Kein Buch für schnelle Anwendungen

Kein Buch für schnelle Anwendungen

TRIER. (-agn) Nach ganz anderem Muster als üblich "gestrickt" ist eine Neuerscheinung auf dem Büchermarkt, die sich dem Moselwein in einem Bereich widmet, der innerhalb weniger Jahre für Furore gesorgt hat, von der auch die beiden Versteigerungsringe in zunehmendem Maße profitieren.

Nach jahrelanger akribischer Recherche präsentiert Weinexperte Joachim Krieger sein außergewöhnliches Kompendium "Terrassenkultur an der Untermosel", mit dem er die Weinbauorte von Koblenz bis Hatzenport vorstellt. Wie gehabt also? Weit gefehlt! Seine Einzigartigkeit erfährt das 168 Seiten umfassende Werk durch das Einlösen seines Anspruchs, kein "billiger" und verkürzender Weinführer für schnelle Anwendungen sein zu wollen. Die Unscheinbarkeit des Buchtitels deutet eher auf ein regionales oder lokales Buch hin, dem sich möglicherweise die am Thema "Wein" interessierten Bewohner der Obermosel, des Trierer Landes oder der Mittelmosel wegen der großen räumlichen Distanz zu den Orten der Beschreibungen verschließen. Dieser Schlussfolgerung widersetzt sich vehement der Autor, der bereits in Ockfen, Trier und Piesport gelebt und gearbeitet hat. Die Vermutung sei jedoch nur bedingt für den Orts- und Lagenteil richtig. Davor und dahinter zeichnet Krieger in nahezu allen Kapiteln die Geschichte und die klimatischen, geologischen Potenziale des Moselweins aus einer neuen Sichtweise. Zudem weist er auf den Marktvorsprung hin, den der Moselwein über 100 Jahre (von 1870 bis 1970) als Weltweißwein Nummer eins hatte, und macht die Notwendigkeit einer konsequenten Ordnung aller (!) Weinbergslagen - und nicht nur der wenigen "Starlagen" - deutlich. Damit wird klar, der Weinexperte hat ein Buch verfasst, das keineswegs nur die 280 Hektar umfassenden Weinberge am Unterlauf der Mosel zum Inhalt hat. Immer wieder nimmt Joachim Krieger Geschichte, Politik und Gesetzgebung aufs Korn. Er beschreibt, wie die Erzeugergemeinschaft Deutsches Eck visionär für die Region bereits 1981 ihre Lagen abgrenzte und gegen das Gesetz und über das Gesetz hinaus Flachlagen aus ihren Steillagen herauswarf. Die Rebellen von der Untermosel schrieben 100-prozentigen Riesling-Anbau vor und eine Ertragsbegrenzung von 80 Hektolitern pro Hektar. Krieger hat es gewagt, das heiße Eisen einer Weinbergslagen-Klassifikation anzupacken - im Gegensatz zum Verband der Prädikatsweingüter grundsätzlich für alle Lagen. Die für den Autor eher verwirrende aktuelle Diskussion um die Lagenklassifikation trägt nach seiner Überzeugung nicht zur Klärung bei, sondern stifte noch mehr Verwirrung und Desinformation. Joachim Krieger - Terrassenkultur an der Untermosel, 168 Seiten, zahlreiche Farbfotos, eine Karte, erschienen im Selbstverlag, erhältlich im Fachhandel, ISBN 3-933-104-08-4, 15 Euro.

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