Vier auf einen Streich

GUSENBURG. Musikalische Zeitreise mit vier verschiedenen Dirigenten. Der Musikverein (MV) "Lyra" Gusenburg präsentierte den 300 begeisterten Besuchern in der Grenderichhalle, mit dem "4-Dirigenten-Konzert", einen musikalischen Querschnitt durch die 50-jährige Musikgeschichte seit seiner Neugründung im Jahre 1956.

Als zum großen Finale der Leib- und Magenmarsch des Musikvereins "Musik im Blut" erklingt, springt Dirigent Dietmar Knippel plötzlich von seinem Podium und holt seine drei Vorgänger zum gemeinsamen Dirigieren aus dem Saal auf die Bühne. Unter den stehenden Ovationen der Konzertbesucher treiben die vier Taktgeber Karl-Heinz Nellinger, Günter Dellwo, Volker Dederichs und Dietmar Knippel die 55 Orchestermusiker zur Höchstleistung an. In den zurückliegenden drei Stunden hatte jeder der musikalischen Leiter mit Werken von damals noch einmal an seine Epoche während der vergangenen 50 Jahre erinnert. Zwölf Jahre gab der "Traditionelle" Karl-Heinz Nellinger den Ton an. Nellinger pflegte seiner Zeit die volkstümliche Literatur mit der "Post im Wald", oder "In die weite Welt". "So etwas war damals zeitgemäß", blickt er zurück. Als Dirigent und als erster Vorsitzender in Personalunion schwang "Allrounder" Günter Dellwo 15 Jahre den Taktstock. Unter seiner Regie hielt die Unterhaltungsmusik, wie die "Gartenpolka" ihren Einzug. "Wir haben uns immer auf das Publikum eingestellt", schildert der heutige Vereinschronist. Bereits mit 19 Jahren übernahm der "Ausländer" Volker Dederichs aus Malborn als Dirigent für zwölf Jahre das Orchester. Er leitete den Umbruch von der klassischen zur modernen Orchestermusik ein. "Ich wollte mit neuer Musik aus dem Klangkörper Blasmusik das Optimale herausholen", sagt Dederichs, bei dessen Vorliebe für holländische Blasmusik, mit "Arsenal" und "Twins", wie früher der Funke von der Bühne auf das Publikum überspringt. Seinem Set setzt "Aber bitte mit Sahne" die Krone auf. Für den "Aktuellen" Dietmar Knippel ist das Konzert ein Heimspiel. "Dietmar, auf dich kommt demnächst viel Arbeit zu", sagte der damalige Vorsitzende Thomas Becker vor vier Jahren zu Knippel und beförderte das "Kind des Vereins" zum Dirigenten. Er liebt es, eigene Werke wie "Friday Night Dixie" zu komponieren, arrangieren und ins Repertoire zu integrieren. "Ein Freund, ein guter Freund" (Comedian Harmonists) spiegelt auch gleichzeitig seinen Führungsstil als Dirigenten wider. Längst werden alle Stücke mit rhythmischem Klatschen vom Publikum begleitet. "Wie hat ihnen unsere musikalische Zeitreise gefallen", erkundigt sich Moderator Hans Hoffmann bei den Zuhörern. Die Antwort lautet kurz und knapp: "Zugabe, Zugabe". Dann erleben die Zuhörer noch einmal die vier Dirigenten gemeinsam auf der Bühne. Im Rahmen des Konzertabends wurden die aktiven Musiker Erich Backes, Raimund Barthen und Oswald Reiter zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt.