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Der Schatz aus dem Abfluss

Aufwendige Kleinarbeit: Bis zu eine halbe Stunde braucht Restaurator Stefan Schu, um eine der Münzen zu reinigen. TV-Foto: Roland Morgen
Aufwendige Kleinarbeit: Bis zu eine halbe Stunde braucht Restaurator Stefan Schu, um eine der Münzen zu reinigen. TV-Foto: Roland Morgen
Ein Häuflein mittelalterliches Kleingeld lässt Experten frohlocken. Der Münzschatz aus der Liebfrauenkirche werde neue Aufschlüsse über Handel und Wandel Triers um 1300 bringen. Ein Großteil sind Schillinge aus Frankreich und England. Von unserem Redakteur Roland Morgen

Trier. Des einen Leid ist des anderen Freud. Derjenige, der um das Jahr 1300 seine Barschaft unter dem Taufstein in der Liebfrauenkirche versteckt hat, durfte sich ihrer wohl nicht lange erfreuen, denn er hat sie nicht wieder hervor geholt. 700 Jahre später jubelt Bistums-Chefarchäologe Winfried Weber (63): Der Fund der Silbermünzen sei eine "Sensation".Entdeckt wurden sie bei Renovierungsarbeiten. In einem Loch im Boden, das einst als Abfluss eines Taufbeckens diente, kamen zwischen den Scherben eines geborstenen Tonkruges kleine Münzen zum Vorschein. Weber und Pastor Hans Wilhelm Ehlen (65) eilten herbei: Der Archäologe buddelte kopfüber in dem Loch hängend, der Geistliche hielt die Lampe. Der geborgene Schutt beinhaltete neben weiteren Keramikscherben und einem Mäuseskelett 562 Geldstücke. Die stark korrodierten Silbermünzen werden jetzt im Bischöflichen Museum fein säuberlich von der Patina befreit. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse bestätigen Winfried Webers erste Annahme: "Bei dem Geld handelt es sich überwiegend um französische und englische Schillinge, die um 1300 auch auch hier zu Lande ein gängiges Zahlungsmittel waren." Eigene Münzen waren zu jener Zeit im Erzbistum Trier Mangelware. "Fenster in die Geschichte" unter einer Glas-Pyramide

Die Herkunfts-Länder belegen für Weber: "Trier war damals sehr nach Westen orientiert. Auch wenn unser Münzschatz keinen allzu hohen materiellen Wert besitzt, ist er numismatisch und wirtschaftsgeschichtlich außerordentlich bedeutend: Er weist die starken Beziehungen nach Frankreich und England nach." Eine Erklärung, wer das Geld warum unter dem Fußboden versteckt hat, lässt sich nicht ableiten. Weber: "Das ist sehr mysteriös." Die Liebfrauenkirche war um 1300 ein Neubau. 1260 hatten lothringische Spezialisten das Meisterwerk mittelalterlicher Architektur nach rund 33-jähriger Bauzeit fertig gestellt. Nun sind erneut Bauleute am Werk. Seit Januar laufen umfassende Innen-Renovierungsarbeiten. "Der Einbau der Heizung ist fast abgeschlossen. Parallel dazu laufen die digitale Vermessung und die Kartierung der Wände zur Bewertung der Steine und ihrer Schäden", berichtet Pastor Ehlen. In der zweiten Mai-Hälfte starten die Restaurierungsarbeiten in den Gewölben. Erst dann wird sich zeigen, ob wie geplant ab Anfang 2010 wieder Gottesdienste stattfinden können. Fest steht bereits jetzt, dass es ein "Fenster in die Geschichte" geben wird: Besucher können durch eine kleine Glaspyramide sechs Meter in die Tiefe und mehr als 1800 Jahre in die Vergangenheit blicken. Zu sehen sind ganz unten die Reste eine römischen Straße und terrassenförmig darüber die Fußböden der Gotteshäuser, auf denen große Trierer wie Konstantin und Maximinus, Nicetius, Egbert und Poppo wandelten. Ehlen: "Wir rufen hier in Erinnerung, dass sich an diesem Ort seit der Antike Christen zum Gebet versammeln."Der Förderverein Liebfrauen sammelt Spenden für die Innenrenovierung des Gotteshauses, das zum Unesco-Welterbe gehört (Konto-Nr. 300 682 8050 bei der Pax Bank Trier, BLZ 58560294).