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Ein Streiter für soziale Gerechtigkeit

Ein Streiter für soziale Gerechtigkeit

Heiner Geißler wird der siebte Träger des Oswald-von-Nell-Breuning-Preises der Stadt Trier sein. Er wird die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung dort entgegennehmen, wo der katholische Sozialreformer 1908 sein Abiturzeugnis erhalten hatte.

Trier. Erst zum siebten Mal wird in Erinnerung an den bedeutenden Sozialethiker und Jesuitenpater Oswald von Nell-Breuning der nach ihm benannte Preis vergeben. Oberbürgermeister Klaus Jensen hatte als Vorsitzender des überwiegend mit Wissenschaftlern besetzten Preisgerichts am Donnerstag das Vergnügen, bereits den in seiner Amtszeit vierten Preisträger zu verkünden.
"Mit der Auszeichnung des ehemaligen rheinland-pfälzischen Sozial- und später Bundesministers Heiner Geißler würdigen wir dessen Lebenswerk." Der heute 84-jährige Sozialpolitiker habe sich stets in den Dienst der von dem Jesuitenpater maßgeblich geprägten katholischen Soziallehre mit den Grundpfeilern der Solidarität, Subsidiarität und Gerechtigkeit gestellt. Subsidiarität bezeichnet das Bestreben, die Eigenleistung und Selbstbestimmung sowohl des Individuums und der Familie als auch der Gemeinschaften zu fördern.
Häufige Begegnungen


"Heiner Geißler gehört zu den wenigen, die Oswald von Nell-Breuning häufig begegnet sind", sagt Jensen. Die hohe Wertschätzung des 1890 in Trier geborenen Jesuitenpaters habe Geißler in unzähligen Reden und Schriften immer wieder zum Ausdruck gebracht. "Er hat immer wieder in Erinnerung gerufen, dass der soziale Friede und die soziale Ordnung in Deutschland ohne das Werk Nell-Breunings nicht denkbar gewesen wären."
Heiner Geißler, der auch als scharfer Kritiker eines weltweit ungebremsten Kapitalismus gilt, zeigte sich in einem Telefonat mit dem Trierer Oberbürgermeister über die Auszeichnung sehr erfreut. Der 84-Jährige will die Auszeichnung am 13. März 2015 in der Promotionsaula des Bischöflichen Priesterseminars persönlich entgegennehmen. Dort erhielt Nell-Breuning 1908 sein Abiturzeugnis. Der Saal war damals Aula des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums.
Die Laudatio auf den Preisträger wird die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer halten, die Geißler bereits in Kindertagen kennengelernt hat und ihm im Jahr 2002, 25 Jahre nach dessen Ausscheiden, als Sozialminister in diesem Amt nachgefolgt war.
Bisherige Preisträger waren Bundesverfassungsrichter a.D. Paul Kirchhof, Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, das päpstliche Hilfswerk Cor Unum, die Brüder Hans-Jochen und Bernhard Vogel, Bundesminister a.D. Norbert Blüm sowie der gemeinnützige Verein TransFair.Extra

Oswald-von-Nell-Breuning-Preis der Stadt Trier: Stimmberechtigte Mitglieder des Preisgerichts sind die im Stadtrat vertretenen Fraktionen (gemeinsam eine Stimme), jeweils ein Vertreter der Theologischen und der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Trier und ein Vertreter der Philosophisch-Theologischen Fakultät der Hochschule Sankt Georgen Frankfurt/Main. Vergabekriterien: Der Preis wird seit 2002 alle zwei Jahre im Sinne des Vermächtnisses von Oswald von Nell-Breuning für "eine herausragende sozialwissenschaftliche Arbeit, ein beispielhaftes soziales Werk, ein Lebenswerk oder für die Arbeit einer Organisation oder Einrichtung" vergeben. Dotierung: 10 000 Euro. red