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Wintersport
Schneekanonen in der Warteschleife

Betriebsleiter Klaus Hepp prüft die Menge des Sickerwassers im Sammelbecken.
Betriebsleiter Klaus Hepp prüft die Menge des Sickerwassers im Sammelbecken. FOTO: Ilse Rosenschild
Hilscheid. Der Tüv hat die Lifte abgenommen, die Schleppgehänge sind montiert. Und doch ist die Wintersportanlage am Erbeskopf nicht startklar. Was neben den richtigen Temperaturen noch fehlt, dürfte viele Skifahrer überraschen. Von Ilse Rosenschild
Ilse Rosenschild

Das ist verkehrte Welt: Klaus Hepp interessiert sich um diese Jahreszeit in der Regel ausschließlich für das Thermometer. Genauer gesagt für die Frage: Gibt es Minusgrade? Ist es kalt genug, um technischen Schnee zu produzieren? Doch momentan schüttelt der Betriebsleiter des Wintersportzentrums am Erbeskopf bei diesem Thema nur den Kopf: „Selbst wenn derzeit drei Grad minus herrschten, würden wir keinen Schnee machen“, sagt der Fachmann.

Und warum? „Wir haben kein Wasser“, erklärt er. „Ich freue mich derzeit über jeden Tropfen, der vom Himmel fällt. Denn die Region ist trocken wie eine Nussschale“, sagt der 69-Jährige, der mit Gerd Hartenberger übrigens einen neuen Stellvertreter hat. Daran haben auch die jüngsten Niederschläge nichts geändert. Denn zum Beschneien braucht man Wasser. Und das ist noch immer knapp. Das Sickerwasser wird mit Drainagen vom Berg in ein 1400 Kubikmeter großes Sammelbecken am Fuße der Pisten geleitet. Das ist mit derzeit 60 Prozent alles andere als gut gefüllt. Kommen die Niederschläge wie vorhergesagt, kann das Becken Mitte nächster Woche wieder voll sein. Eine Beckenfüllung allein macht allerdings noch keine Pistengaudi. Für eine komplette Beschneiung werden laut Hepp, je nach Witterungsbedingungen, 4500 bis 6000 Kubikmeter benötigt. Das sind mindestens drei Beckenfüllungen. Alternativ sei es grundsätzlich auch möglich, den Überlauf aus den Gewinnungsanlagen zu bekommen. Doch auch dort ist derzeit nichts zu holen.

Auf dem Hepp’schen Wunschzettel steht folglich viel Regen. Doch der Wunsch fällt noch spezieller aus: „Es darf kein Starkregen sein. Am besten ist ein sachter Landregen, möglichst über mehrere Tage hinweg.“ Denn kommen regelrechte Sturzfluten den Himmel herunter, „können die Böden das gar nicht aufnehmen“.

Naturschnee ist für Hepp natürlich auch eine Option. Vorausgesetzt die Temperaturen sind kalt genug und es fällt genügend Schnee, würden seine Mitarbeiter „alles zusammenkratzen“, damit die Kinder beim Weihnachtsmarkt am Erbeskopf am 15. und 16. Dezember ihren Spaß haben. Bis auf den fehlenden Schnee ist alles  startklar, sagt der Betriebsleiter, der das Amt seit 1996 innehat. Der Tüv habe alles ohne Beanstandungen abgenommen. Lediglich ein Lift ist derzeit nicht einsatzbereit. Dort hat die Nutzung durch die Mountain-Biker Spuren hinterlassen. Das Seil ist kaputt. Die Lieferzeit für ein neues dauert zwei Monate. Schön für Touristen und Einheimische wäre es nach Angaben des Betriebsleiters, wenn die Lifte zwischen Weihnachten und Neujahr laufen würden. Das gilt natürlich auch für den Zweckverband Wintersport-, Natur- und Umweltbildungstätte, der die Anlagen am höchsten Berg (816 Meter) von Rheinland-Pfalz betreibt. Denn dann würden dessen Kassen klingeln. Mit wie vielen Schneetagen pro Saison rechnet sich denn der Betrieb? Pauschal lasse sich das laut Hepp gar nicht sagen, weil da viele Faktoren mitspielen. Aber mit durchschnittlich 30 Tagen könne man in der Regel kostendeckend arbeiten. Zum Vergleich: In der vergangenen Saison gab es mit 30 Lifttagen eine Punktlandung, in der Saison davor 13. Das beste Ergebnis weist die Saison 2005/2006 mit 88 Tagen mit Skibetrieb auf. Doch es habe  auch Jahre gegeben wie 2015/2016, in denen die Lifte stillstanden. Aber das wünscht sich wohl niemand.