Blues ohne Wehmut

Der Trierer Blues-Gitarrist Ralph Brauner hat mit "Grown up" sein zweites Album vorgelegt. Die beim Trierer Label "Portabile" erschienene und weitgehend solo eingespielte CD bietet einen stilistischen Rundflug durch unterschiedliche Blues-Genres.

Trier. "Grown up", zu Deutsch etwa "Erwachsen geworden": Ein ungewöhnlicher Titel für einen Musiker, der den 50. Geburtstag längst hinter sich hat. Dabei ist Ralph Brauner als Künstler schon lange erwachsen, spätestens, seit er vor Jahren den Brotjob als Sozialarbeiter aufgab und das Wagnis einging, ausschließlich von Musik zu leben.
Heute ist er als Blues-Gitarrist weit über Trier hinaus etabliert, wie das Echo der Fachpresse auf seiner Homepage www.blueballads.de zeigt. Und in seiner Heimatregion gehört er zu der Handvoll Gitarrenvirtuosen, die bei privaten wie öffentlichen Veranstaltungen gleichermaßen gefragt sind.
Mit langjährigen Weggefährten wie dem Bassisten Erhard Wollmann bietet er neben seinen Solo-Auftritten verschiedene Formationen vom Duo bis zur Band an - das ist heute üblich, wenn man am Markt eine Chance haben will. Einen weiteren Beitrag zum Lebensunterhalt leistet die Lehrtätigkeit, teils privat, teils in den Musikschulen der Stadt und des Landkreises. Und dennoch: "Ich weiß nicht, ob ich den Sprung gewagt hätte, wenn ich Kinder und ein Haus gehabt hätte", sagt Brauner, der mit seiner Frau schon seit Jahren in Trier-Süd lebt.
Relaxter Blues ohne Getue


Wieso also "erwachsen geworden", gerade jetzt? "Ich weiß es eigentlich auch nicht so genau", schreibt er entwaffnend ehrlich auf dem CD-Cover. Aber wenn man sich dann in die 15 Songs einhört, versteht man, was wohl gemeint ist. Brauners Blues ist wunderbar relaxed, souverän, reif, ohne Getue. Erwachsen halt. Da imitiert jemand nicht die Melancholie der Baumwoll-Sklaven, da wird keine Erdenschwere vorgetäuscht, Ralph Brauner hat Spaß an dem, was er macht, und man kann es spüren.
Über seine spielerische Virtuosität braucht man nicht viel zu sagen: Fingerpicking, Slide und was den Himmel des Akustik-Blues-Fans sonst so ausmacht, beherrscht er in Perfektion. Schon eher erstaunlich: Auch der Komponist Brauner, der sechs eigene Titel für die CD geschrieben hat, braucht sich hinter Klassikern wie Earl King, Big Bill Broonzy oder Johnny Winter nicht zu verstecken, die er sehr eigenständig covert.
Winters "Stranger" gehört denn auch zu den eindrucksvollsten Stücken der CD, aber die Eigenkreationen "Love you the most" und "Grown up blues" machen ebenso Laune. Produziert wurde "Grown up" in Luxemburg, die 5000 Euro Studiokosten hat Ralph Brauner vorfinanziert. Dank des vom Trierer Jazzclub initiierten Labels Portabile, das auch für die gelungene Covergestaltung verantwortlich zeichnet, ist der Eintrag bei der Gema gesichert - eine entscheidende Voraussetzung für den überregionalen Vertrieb.
Natürlich soll das Werk auch in der Heimat vorgestellt werden. Am Samstag, 17. Dezember, um 15 Uhr steigt die Präsentation im Point Conceptstore Trier, von Januar bis März gibt es zehn Konzerte zwischen Trier, Mertesdorf, Piesport, Manderscheid und Köln - in unterschiedlichen Formationen.

Ralph Brauner: Grown Up. Portabile Records, 15 Euro