| 20:37 Uhr

Die meisten leiden unter Gewalt und Misshandlungen

Trier. Der Trierer Frauennotruf hat es sich zum Ziel gesetzt, Frauen, die Opfer sexualisierter, körperlicher und geistiger Gewalt geworden sind, zur Seite zu stehen. Auch die Selbsthilfe der betroffenen Frauen wird gefördert. Nicholas Steinberg

Trier. Jede Frau hat es wohl schon einmal erlebt: Ein Mann wirft ihr einen kessen, anzüglichen Spruch hinterher. Doch oft bleibt es nicht bei harmlosen Sprüchen und Frauen werden zu Opfern sexualisierter Gewalt. Im vergangenen Jahr konnte der Frauennotruf Trier mehr als 1000 Frauen helfen.Kurse, Seminare, Vorträge


In der Fachstelle erhalten Frauen und Mädchen, die Opfer sexualisierter Gewalt wurden, ein längerfristiges Hilfsangebot. Außerdem werden Angehörige und Freunde Betroffener professionell beraten und unterstützt. Insgesamt berieten Psychologen und Sozialarbeiter 840 Frauen. Dazu gehörten Gespräche, Begleitungen zu Anwälten, Ärzten, zu Gericht und Polizei.
Mehr als 80 Prozent der Hilfsbedürftigen kamen dabei aus der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg. Anlass für die Beratung waren Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt im Kindesalter (42 Fälle), Misshandlungen (28), Vergewaltigungen (22) und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz (6). Außerdem klagten Frauen über Stalking und Terror, versuchte Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch und psychische Gewalt.
Die Einrichtung bietet neben Gesprächen auch Vorträge und Seminare zu Selbsthilfe und Verarbeitungstechniken an. Eine weitere Möglichkeit ist die Mitarbeit im Integrationsprojekt Internationaler Frauengarten.
In selbigen arbeiten Frauen mit unterschiedlichem kulturellen und sozialen Hintergrund zusammen. Im vergangenen Jahr engagierten sich mehr als 30 Frauen regelmäßig im Gartenprojekt. Zahlreiche Besucher nahmen an Gartenführungen, Workshops und Festen teil.
Zur Prävention von Übergriffen bietet der Frauennotruf gelegentlich Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Frauen an. 2013 kamen 90 Prozent der Teilnehmerinnen aus der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg.
In speziellen Fachtagungen wurden zudem spezifische Themen angesprochen. Der Frauennotruf schulte Pädagogen im Umgang mit sexueller Gewalt und organisierte eine Fachtagung zum Thema "Überlebenswelten. Sexualisierte Gewalt gegen Frauen mit Behinderungen".
Die Arbeit des Frauennotrufs finanzierte sich im Jahre 2013 zu 76 Prozent aus Zuschüssen vom Land Rheinland-Pfalz, der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg. Die restlichen Mittel stammten aus Projektmitteln, Spenden und Geldbußen.
Der Frauennotruf bietet Betroffenen eine erste telefonische Beratung. Auch Beratungsgespräche in der Einrichtung selbst sind möglich. In der Regel erhalten Frauen bis zu zehn kostenlose Beratungsgespräche. In Einzelfällen betreuen die Psychologen Betroffene auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Frauen bestimmen selbst, was sie besprechen wollen.Rechtliche Möglichkeiten



Die Beraterinnen unterstützen die Frauen darin, Erlebtes zu bewältigen und neue Wege zu finden.
Auch über rechtliche Möglichkeiten, sich gegen sexualisierte Gewalt zur Wehr zu setzen, klären die Experten auf. Der Frauennotruf Trier vermittelt Kontaktadressen niedergelassener Psychotherapeuten, Ärzte und weiterer Fachstellen.
Betroffene Frauen können sich unter der Telefonnummer 0651/2006588 melden. Die Beratungszeiten des Frauennotrufs Trier sind montags, dienstags und freitags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 18 bis 20 Uhr.