Freie Liebe in Vorgärten?

Trier · Vor vier Jahren hat im Schießgraben, in der Nähe der Berufsbildenden Schulen, die Villa Wuller eröffnet. Der Club sucht seinesgleichen in Trier und gilt manchen als einer von wenigen großstädtischen Clubs in einer eher kleinstädtischen Szene. Doch vor dem vierten Geburtstag klagen Anwohner über Lärm, Müll und Sex in privaten Gärten. Der Betreiber will das Gespräch mit den Geplagten suchen, doch sein Einfluss hat Grenzen.

Trier. Christel Hontheim-Monz feiert oft und gerne, etwa an Fastnacht. Beim organisierten Frohsinn zählt sie zum Stammpublikum. Die Triererin eine Spaßbremse zu nennen, wäre deshalb unfair. Doch an Wochenenden vergeht ihr bisweilen der Spaß: "Der Lärm ist nicht mehr auszuhalten, ich kann kaum noch schlafen." Nachbarn ergehe es ähnlich, das wisse sie aus Gesprächen. Zudem hätten Unbekannte mehrmals ihren Vorgarten vermüllt.
Als sei das nicht schon genug, berichtet Christel Hontheim-Monz davon, dass ihr Grundstück für "freie Liebe" genutzt werde. Outdoor-Sex im Vorgarten? "Nicht nur einmal! Ich habe schon die Hecken gestutzt, um den Sichtschutz zu nehmen, aber das hat nichts genutzt", berichtet sie und kündigt an: "Das nächste ist ein Bewegungsmelder." Nicht ausgeschlossen, dass es dann nachts des Öfteren taghell werden könnte auf ihrem Grundstück.Kleiner Club nebenan


Die Ursache allen Übels macht die Anwohnerin im nahe gelegenen Schießgraben aus: Dort, in einem städtischen Gebäude, in dem einst der Jazz-Club Trier logierte, öffnete im Juli 2011 die Villa Wuller - ein Party-Club, wie es keinen zweiten in Trier gibt. Keine Großraumdiskothek, sondern ein kleiner Club, in dem sich zeitgleich maximal 100 Leute aufhalten dürfen.
Nur in zwei Nächten in der Woche wird in der Villa gefeiert. Wer hierher kommt, bleibt oft bis in die frühen Morgenstunden und will vor allem tanzen. Musikalisch gilt der Club als experimentierfreudig, Punk, House und Elektro werden gespielt. Hauptsache "tanzflächenorientiert", so der Betreiber. Der suchte bereits vor dem Start den Kontakt zu Anwohnern und warf in rund 100 Briefkästen Zettel mit seiner Handynummer. Bernhard Roberts Appell: Wenn es Probleme gibt, bitte melden! Zugleich unternahm er einiges, um die Lärmemissionen in Grenzen zu halten. Fenster wurden verbarrikadiert, das Lüftungssystem mit Akustikdämmstoff verkleidet. Mit Sand gefüllte Zwischenwände sollen den Schall zusätzlich dämpfen. Maßnahmen, die Wirkung zeigten. Wie die Stadt erklärt, haben Mitarbeiter des Ordnungsamts 2011 und 2012 wiederholt unangekündigt den Lärm gemessen. Hierbei habe man "keine konkreten Überschreitungen von zulässigen Lärmgrenzwerten festgestellt", so Rathaussprecher Ralf Frühauf. Dennoch gab es "immer wieder unregelmäßig Beschwerden" aus der Nachbarschaft. Daraufhin habe man den Kontakt zum Betreiber gesucht und diesen "auf seine Pflichten hingewiesen", berichtet Frühauf.
Folgt man Robert, ist der sich seiner Pflichten bewusst. So dürfen Besucher keine Flaschen mit nach draußen nehmen - eine Maßnahme gegen Glasbruch und Vermüllung. Ankommende Gäste, die bereits lautstark unterwegs sind, würden gebeten, auf die Nachbarschaft Rücksicht zu nehmen. Wer keine Einsicht zeige, müsse damit rechnen, nicht reingelassen zu werden. Wie sehr dem Betreiber daran gelegen ist, keinen Stunk in und mit seinem Club zu bekommen, verdeutlichen auch die "Spielregeln" an der Eingangstür.
Doch Robert kennt seine Grenzen. Er hat nur Einfluss darauf, was sich in und vor der Villa abspielt. An Besucher appelliert er, beim Kommen und Gehen daran zu denken, dass andere schlafen möchten. Was die Zweckentfremdung privater Grünanlagen anbelangt, sei ihm das "unangenehm". Allerdings könne er niemanden losschicken, der auch jenseits der Villa nach dem Rechten schaut.
Und der Müll? Seine Mitarbeiter reinigten nach jeder Party den Platz vor der Villa, versichert der Chef. "Für die Reinigung des direkten Umfelds ist natürlich der Betreiber zuständig", sagt die Stadt und ergänzt: Doch weil "es sich hier wegen der vorhandenen Parkplätze um einen stark frequentierten Bereich handelt, kann der Betreiber nicht für alle Verschmutzungen im weitläufigeren Bereich verantwortlich gemacht werden".Extra

Da die Villa Wuller nicht direkt in der Wohnbebauung liegt, sondern an eine Turnhalle sowie an ein Schulzentrum angrenzt, gelten für die in der Gaststättenerlaubnis festgelegten Lärmgrenzwerte "die nach der Technischen Anleitung (TA) Lärm vorgegebenen Werte für ein Mischgebiet", erklärt die Stadt. Konkret bedeutet das, dass der Lärm vor 22 Uhr die Grenze von 60 Dezibel nicht überschreiten darf. Nach 22 Uhr liegt die Obergrenze bei 45 Dezibel. Maßgeblich ist der Schallpegel "vor dem geöffneten, vom Lärm am stärksten betroffenen Fernster des nächstgelegenen Wohnhauses". Dass es nun Beschwerden gibt, könne auf die in den wärmeren Monaten naturgemäß größere Fluktuation zwischen Clubinnerem und Außenbereich zurückzuführen sein, mutmaßt Betreiber Robert. mst