Rasante Romantik

Gefühlvoll und getrieben: Das Duo David Garrett und Milena Chernyavska hat das Echternacher Publikum am Montagabend im Trifolion mit romantischen Stücken und schnellen Läufen begeistert.

Echternach. Die Tür geht auf. Keine fünf Sekunden auf der Bühne - schon spielt er los: Nikolai Rimski-Korsakows "Hummelflug". Mit diesem Stück hat es David Garrett im Dezember 2008 ins "Guinness-Buch der Rekorde" geschafft: 65,26 Sekunden.

Schnelligkeit - das ist auch am Montagabend im Trifolion in Echternach sein Steckenpferd. Mit der Pianistin Milena Chernyavska spielt er an diesem Abend vor ausverkauftem Haus. Rund 700 Besucher hören zu, als der junge Geiger einen "romantischen Abend" verspricht. Er duzt sein Publikum - einfach so, über den gesamten Abend.

Anschmiegen und mit dem Fuß aufstampfen



Zunächst fragt er, wer zum ersten Mal bei einem klassischen Konzert sei. Sein Traum: Menschen für klassische Musik begeistern, die sonst keine Berührungspunkte zur Klassik haben. Was er sonst über moderne Stücke in seinem Repertoire schafft, bleibt an diesem Abend aber aus. Es ist ein klassisches Programm.

Gefühlvoll inszeniert Garrett César Francks "Sonate für Violine und Klavier A-Dur". Während der tragischen Passagen schmiegt er sich sogar an seine Geige. Er lebt diese Musik intensiv mit - für seine Zuhörer sichtbar. Bei den energischeren Stellen stampft er zur Bekräftigung auch mal mit dem Fuß auf. Immer wieder wechselt er seine Position, setzt sich hin, wenn es ruhiger wird, springt auf, wenn es die Musik erfordert, und steht locker, jung, breitbeinig da, wenn es zum Gestus der Musik passt.

Die "musikalische Freundschaft" (Garrett) zwischen ihm und Chernyavska ist deutlich zu spüren. Die beiden sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das harmonische Zusammenspiel unterstreicht die herausragenden Leistungen der beiden einzelnen Musiker. Chernyavska überzeugt mit hervorragendem Klavierspiel, ihre Finger gleiten über die Tasten, fliegen fast - selbst bei höchst anspruchsvollen Klavierparten wie Edvard Griegs "Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 c-Moll".

Neben diesen romantischen Stücken ist dem jungen Geiger sehr an Schnelligkeit gelegen. Ein Stück folgt rastlos auf das andere. Der Applaus ist noch nicht verhallt, schon geht es weiter. Manchmal wirkt es fast ein wenig gehetzt. Dabei wird deutlich, dass Garrett die Herausforderung der schnellen Läufe liebt. Bei Pablo Sarasates "Introduction and Tarantella" spielt Garrett wirklich "wie von der Tarantel gestochen". Dennoch findet er die Zeit, zwischendurch schelmisch, betont gelangweilt ins Publikum zu schauen, als wolle er beweisen, wie leicht ihm das fällt. Dafür erntet er natürlich auch die erhofften Lacher des Echternacher Publikums. Die "Zigeunerweisen" Sarasates habe er bereits seit 20 Jahren im Repertoire, kündigt der 27-Jährige sein nächstes Stück an: "Dennoch ist es jedes Mal wieder eine Herausforderung, aber es macht unglaublich Spaß, wenn es funktioniert." Und es funktioniert. Er begeistert seine Zuhörer mit schnellen Läufen und rasantem Pizzicato.

Zahlreiche Stücke bringt er in den zwei Mal nur 35 Minuten umfassenden Konzertteilen unter. Bei der dritten Zugabe, die das Publikum stehend eingefordert hat, gibt er seinen Drang nach Geschwindigkeit dann zu: "Ich fang mal schnell an, dann sind wir schneller fertig."