Der Sieg des Kreuzes: "Ein außergewöhnliches Oratorium"

Seit langer Zeit singen der Trie-rer Konzertchor und der SpeeChor gemeinsam, unterstützt vom Luxemburger Orchester "Les musiciens". Anlass ist die Aufführung des lange Zeit verschollenen Oratoriums "Der Sieg des Kreuzes" des Komponisten Riotte am kommenden Samstag, 27. Oktober. Thema: Der Sieg Kaiser Konstantins an der "Milvischen Brücke" vor 1700 Jahren.

 Der Sieg Konstantins an der Milvischen Brücke ist Thema einer Aufführung. Foto: privat

Der Sieg Konstantins an der Milvischen Brücke ist Thema einer Aufführung. Foto: privat

Trier. Philipp Jakob Riotte, Komponist, geboren 1776 in St. Wendel, gestorben 1856 in Wien: Es ist nur eine sehr kleine Schar von Insidern, bei denen es bei diesen biografischen Angaben klingelt, die sofort sagen: Natürlich kenne ich diesen Namen. Er hat eine Sinfonie geschrieben, ein Konzert für Flöte und Orchester und ein Klarinettenkonzert. Dann aber wird es auch bei den Eingeweihten recht dünn. Kaum jemand weiß, dass dieser Maestro ein sehr umfangreiches Oeuvre hinterlassen hat, das beispielsweise 50 Opern umfasst. Auch wenn man einmal die Witterung aufgenommen hat und sich einen erweiterten Wissensstand "er-googeln" möchte, kommt man nicht allzu weit. Immerhin aber kann man erfahren, dass Riotte seine Laufbahn als Kirchenmusiker unter anderem an der Seminarkirche in Trier begonnen hat. Es folgten Kapellmeisterposten in Gotha und in Magdeburg, bevor es ihn ins damalige Zentrum des europäischen Musiklebens, nach Wien verschlug. Nun könnte man natürlich sagen: Einer der vielen Kleinmeister mit einer regional bezogenen Bedeutung. Davon haben wir viele. Das aber kann nicht stimmen. Schaut man sich die Wiener Aufführungsannalen der damaligen Zeit an, fällt auf, dass die Opern dieses Kompositionsschülers von Johann Anton André sich allergrößter Beliebtheit erfreuten, größer noch als die Opern eines Gioacchino Rossini. Lediglich die Werke eines Wolfgang Amadeus Mozart standen in der Gunst des Publikums noch höher. Im Alter von 75 Jahren verfasste Riotte 1852 ein Oratorium, dessen Libretto vom Journalisten Josef Carl Bernard stammte. Eigentlich sollte Ludwig van Beethoven die Musik schreiben. Der aber kam wohl nicht mehr dazu. Nach der Uraufführung äußerte sich niemand Geringeres als Eduard Hanslick, seinerzeit die wohl schärfste Kritikerzunge überhaupt, dazu und stufte das Werk als ein "außergewöhnliches Oratorium" ein. Ein Ritterschlag für den Komponisten.Aufführung am Samstag, 27. Oktober

Der Luxemburger Joseph Groben hat dieses Werk mit dem Titel "Der Sieg des Kreuzes" in Wien ausgegraben. Dort schlummerte es unentdeckt im Archiv der Wiener Musikfreunde (der TV berichtete). Der Inhalt des Oratoriums befasst sich mit einem Tag im Leben des Kaisers Konstantin, genauer gesagt, mit dem 28. Oktober 312. Dies ist der Tag der Schlacht an der Milvischen Brücke. Nahezu exakt 1695 Jahre nach diesen Ereignissen, nämlich am 27. Oktober, wird das Opus summum von Riotte in der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin um 20 Uhr zum zweiten Mal überhaupt zur Aufführung kommen. Groben trat mit seiner Idee, die Komposition in Trier erklingen zu lassen, sowohl an den Trierer Konzertchor als auch an den Friedrich-Spee-Chor heran. Beide Chöre hatten allerdings ihre Konzertprogramme für das laufende Jahr schon erstellt und sahen sich nicht in der Lage, das gewaltige zweiteilige Opus zu bewältigen. Aus dieser Not machte man eine Tugend, was dazu führte, dass der erste Teil vom Konzertchor, der zweite vom Spee-Chor übernommen wird. Eine Kooperation, die es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hat. Es singen: Andreas Post, Tenor, Konstantin; Vinzenz Haab, Bass, Maxentius; Anne Katrin Fetik, Sopran, Julia; Jean-Paul Majerus, Bass, Ältester der Christengemeinde; ein Solistenchor mit Ursula Dimmer, Manou Walesch, Benedikt Schillo, Jeff Speres, der Trierer Konzertchor (Leitung: Manfred May); der Friedrich Spee Chor (Leitung: Martin Folz); das Luxemburger Kammerorchester "Les musiciens" (Leitung: Nicolas Brochot). Karten gibt es in den Trie-rer Musikhäusern, im Museumsshop des Simeonstiftes und an der Abendkasse.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort