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Die Bahn kommt - sagt der Trierer OB Wolfram Leibe

Die Bahn kommt - sagt der Trierer OB Wolfram Leibe

Fernzüge von und nach Trier wird es so bald nicht geben: Diese Nachricht war gestern. Der Konzern denkt angeblich komplett um.

Trier Der erste April ist definitiv vorbei, es ist kein Scherz. "Die Bahn wird initiativ anstreben, Trier wieder ans Fernverkehrsnetz anzuschließen", sagt Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD). Wie bitte?

Der Eisenbahnerjargon ist reich an bunten Metaphern. Sie alle wurden in den letzten Jahren immer wieder benutzt, um das Verhältnis zwischen Trier und der Deutschen Bahn bildhaft darzustellen: abgekoppelt, aufs Abstellgleis geschoben, die falschen Weichen gestellt. Noch im Dezember hatte der Vorstand in aller Deutlichkeit durchblicken lassen, dass Trier sich keine großen Hoffnungen auf eine Intensivierung des Fernverkehrs machen müsse (der TV berichtete).

Und jetzt das: Triers Oberbürgermeister ("Es gibt keinen schwierigeren Verhandlungspartner als die Bahn") schaltet die Signale auf Grün. "Ich erwarte in den nächsten Tagen ein Schreiben der Bahn, in dem ein neuer Anschluss der Stadt Trier ans Fernverkehrsnetz klar als Ziel genannt wird." Noch ist das Schreiben nicht eingetroffen, aber Triers Rathauschef hat Gespräche geführt. "Und ich bin zufriedener aus diesen Gesprächen herausgegangen als bei früheren Gelegenheiten."

Was erwartet Leibe konkret? "Wir werden auf der Basis einer offenbar neuen Verhandlungsbereitschaft der Bahn sehen, was wir für Trier herausholen können und wie wir mehr bekommen als den Zug von Luxemburg über Trier nach Düsseldorf." Dieser Zug soll ab Ende 2017 einmal am Tag fahren. "Der Hinweg nach Düsseldorf ist kein Problem", sagt Leibe. "Aber der Rückweg muss technisch noch gelöst werden, da er über den Knotenpunkt Köln führt, und dieser ist in den Abendstunden überlastet."

Leibe betont, er habe natürlich nicht mit dem Vorstand der DB Bahn AG gesprochen. "Diese Ebene redet nicht mit Oberbürgermeistern von kleinen Großstädten." Doch eine Ebene weiter unten habe er Zustimmung erfahren - bei der DB Netz AG, dem für fast 90 Prozent des Schienennetzes verantwortlichen Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG. Die DB Netz ist in Regionalnetze unterteilt, eines davon ist das Regionalnetz Eifel-Rhein-Mosel.

Auf Nachfrage des TV bestätigt Leibe: "Dort hat es einen Personalwechsel gegeben, und mit diesem sind offenbar neue Einsichten verbunden." Die Bahn habe begriffen, dass auch die Hauptknotenpunkte darunter leiden, wenn es keine attraktiven Zuführungen zu diesen Knoten gibt.

Das alles klingt sehr vage - das ist auch dem OB klar. "Ich kann Ihnen heute leider keine neuen Fernverkehrsverbindungen für Trier konkret ankündigen", sagt er. "Aber die Bahn war in den Verhandlungen mit mir sehr konstruktiv. Ich bin deshalb wirklich optimistisch." Ein Ansprechpartner der DB Netz AG, der Leibes Aussagen hätte bestätigen oder dementieren können, war gestern Nachmittag nicht erreichbar.KommentarMeinung

Aus dem Fenster gelehnt
Oberbürgermeister Wolfram Leibe ist offensichtlich sehr daran gelegen, den Trieren und insbesondere den Bahnkunden unter ihnen auch mal gute Nachrichten präsentieren zu können. Er wird mit Sicherheit Gründe haben, das leidige Thema Fernverkehr derart optimistisch zu präsentieren, aber er lehnt sich hier sehr weit aus dem Fenster. Denn die Deutsche Bahn AG interessiert sich kein Stück für die Attraktivität ihres Fernreiseangebots in Trier. Sie wird wie immer auf der Basis ihrer Gewinne und Verluste, Erträge und Aufwendungen entscheiden. Wenn Trier am Ende dieser Rechnung verliert, dann ist das eben so - so sehen es die Entscheider der Bahn. Obwohl selbstverständlich kein Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Trierer Oberbürgermeisters besteht, gilt im Umgang mit der Bahn eine zentrale Regel: An einen IC oder ICE, der am Trierer Hauptbahnhof hält, sollte der potenzielle Fahrgast erst glauben, wenn er ihn tatsächlich sieht, die Türen sich öffnen, der Passagier Platz genommen hat und mit dem Gefährt losrollt. Bis dahin: Die Botschaft hör' ich wohl … j.pistorius@volksfreund.deBISHER HIEß ES: VOR 2030 TUT SICH NICHTS

Extra

Das Szenario vor ein paar Jahren: Drei Mal am Tag fuhren in Luxemburg gestartete Intercitys in Richtung Ruhrgebiet. Dazu kamen noch zwei IC-Verbindungen von Luxemburg über Trier nach Koblenz. Morgens um fünf Uhr kam man mit dem ICE von Trier nach Berlin. Doch die Ausweitung des Nahverkehrs durch den Rheinland-Pfalz-Takt 2015 beendete diese Verbindungen. Die Auftragsvergabe für diesen Takt läuft 2030 aus. Bisher hieß es vonseiten der Bahn immer: Vorher wird sich für Trier in Sachen Fernverkehr nichts tun.