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Kriegsweihnacht in der Westeifel

Amerikanische Soldaten am 27. Februar 1945 in der Bleialfer Kirche. An der Kirchenwand angeschlagen war der Hilferuf "Herr, lass keine Mutter um verlorene Kinder weinen". Doch gerade hier auf den Schneifelhöhen flossen Tränen des Entsetzens und der Trauer – wie kaum irgendwo anders wütete hier der Krieg. TV-Foto: Archiv Joachim Schröder
Amerikanische Soldaten am 27. Februar 1945 in der Bleialfer Kirche. An der Kirchenwand angeschlagen war der Hilferuf "Herr, lass keine Mutter um verlorene Kinder weinen". Doch gerade hier auf den Schneifelhöhen flossen Tränen des Entsetzens und der Trauer – wie kaum irgendwo anders wütete hier der Krieg. TV-Foto: Archiv Joachim Schröder
BLEIALF. (js)"Weihnachten brannte die Westeifel" – so lautet nicht nur ein Buchtitel aus der Feder des Neuerburger Autors Rudolf Homann. "Ausgerechnet an Weihnachten brannte die Bleialfer Pfarrkirche" berichtete der damalige Schneifelpfarrer Franz Hartel in seiner Chronik.

Weihnachten, das Fest des Friedens, war in der westlichen Eifel im Kriegsjahr 1944 alles andere als friedlich. Feindseligkeit pur! Schon vor Kriegsbeginn war die Eifel ein "Ameisenhaufen", wie Franz Hartel schreibt. Er meinte damit das massive Schaffen und Bauen am Westwall. Drohendes Unheil für den Schneifelort Bleialf deutete sich 1939 an, als das "Glockenverbot" vom 12. September ein Läuten untersagte, "obwohl die Firma Mark aus Brockscheid soeben erst den Glockenturm erneuert hatte", wie Hartel im Pfarrbrief mitteilte. Im Herbst 1944 wurde insbesondere die Schneifel zum Schauplatz erbitterter Kämpfe. Hartel damals: "Tag für Tag hämmerten die Geschütze des Feindes auf unser Dorf." Bleialfer Bewohner wurden zum Schloss Wallerode nach Belgien gebracht und dort in Ställen einquartiert. Pastor Hartel blieb in Bleialf und rettete noch Kircheninventar, konnte aber schlimmste Verwüstungen nicht verhindern. Am 16. Dezember 1944 setzte um 5 Uhr überraschend die Rundstett-Offensive ein. Die Amerikaner zogen sich zurück, deutsche Soldaten besetzten das Dorf - Bleialf wurde das Ziel zahlloser Angríffe. Genau an Heiligabend wurde die Pfarrkirche St. Marien in Brand geschossen. Pastor Hartel schreibt über diesen 24. Dezember: "Nach dem schrecklichen Mittag sank der Heilige Abend auf die Fluren der zerquälten Eifel. Unsere Soldaten bevölkerten zu Hunderten das Pfarrhaus und bereiteten die Weihnachtsfeier vor: Kerzen, Tannenzweige, Wein, Zigaretten..." Am ersten Weihnachtsfeiertag rückten sämtliche Einquartierer ab, "das Pfarrhaus war wie leer gefegt". Sehr bewegt schildert der angesehene Seelsorger, dass er um 7 Uhr "in einem kleinen Zimmer neben der Küche an einem Tisch die Mette hielt". 30 Leute hatten sich dort eingefunden, zuvor legten sie ihre Beichte ab. Hartel klagt: "Keine Krippe, kein Christbaum! Nur zaghaft versuchten einige, ein Weihnachtslied anzustimmen." Weitere Gottesdienste zelebrierte der Geistliche am Weihnachtsmorgen in Winterscheid und Mützenich, während es in Bleialf wegen schwerer Flugangriffe an vielen Stellen brannte. Bis Ende Januar 1945 dauerte es - dann waren die Schneifeldörfer wieder in amerikanischer Hand. "Bleialf war mit Granaten regelrecht eingedeckt", schreibt Hartel verbittert. Noch verheerender ging es im benachbarten Brandscheid zu, wo nur noch ein Kirchentorso in den Weihnachtshimmel ragte. Nach dem schrecklichen Unheil ließ Hartel das zerstörte Kirchendach notdürftig mit 8000 aufgeschnittenen Kartuschen reparieren. An Fronleichnam 1945 schmückten die Bleialfer ihre Straßen mit Wimpeln aus Fallschirmseide und mit Girlanden aus Fernsprechkabel. Insgesamt beklagte Bleialf den Verlust von 31 gefallenen Soldaten und 22 Zivilpersonen. Die Amtsverwaltung listete 1953 weitere 43 namentlich Vermisste auf. Heute erstrahlt der "Schneifeldom" im Inneren so glanzvoll wie nie. Herrliche Kleinode, ein himmlisches Deckengemälde und viele Figuren sind neben der Siebenschläfergruppe die Zierde des Gotteshauses.