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Hochwasserschutz im neuen Quartier Castelnau

Hochwasserschutz im neuen Quartier Castelnau

Schon zu Beginn der Planungen eines Neubaugebietes steht die Frage: Wo geht der Regen hin? Die Frage klingt zunächst banal, wie aus einem Schulbuch. Doch dahinter steckt ein ausgeklügeltes System von Regenrückhaltung zum Hochwasserschutz.

Trier-Feyen/Weismark. Soll das ein Teich sein und wenn ja, warum werde der nicht schöner gemacht, hätten viele Leute Ortsvorsteher Rainer Lehnart (SPD) gefragt. Das mit Folie ausgelegte große Loch am Nahversorgungszentrum in Feyen-Weismark ist jedoch kein Teich, sondern ein Regenrückhaltebecken - eines von insgesamt sechs im Baugebiet Castelnau.
Die Regenrückhaltung ist im Baugebiet Castelnau omnipräsent und dient dem Hochwasserschutz. Sie soll das unkontrollierte Abfließen des Wassers in die Mosel verhindern. Im neuen Quartier im Stadtteil Feyen/Weismark steht ein ganzes System dahinter, erklärt David Becker, Mitglied der Geschäftsleitung der Entwicklungsgesellschaft für urbane Projektentwicklung (EGP). Das Oberflächenwasser könne nicht komplett in den Kanal laufen. Das Ziel sei, möglichst viel Wasser dort zu belassen, wo es auftritt. Die Anlagen seien jedoch nicht immer schön. Man müsse den Menschen näherbringen, wofür diese stehen, und über Missverständnisse aufklären. Im Sommer wurde deshalb das Informationsschild "Wohin geht der Regen?" am Nahversorgungszentrum aufgestellt.
"Die Teichfolie im Becken ist aber eine rein temporäre Maßnahme", stellt Becker klar. Die Folie soll der "Verschlammung" des Beckens durch Feinstaub vorbeugen und nach Abschluss der Baumaßnahmen wieder entfernt werden.
Die zunehmende Sensibilität für Hochwasser zeigt auch die Entwicklung der neuen App (Programm) Katwarn (der TV berichtete mehrfach). Während das Warnsystem nur über akute Gefahren informiert, ist das Regenrückhaltesystem eine vorbeugende Maßnahme. Wie bereits durch den Bebauungsplan gefordert wird das Regenwasser durch Gründächer auf den Häusern kontrolliert und verlangsamt in die weiteren Systembestandteile wie Zisternen, Rigolen oder die Rückhaltebecken abgeleitet.
Getrennt vom Abwasser verdunstet oder versickert so ein Großteil des Regens auf dem Weg. Viele Bewohner würden den Regen auch sammeln und zur Bewässerung des Gartens oder für die Toilettenspülung nutzen, erklärt Becker. Die Rückhaltebecken am Ende des Systems sind in der Regel leer und nur in regenstarken Zeiten gefüllt.
Auch für das Neubaugebiet Castelnau II laufen schon die Planungen. Die EGP übernehme hier die Aufgabe, dass so wenig Versiegelung wie möglich auftrete, erklärt Ortsvorsteher Lehnart. "Ein Problem ist jedoch, dass keine privaten Anreize für Entsiegelung bestehen." Die Regularien des Bebauungsplans sind für die Bauherren verpflichtend.Extra

Im System der Regenrückhaltung dienen Zisternen der Aufbewahrung von Regenwasser auf dem Grundstück. Überschüssiges Wasser läuft vom Dach in den Speicher. Ist keine Zisterne vorhanden, gelangt der Regen über ein Rohr in den Garten mit einer Rigole, in der das Wasser größtenteils versickert oder verdunstet. Im "Notfall" werden die Regenrückhaltebecken über einen Kanal bedient. Die Becken verhindern auf diese Weise, dass große Mengen an Regenwasser gleichzeitig in die Mosel gelangen. sebi