Glaube im Alltag

Wunderschön, wie alles grünt und blüht. Mancher Garten wirkt in seiner Blüten- und Kräuterpracht wie ein Paradies.

Und doch, alles nur vorläufig, alles vergänglich. Irgendwann sind die Blumen verwelkt, die Kräuter geerntet, und dann? - kein Paradies mehr? Mitten im Sommer, in dem wir diese vorläufige, vergängliche Fülle des Lebens erfahren, feiert die Kirche das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Da werden dann Kräuter und Blumen zu sogenannten Krautwischen gebunden und gesegnet. Kein magisches Ritual, sondern der Hinweis darauf, dass uns allen der Himmel blüht. Dieser Brauch geht auf eine alte Legende zurück: Als Maria gestorben war, kamen die Jünger an ihr Grab und öffneten es. Doch anstatt des Leichnams fanden sie Blüten und Kräuter. Maria ist nicht im Grab. So versuchte die Legende den Glauben auszudrücken, dass Maria nun ganz bei Gott ist, dass sie, als Erste der Erlösten mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Die Blumen und Kräuter im Grab sollten daran erinnern, dass wir alle zur selben Herrlichkeit und Ehre wie Maria berufen sind. Sie weisen sozusagen auf das Paradies hin, das jenseits der Vergänglichkeit ist, der Blumenstrauß, der mir sagt, wie wertvoll der Mensch in den Augen Gottes ist, und Heilkräuter, die hinweisen auf das Leben in Fülle, das mir angeboten wird. Und es gilt: Wer Heilkräuter sucht, muss sich auf den Weg machen, sie zu finden. Wer Heilkräuter sucht, muss gut unterscheiden: Was ist gut, was ist schädlich, gar giftig? Welche Dosierung ist zuträglich? Wer Heilkräuter sucht, muss sich manchmal mühen, um Tees, Salben, Extrakte herauszufiltern und herzustellen. Wer Heilkräuter sucht, erfährt jedoch immer wieder ihre ganze Wohltat. Heilkräuter sind Sinnbild für ein Leben, das "Ja" sagt zu dem, was von Gott kommt. Dazu muss man sich aber auf den Weg machen. Man muss suchen und entscheiden. Gar nicht so einfach. Aber es lohnt sich. Denn es blüht uns das Leben. Dechant Johannes Jaax