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Die Ära des Vollblutbankers geht zu Ende

Die Ära des Vollblutbankers geht zu Ende

Vorstandswechsel bei der Raiffeisenbank Mehring-Leiwen eG. Am 16. August wäre er 49 Jahre quasi bei der gleichen Bank - aber diese Marke schafft Ewald Barten (63) nicht mehr. Am 30. Juni hat er seinen letzten Arbeitstag. Nachfolger als Vorstandsmitglied wird Nils Reh.

Leiwen. Der gebürtige Breiter Ewald Barten startete am 16. August 1967 seine Ausbildung bei der damaligen Raiffeisenkasse im Nachbarort Büdlich. "Als ich meine Lehre als Groß- und Einzelhandelskaufmann beendete, hatte ich bereits drei Fusionen miterlebt. Damals belief sich die Bilanzsumme auf 750 000 Mark", sagt Barten: "Gerade diese Anfangsjahre waren spannend. Mit 16 Jahren habe ich unsere Kasse teilweise alleine geführt. Runter in den Keller zur Warenausgabe, dann wieder hoch, weil jemand Geld brauchte. Den größten Teil meines Urlaubs aus meiner ersten Lehre habe ich heute noch zu bekommen."
1970 folgte die Fusion mit der Raiffeisenbank Leiwen, dort startete Ewald Barten seine zweite Ausbildung zum Bankkaufmann. In Leiwen erwartete ihn ebenfalls ein spannender Start, als damals einziger Nicht-Leiwener unter den Mitarbeitern wurde er mitunter als "Waldländer" betitelt. Doch Barten setzte sich durch, sehr schnell erkannte man, dass er ein gutes Gespür für Kunden und Zahlen hat. Barten brachte unter anderem die heutige Touristinformation in der Schalterhalle der Leiwener Bank mit auf den Weg. Auch das Immobilienvermittlungsgeschäft wurde unter seiner Ägide nach vorne gebracht.
Anfang der 1980er Jahre erfolgte die Ernennung zum Prokuristen: Er war fortan insbesondere für sein Steckenpferd, die Wertpapier- und Vermögensanlage, verantwortlich. 2008 wurde Ewald Barten in den Vorstand der heutigen Raiffeisenbank Mehring-Leiwen berufen. Begeistert ist er von der technischen Entwicklung der vergangenen 30 Jahre und der Digitalisierung: "Das waren noch Zeiten, als wir alle Buchungen per Hand machen mussten und den Zins selber ausgerechnet haben. Mittlerweile hat sich alles geändert, aber wirklich alles."
Was sich nicht änderte, war die Akzeptanz Bartens: "Aufgrund seiner Menschlichkeit erfreut er sich großer Beliebtheit bei Kunden und Mitarbeitern. Mit Ewald Barten geht ein starkes Stück genossenschaftliche Ära zu Ende", sagt Michael Müller, seit 2015 Vorstand der Bank. "Der gesamte Umbruch des Vorstandes war langfristig geplant, so konnten sich alle Beteiligten perfekt einarbeiten. Primäres Gebot und Ziel ist es, die Eigenständigkeit der Bank zu bewahren", gibt Barten seinem Nachfolger mit auf den Weg. Großer Trumpf und Alleinstellungsmerkmal der kleinsten Genossenschaftsbank im Kreis Trier-Saarburg ist die Nähe zu ihren Mitgliedern und Kunden. Ab dem 1. Juli übernimmt Nils Reh die Vorstandsrolle von Ewald Barten. Für Reh ist es ein besonderes Anliegen, in einer Zeit, in der die Kreditinstitute immer größer und anonymer werden, die persönliche Nähe zu Mitgliedern und Kunden weiter zu pflegen.
Der 39-jährige Schweicher hat das Bankgeschäft von der Pike auf bei der damaligen Raiffeisenbank Mehring eG gelernt. Nach seiner Ausbildung war er für die 1998 neu fusionierte Raiffeisenbank Mehring-Leiwen in den Bereichen Innenrevision, Rechnungswesen und Controlling tätig. Im Oktober 2002 erfolgte ein Wechsel zum damaligen Genossenschaftsverband Rheinland. Dort arbeitete Reh als Assistent der Wirtschaftsprüfung für die Genossenschaftsbanken der Region, ehe er Anfang 2005 beim Sparkassenverband Rheinland-Pfalz anheuerte, um ebenfalls als Assistent der Wirtschaftsprüfung für die rheinland-pfälzischen Sparkassen tätig zu sein. Durch dieses Berufsbild erlangte Reh umfassende Einblicke in das Bankgeschäft, weit über die genossenschaftlichen Grenzen hinaus. Aufgrund seiner stets engen Verbundenheit zu seiner alten Bank und dem freundschaftlichen Verhältnis zu seinem heutigen Vorstandskollegen Michael Müller kam Reh Anfang 2014 zu seiner alten Wirkungsstätte zurück. Dort wurde er Prokurist und vervollständigt ab diesem Sommer das neue junge Vorstandsduo.
Extra

Raiffeisenbank Mehring-Leiwen eG: Geschäftsvolumen 2015: 263 Millionen Euro, Kreditvolumen 72,1 Millionen Euro, Verbindlichkeiten 93,6 Millionen Euro, Umsatz Raiffeisen-Märkte 7,7 Millionen Euro, rund 10 000 Kunden, 3361 Mitglieder, 40 Mitarbeiter. BP