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Mehr Grün auf Triers Gottesäckern

Trier. Auch drei Jahre nach der Erhöhung der Bestattungsgebühren steht noch nicht fest, ob diese nun ausreichen, um Pflege und Unterhalt der 17 städtischen Friedhöfe zu finanzieren. In diesem Jahr will Trier rund 1,3 Millionen Euro in die Sanierung der total maroden Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof investieren. Christiane Wolff

Trier. Weite Grasflächen erstrecken sich auf dem Ruwerer Friedhof zwischen den Gräbern. Im vergangenen Jahr ist hier nicht ein einziger Sarg unter die Erde gebracht worden. Lediglich zehn Urnenbegräbnisse hat es auf dem Stadtteilfriedhof gegeben. Das großangelegte Gräberfeld wird von Jahr zu Jahr leerer.
Auch auf anderen Friedhöfen hat die Stadt größere Wiesenflächen angelegt. Nicht nur, um mit der sinkenden Zahl an Sargbestattungen (siehe Extra) und dem damit verbundenen geringeren Flächenbedarf umzugehen. Die Wiesen sind auch ein Mittel, um Kosten zu sparen: Erstens sind die Grünflächen leichter zu pflegen, zweitens gelten sie als "öffentliches Grün" und können aus dem normalen Budget des Grünflächenamts finanziert werden. Kosten, die die reinen Gräberfelder verursachen, muss die Stadt dagegen grundsätzlich aus Bestattungsgebühren decken.
2008 hatte die Stadt bei der Bewirtschaftung ihrer 17 Friedhöfe allerdings ein Defizit von 850 000 Euro eingefahren. Auch in den Vorjahren gab es sechsstellige Fehlbeträge, die Umstellung auf den doppischen Haushalt zeigte allerdings erst die wahre Größe des Finanzlochs. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, sah ein Gutachten damals die Stilllegung von zwölf Friedhöfen vor. Der Stadtrat lehnte das mit breiter Mehrheit ab. Stattdessen wurden 2010 die Bestattungsgebühren kräftig erhöht.
Ob die teurer gewordenen Begräbnisse die Friedhofskosten decken, weiß man bei der Stadtverwaltung noch nicht. "Die Abrechnungen für 2010, 2011 und 2012 erstellt derzeit ein externes Büro, die Zahlen liegen voraussichtlich Ende März vor", erklärt der städtische Pressesprecher Ralf Frühauf. Von der Idee, Friedhöfe stillzulegen, ist Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani erst mal abgekommen: "Die Friedhöfe müssten wegen der langen Liegezeiten und der bereits reservierten Gräber ohnehin noch 25 Jahre geöffnet bleiben und gepflegt werden - die kurzfristige Kostenersparnis wäre daher marginal." Um Geld zu sparen, setzt die Stadt dagegen auf eine sukzessive Ausdehnung der Wiesenflächen innerhalb der Friedhöfe. "Die Wiesen verlieren zudem über die Jahre und Jahrzehnte auch ihren Friedhofscharakter - das macht später die Entscheidung leichter, wie mit den Flächen umgegangen werden soll", sagt Kaes-Torchiani. Wirklich billig sind Wiesen allerdings auch nicht: 2011 belastete deren Pflege den städtischen Haushalt mit knapp 324 000 Euro. In diesem Jahr wird erst mal investiert: Die seit Jahren äußerst marode Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof wird für 1,3 Millionen Euro umfassend saniert.Extra

Insgesamt gab es 2012 auf den städtischen Friedhöfen 699 Begräbnisse. Davon waren 256 Sargbeisetzungen (36,6 Prozent) und 443 Urnenbestattungen (63,4 Prozent). Damit sinkt der Trend zur Feuerbestattung leicht: 2011 machte der Anteil der Sargbegräbnisse 33 Prozent aus, 67 Prozent waren Urnenbegräbnisse. 2010 hatte sich der Anteil der Urnenbeisetzungen auf 62 Prozent belaufen. woc