, hat sie weitgehend Verständnis. TV-Foto: Maro Hübner
Gerolstein. Um ein Drittel wird ab Januar wird das Parken in Gerolstein teurer: Um sich zu entschulden, hebt die Stadt die Gebühren auf den Plätzen in der Innenstadt an. Zudem soll das Freiparken von einer Stunde auf 15 Minuten reduziert werden. Dagegen regt sich jedoch Widerstand. Insgesamt wird jährlich mit Mehreinnahmen von 40 000 Euro gerechnet. Mario Hübner

Gerolstein. Die Meinung der Autofahrer zu den neuen Parkgebühren in Gerolsteins Innenstadt fällt unterschiedlich aus. Sie reicht von Verständnis bis Ablehnung. So sagt Ella Lach aus Gerolstein, die regelmäßig im Supermarkt im Rondell einkauft und dazu einen der Parkplätze auf der stadtnahen Seite der Brunnenstraße benutzt: "Die Preise sind immer noch relativ okay. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass man in der Großstadt bis zu zwei Euro für eine Stunde Parken bezahlt." Und auch die Reduzierung des Freiparkens auf 15 Minuten, das bislang eine Stunde (an der Kreissparkasse eine halbe Stunde) möglich war, ist aus ihrer Sicht zu verkraften: "Eine halbe Stunde Einkauf, und länger brauche ich nicht, kostet dann auch nur ein paar Cent."
In die gleiche Kerbe schlägt Anne Hahn aus Nohn. Sie sagt: "Wo gibt es das überhaupt noch, dass man eine Stunde kostenlos parken kann? In der Großstadt schon dreimal nicht." Auch die Anhebung der bisherigen Tarife hält sie für moderat.
Keine Einigkeit im Stadtrat


Ganz anderer Meinung ist da Horst Domogalla aus Gerolstein. Er sagt: "Nur noch 15 Minuten Freiparken. Das reicht höchstens noch fürs Brötchenkaufen, aber nicht für einen normalen Einkauf." Er befürchtet wegen der Anhebung ein "schlechtes Image für die Einkaufsstadt Gerolstein". Selbst werde er deswegen, da er auch gerne unterwegs ist, künftig öfter mal in Jünkerath oder Prüm einkaufen, "wo es überall noch eine Stunde Freiparken gibt".
Und auch im Stadtrat scheint noch keine Einigkeit gerade zum Thema Brötchentaste zu herrschen. Während Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) das Thema für abgehakt erachtet, "da wir im Rahmen des Beschlusses zum Entschuldungsfonds auch bereits die neue Parkregelung in Gänze beschlossen haben", sieht das beispielsweise SPD-Fraktionssprecher Herbert Lames anders. Er sagt: "Wenn man das Freiparken auf 15 Minuten reduziert, braucht man es auch gar nicht mehr." Er sieht daher noch Gesprächsbedarf in diesem Punkt. CDU-Frau Monika Neumann sieht das anders. Sie sagt: "Die Reduzierung auf 15 Minuten bedeutet 6500 Euro Mehreinnahmen. Und das ist Bestandteil des gesamten Beschlusses zum Entschuldungsfonds." Ob die Gebührenregelung in der Stadtratssitzung am 8. Dezember nochmals geändert wird, ist noch unklar. Manfred Rett, Gerolsteiner Einzelhändler und Vorstandsmitglied im Gewerbeverein, sagt zu den neuen Parkgebühren: "Die Preiserhöhung ist noch zu verschmerzen, richtig schade ist allerdings die Reduzierung des Freiparkens von einer Stunde auf nur noch 15 Minuten. Das war bisher ein Alleinstellungsmerkmal von Gerolstein. Und dass es das nicht mehr geben wird, wird die Kunden sicherlich ärgern." Er denke zwar nicht, dass die Kunden dadurch von einem Einkauf in Gerolstein absehen. Dennoch sagt er: "Wir werden im Gewerbeverein konkret darüber nachdenken müssen, ob wir den Kunden nicht aus eigener Tasche einen Ausgleich schaffen sollten, falls die Regelung wirklich kommt."
Vollendete Tatsachen


Zwei Punkte findet er in diesem Zusammenhang ärgerlich. Erstens sei die neue Gebührenregelung das Problem der Mitarbeiterparkplätze erneut nicht angepackt worden, und zweitens: "Es ist schon schade, dass der Gewerbeverein in dieser Frage, die ihn zentral betrifft, von der Stadt vor vollendete Tatsachen gestellt wurde."
Die Stadt Gerolstein beteiligt sich am Entschuldungsfonds des Landes und wird so in den nächsten 15 Jahren 6,2 Millionen Euro Schulden abbauen. Der jährliche Eigenanteil von rund 137 000 Euro wird über höhere Steuern und Gebühren erzielt. Angehoben werden neben den Parkplatzgebühren die Grundsteuern A und B für Hausbesitzer, die Hundesteuer, die Gebühren für die Nutzung des Wohnmobilstellplatzes sowie die Gewerbesteuer.
Alles in allem kommen so laut Prognose gut 200 000 Euro mehr in den Stadtsäckel. Der Überschuss soll laut Stadtbürgermeister Bernd May (parteilos) als Puffer für die jährlich schwankende Gewerbesteuer dienen.
Zum Stichtag am 31. Dezember 2009 hatte die Brunnenstadt Verbindlichkeiten in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Durch die Beteiligung am Entschuldungsfonds sollen in 15 Jahren davon nur noch 1,35 Millionen Euro übrig sein.Extra

Das kostet voraussichtlich das Parken ab Januar 2012 in Gerolstein: Gebühren: Wurden auf den Parkplätzen in der Raderstraße, hinter der Kreissparkasse, an der Touristinformation, neben dem Rondell und in der Altstadt bislang zehn Cent für zehn Minuten Parken erhoben, sind es künftig 20 Cent für 15 Minuten. Der Preis für eine Stunde Parken steigt somit von 60 auf 80 Cent. Das entspricht einer Steigerung von 33 Prozent. Brötchentaste: Ebenfalls deutlich verändert wird das Freiparken. Das war bislang eine Stunde möglich (an der Kreissparkasse eine halbe Stunde). Künftig kann über die sogenannte Brötchentaste nur noch eine Viertelstunde umsonst geparkt werden. Die Höchstparkdauer bleibt bei zwei Stunden. Kirmesparkplatz: Eine besondere Rolle nimmt der Kirmesparkplatz an der Hochbrücke ein, der vor allem für Bahnpendler gedacht ist. Bislang war das Parken dort kostenlos. Künftig zahlen Dauerparker dort für einen Tag einen Euro, für fünf Tage fünf Euro. Kurzzeitparker zahlen wie auf den anderen Parkplätzen auch 20 Cent für 15 Minuten. Kostenloses Parken: Parken ist weiterhin auf dem angrenzenden Platz zwischen Postbrücke und Straßenverkehrsamt möglich. Darüber hinaus kann auf dem Postvorplatz kostenfrei mit Parkscheibe und in der Hauptstraße komplett ohne Einschränkung geparkt werden. mh