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Verkehrssicherheit
200 Trierer Bürger diskutieren im Internet über Zebrastreifen

Der Zebrastreifen vor der Konstantinbasilika ist nach aktuellen Richtlinien klar zu lang.
Der Zebrastreifen vor der Konstantinbasilika ist nach aktuellen Richtlinien klar zu lang. FOTO: Christiane Wolff
Trier. Etwa 200 Trierer haben mitgemacht bei der Internet-Diskussion über die Zukunft der Zebrastreifen im Stadtgebiet – echte Mitsprache haben sie allerdings nicht. 26 Überwege kommen weg.
Christiane Wolff

„Zebrastreifen erhalten, streichen, nachrüsten?“: So hat die Trierer Stadtverwaltung ihren Bürgerdialog auf der Internet-Plattform trier-mitgestalten.de genannt. Rund 200 Trierer haben auf die Frage reagiert und in den vergangenen Wochen Kommentare abgegeben zu den insgesamt 235 Fußgängerüberwegen der Stadt. Zu jedem gibt es auf der Internetseite ein Foto mit Lageplan sowie das Vorhaben der Stadt, was mit dem Zebrastreifen passieren soll.

Die Zebrastreifen, bei denen die Verwaltung bereits entschieden hat, dass sie entfernt werden müssen, wurden besonders oft kommentiert.

Dabei hatte die Stadtverwaltung im Vorfeld der Internet-Aktion keinen Zweifel daran gelassen, dass die neue gesetzliche Richtlinie bei diesen 26 Zebrastreifen keine andere Möglichkeit als ihren Wegfall zulasse. Alle rechtlichen Möglichkeiten, diese Überwege zu erhalten, seien ausgelotet worden, hatte Baudezernent Andreas Ludwig bereits Anfang Juni deutlich gemacht.

Auch die von der Verwaltung mit „wird durch Alternative ersetzt“ beurteilten Überwege könnten aus rechtlichen Gründen definitiv nicht in ihrer jetzigen Form erhalten und auch nicht durch Umrüstung gesetzeskonform gestaltet werden.

Beim Internet-Bürgerdialog gehe es daher auch nicht um eine „demokratische Abstimmung“ darüber, was mit den Zebrastreifen passieren soll, hatte Ludwig erklärt. Die Entscheidung über die Zukunft der Fußgängerüberwege treffe nach wie vor die Stadtverwaltung. Proteste gegen den Wegfall eines Zebrastreifens könnten daher nicht dazu führen, dass „dieser dann doch bleibt“, hatte der Baudezernent im Vorfeld der Bürgerbeteiligung betont. „Wir müssen uns schließlich an die gesetzlichen Vorgaben halten.“

Die Fragestellung „Zebrastreifen erhalten, streichen, nachrüsten?“ hat bei einigen Bürgern allerdings offenbar andere Erwartungen geweckt. Beispiel: die beiden Zebrastreifen vom Konstantinplatz vor der Basilika aus über die Weberbach in Richtung City. Alleine schon wegen ihrer starken Überlänge dürften beide Überwege aufgrund der neuen Gesetzeslage nicht bestehen bleiben, hatte Tiefbauamtschef Wolfgang van Bellen im Juni erklärt. Auf der Internetplattform trier-mitgestalten.de sind beide Fußgängerüberwege trotzdem zur Diskussion gestellt.

„Der Zebrastreifen muss unbedingt bleiben, aber eine Senkung der Geschwindigkeit ist sehr wichtig!“, lautet prompt einer der Kommentare. „Ein Zebrastreifen ist und bleibt absolut notwendig“, schreibt ein anderer Bürger. Der Vorschlag der Stadtverwaltung, den Konstantinplatz in einen „verkehrsberuhigten Geschäftsbereich“ umzuwandeln, „reicht nicht aus, dafür ist auf dieser Querungsmöglichkeit einfach zu viel Verkehr“, betont ein weiterer Kommentator.

Beim Zebrastreifen in der Bergstraße in Trier-Ost ist die Lage ähnlich: Der „wenige Verkehr“ dort lasse „ausreichend Lücken für eine sichere Überquerung“. Zudem sei „der Fußgängerüberweg offensichtlich rechtswidrig“, lautet die Begründung der Stadtverwaltung für ihre Entscheidung, den Zebrastreifen wegzufräsen.

Die Bürger sehen das anders: „Solange die Bergstraße Durchgangsstraße für Abkürzungen ist, um das selbst verursachte hohe Verkehrsaufkommen zu umgehen, müssen diese Überwege erhalten bleiben“, fordert ein Bürger. Der laut Stadtverwaltung „offensichtlich rechtswidrige Fußgängerüberweg“ in der Bergstraße sei ein „wichtiger Bestandteil des Schulwegs zum Friedrich-Wilhelm-Gymnasium“, schreibt ein anderer Bürger, „dessen komplettes Entfernen ist daher mehr als fragwürdig“.

Mittlerweile ist die Mitmach-Aktion auf trier-mitgestalten.de beendet. Insgesamt sind 327 Kommentare zu den Zebrastreifen eingegangen. Rund 200 Bürger waren insgesamt zwischen dem 11. Juni und dem 15. Juli auf der Internet-Plattform aktiv, erklärt die Stadtverwaltung auf TV-Nachfrage.

Wie viele der 327 Kommentare das Rathaus als konstruktiv bewertet insofern, als dass die städtischen Pläne für die einzelnen Zebrastreifen tatsächlich noch einmal neu überdacht und vielleicht sogar abgeändert werden, sei noch nicht ausgewertet, erklärt Rathaus-Pressesprecher Ernst Mettlach. Zwar habe ein Redaktionsteam des städtischen Presseamts die Diskussion auf trier-mitgestalten.de moderiert und erste Fragen dort bereits beantwortet. „Eine systematische Bewertung der Kommentare durch die beteiligten Fachämter hat aber noch nicht stattgefunden“, sagt Mettlach.

In den nächsten Wochen würden die Kommentare den beteiligten Fachämtern vorgelegt – darunter Tiefbauamt und Straßenverkehrsbehörde. Der städtische Bauausschuss beschäftigt sich in seiner Sitzung am Donnerstag, 9. August, mit den wichtigsten Eingaben.

Die Mitarbeiter der städtischen Ämter würden alle Anmerkungen prüfen. „Aufgrund der großen Zahl der Kommentare ist es derzeit noch nicht absehbar, wann diese Prüfung abgeschlossen ist“, sagt Mettlach. Anschließend würden die Fachämter zu allen kommentierten Fußgängerüberwegen eine Stellungnahme abgeben. „Bei Bedarf erfolgt dabei eine Neubewertung durch die Verwaltung“, erklärt Rathaussprecher Mettlach.

Die finale Liste der Verwaltung soll den städtischen Gremien und damit der Öffentlichkeit schließlich im Herbst vorgestellt werden.