Wettergott bringt großen Durst

Wettergott bringt großen Durst

DAUN/BITBURG/THALFANG. Die sommerlichen Temperaturen treiben den Getränke-Absatz kräftig in die Höhe und bescheren Händlern und Herstellern klingende Kassen. Auch die Mineralwasser-Brunnen sowie die Brauereien in der Region profitieren davon.

Über 30 Grad im Schatten, das heizt den Durst mächtig an. Hochsaison für Sprudel-Abfüller und Brauer. Beim kleinsten der Mineralwasser-Erzeuger in der Region Trier, dem Dauner Sprudel, hat man sich schon früh auf die Hochsaison eingestellt und auf Lager produziert, sagt Helmut Mürlebach, Leiter des Rechnungswesens beim Dauner Sprudel. Absatzzahlen gibt der Betrieb zwar nicht heraus, aber es seien Steigerungen im "hohen zweistelligen Bereich" zu vermelden. Auch die Mitarbeiterzahl wurde dem angepasst. "Wir helfen uns mit Schülern aus. Außerdem fahren wir seit drei Wochen Zwei-Schicht-Betrieb, um der Nachfrage gerecht zu werden." Beim Marktführer Gerolsteiner Brunnen sieht man die starke Mineralwassernachfrage mit einem lachenden, die Gefahr weiterer Streiks jedoch mit einem weinenden Auge. In der vergangenen Woche hatten rund 300 Beschäftigte eineinhalb Stunden protestiert. Geschäftsführer Jörg Croseck hatte davor gewarnt, dass mit jeder Streikstunde über 200 000 Flaschen der laufenden Produktion verloren gingen. Auf die starke Nachfrage reagierte Gerolsteiner mit der befristeten Einstellung von 26 Mitarbeitern. Infos zum aktuellen Absatz gibt es nicht. Auch in Dreis-Brück (Kreis Daun) bei der Nürburg-Quelle zwingt der Supersommer die Abfüllmaschinen und Mitarbeiter zu Höchstleistungen. Um 50 Prozent ist der Absatz schon gestiegen. Und die Steigerungsraten wachsen weiter, ist Geschäftsführer Hermann Kreuter überzeugt: "Es kann sein, dass wir in dieser Woche schon bei 100 Prozent mehr Absatz liegen." Im Normalfall werden bei Nürburg-Quelle rund 500 000 Flaschen aus den acht Brunnen täglich abgefüllt, momentan liegt der Ausstoß bei 750 000 Flaschen. Um der starken Nachfrage, die seit sieben Wochen andauert und sich in den letzten vier Wochen noch verstärkt hat, gerecht zu werden, ist eine Nachtschicht eingeführt worden, und auch am Samstag wird bis 18 Uhr gearbeitet. "Wir können die Ausliefermenge ohne Probleme auf eine Million Flaschen hochfahren, im Supersommer 2003 hatten wir Spitzenwerte von 1,2 Millionen Flaschen täglich", sagt Kreuter. Zusätzlich zum eigenen Fuhrpark setzt das Unternehmen auch Spediteure ein, um den Transport zu bewältigen. Trend zu Wassern mit Fruchtaroma

Mit ähnlichen Problemen wie die Eifeler Kollegen hat auch Hochwald-Sprudel aus Schwollen (Kreis Birkenfeld) mit Standort in Thalfang (Kreis Bernkastel-Wittlich) zu kämpfen. "Die Ladefläche wird knapp. Viele Spediteure haben keine Laster in Reserve, sondern fahren jetzt rund um die Uhr, um die Nachfrage zu decken", sagt Günter Heß von der Geschäftsleitung bei Hochwald-Sprudel. Einen Leergutnotstand gebe es nicht, da man jede PET-Flasche neu produziere. Und auch von Überstunden und Nachtschichten ist im Hunsrück keine Rede. "Wir haben vorproduziert. Und die Kollegen, die wir in kühleren Sommern schon mal früher in Urlaub schicken, arbeiten jetzt durch", sagt Heß, der von Vollauslastung spricht. Zahlen möchte auch er nicht nennen, Hochwald-Sprudel rechnet angesichts der "enormen Zuwächse" für 2006 mit einem Absatzplus. Bundesweit ist im ersten Halbjahr laut der Marktforschung der Verkauf der Mineralwässer um 4,2 Prozent auf 5,2 Milliarden Liter gestiegen. In den vergangenen Tagen gab es Umsatzsteigerungen um bis zu 40 Prozent. Der Spitzenreiter bei alkoholfreien Getränken sind neben dem klassischen Sprudel stille Wässer mit Fruchtaroma, die ihren Marktanteil auf 6,2 Prozent verdoppelt haben. "Bei über 35 Grad Hitze stagnieren gesüßte Getränke", erläutert Nürburg-Quelle-Chef Hermann Kreuter. "Aromatisierte Produkte sind der Renner - absolute Trendprodukte", sagt Hochwald-Geschäftsleiter Heß. Was die Mineralwasser-Branche freut, lässt auch die Kassen der Bierbrauer klingeln. Der Deutsche Brauer-Bund geht inzwischen gar nach einem Minusjahr für 2006 von einem Absatzplus aus. Bei der saarländischen Karlsberg Brauerei aus Homburg heißt es: "Die Produktion läuft derzeit auf Hochtouren." Und auch bei der Bitburger Brauerei spricht man nach jeweils zwölf Prozent Absatzsteigerung im Mai und Juni auch für Juli von einer "sehr erfreulichen Entwicklung". Auch wenn keine Zahlen genannt werden, vor allem das Radler-Mischgetränk sei gefragt.

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