Hänsel, Gretel und die Gene

Hänsel, Gretel und die Gene

Sein Musiklehrer riet Manfred May einst von einem Musikstudium ab mit der Begründung, er sei nicht gut genug. Wie man sich täuschen kann. Der TV hat den 71-jährigen Musiker zu Hause besucht.

Trier. Als Jüngster von vier Geschwistern ist der Trierer Musiker - Jahrgang 1937 - im Stadtteil Olewig aufgewachsen. "Meine Eltern wollten mich nicht in den Nazi-Kindergarten schicken, so blieb ich zu Hause. Mir wurde erzählt, ich hätte ständig gesungen und gemalt."

Alles begann mit "Hänsel und Gretel"



Zum Chorsingen kam der damals Zehnjährige zufällig: "Wir hatten einen Anstreicher, der auch Organist war. Und der sang beim Streichen gregorianische Choräle, das hat mir irgendwie gut gefallen. Er hat mich dann in eine Kinder-Choralschola vermittelt." Seinen Plan, Musik zu studieren, gab der Sohn einer Bahnbeamtenfamilie auf Anraten seines Musiklehrers zunächst auf. Er studierte Sport und Latein, aber es dauerte nicht lange und Manfred May entschied sich doch für die Musik. In Saarbrücken folgten ein Schulmusik- und ein Kapellmeister-Studium.

Gut für Trier, denn May ist aus der Trierer Musikszene nicht mehr wegzudenken. 1964 gründete May den Trierer Kammerchor, der später in Konzertchor umbenannt wurde. 1968 kam der Trierer Kinderchor hinzu. Seit beinahe 45 Jahren bereichern er und seine rund 80 Sänger die Trierer Konzertlandschaft mit mehreren Aufführungen jährlich. Sie gastierten auch in vielen europäischen Hauptstädten: zum Beispiel in Rom, Brüssel oder Moskau.

Seit 1973 war May Fachleiter für Musik am staatlichen Studienseminar und bildete dort Musiklehrer aus. Als Lehrer für Musik und Sport am Max-Planck-Gymnasium gründete er 1982 die Musiktheater-AG, und leitete bis zu seiner Pensionierung 15 Produktionen mit insgesamt 200 Aufführungen. 1985 gab das Ensemble sogar die Deutschlandpremiere des hierzulande noch unbekannten Musicals "Cats". Der 71-Jährige bezeichnet das Musiktheater als seine "Jugendliebe": Seit er mit zehn Jahren eine Aufführung von "Hänsel und Gretel" gesehen hatte, war es um ihn geschehen. "Den Rest machen die Gene", erklärt er lachend seine Begeisterung für die Musik.

"Denkmalpflege" mit Werken aus dem 18. Jahrhundert



Aber auch dem Sport blieb Manfred May gewogen: Er fährt gern Ski, spielt Tennis und Golf. Und er reist gerne. Mit seiner Frau war er vor kurzem in Israel und Jordanien.

Aber letztendlich dreht sich sein Leben um die Musik. In seinem Archiv erzählt er von der "musikalischen Denkmalpflege", die er seit Jahren mit großem Engagement betreibt: "Ich übertrage und rekonstruiere vergessene klassische Musik von Komponisten, die im 18. Jahrhundert am Hof des Trie rer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus gewirkt haben. Einiges davon haben wir schon auf CD eingespielt."

Seit 1991 ist May Träger des Bundesverdienstkreuzes, 2002 wurde er mit dem Ehrenbrief der Stadt Trier ausgezeichnet. Diesen Anerkennungen kann er nun eine weitere hinzufügen: Das "Trier Forum" verlieh ihm am vergangenen Sonntag den Hermann-Münzel-Preis (der TV berichtete) für seinen unermüdlichen Einsatz bei der Erforschung und Vermittlung von Musik, besonders der "Trie rer Klassik".

EXTRA

Der Hermann-Münzel-Preis wird alle zwei Jahre als Anerkennung für besondere Verdienste um die Stadt und die Region Trier verliehen. Der Name des Preises erinnert an das herausragende bürgerschaftliche Engagement des verstorbenen Trierer Priesters und Lehrers Hermann Münzel. (ribu)