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Denkmal für Contergan-Opfer wird heute eingeweiht

Johannes Igel.
Johannes Igel. FOTO: Hannah Schmidt
Stolberg/Morbach. Ein Mahnmal für die etwa 10.000 Opfer des Contergan-Skandals wird heute Nachmittag in Stolberg bei Aachen enthüllt. Es ist das einzige Denkmal weltweit. Initiiert wurde die Bronze-Skulptur, die ein Mädchen mit Fehlbildungen, eine Box und einen leeren Stuhl zeigt, vom Hunsrücker Johannes Igel. Hannah Schmidt/Fritz-Peter Linden/Ilse Rosenschild

Die Idee hatte der Verwaltungsangestellte, der selbst durch Contergan geschädigt ist, als er bei einem Berlin-Besuch das Holocaust-Denkmal sah. Was folgte waren viele Gespräche mit dem Bürgermeister der Stadt Stolberg, Opferverbänden - und auch der Pharmafirma Grünenthal, die das Medikament hergestellt hat. Sie hatte früher in Stolberg ihren Hauptsitz und bot an, die Kosten zu übernehmen.

Eine Nachricht, die bei vielen Betroffenen Protest auslöste. Die Firma würde sich so von ihrer Schuld freikaufen, war ihre Befürchtung. Inzwischen hätten sich die meisten damit abgefunden, die Skepsis gegenüber dem Contergan-Hersteller sei jedoch geblieben, sagt Igel. Er selbst habe auch lange überlegt. Aber: "Wir müssen wieder ins Gespräch kommen, sonst hilft es den Geschädigten nicht."

Die Einweihung ist um 15 Uhr im Stolberger Kulturzentrum. Ab Sonntag soll die Feier auch als Film auf der Internetseite der Stadt zu sehen sein - für alle, die bei der Einweihung nicht dabei sein können. hsc
Hintergrund ConterganMit dem Namen Contergan ist einer der größten deutschen Medikamentenskandale verbunden. Weltweit erlitten 10.000 Neugeborene schwerste Schädigungen, nachdem ihre Mütter das Schlafmittel in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen eingenommen hatten. Die Betroffenen leiden unter fehlgebildeten Gliedmaßen sowie unter geschädigten Organen. 1961 nahm die Hersteller-Firma Grünenthal das Medikament aus dem Handel. 1970 schloss das Unternehmen einen Vergleich mit den Eltern der betroffenen Kinder. Das Unternehmen zahlte 100 Millionen Mark in eine Stiftung, aus der die Geschädigten eine Rente beziehen. 2009 zahlte die Pharmafirma weitere 50 Millionen Euro. fpl/iro