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Kirche
Sakramente, Schach und eine teuflische Leidenschaft

Bruno Comes vor der Pfarrkirche St. Markus in Wittlich. Insgesamt ist er für rund 13000 Katholiken in der Pfarreiengemeinschaft Wittlich zuständig.
Bruno Comes vor der Pfarrkirche St. Markus in Wittlich. Insgesamt ist er für rund 13000 Katholiken in der Pfarreiengemeinschaft Wittlich zuständig. FOTO: Christina Bents
Wittlich. Bruno Comes ist Priester der Pfarreiengemeinschaft Wittlich. Am Wochenende feiert er sein silbernes Jubiläum. Was er an seinem Amt besonders schätzt: die bunte Vielfalt.

Eine Messe zu dienen, das hat Pastor Bruno Comes erst mit 19 Jahren im Priesterseminar gelernt. In seinem Heimatort Lösnich war er der einzige Junge, der kein Messdiener war. Trotzdem ist er Pastor geworden. Das erklärt er so: „Bei religiösen Freizeiten habe ich kirchliche Vorbilder getroffen, und zwei Religionslehrer haben mein Interesse geweckt.“

Sein Studium, das ihm jeder in seiner Familie und in seinem Freundeskreis zugetraut hat, war dennoch auch von einer schweren Krise gezeichnet. „Ich war mir nicht sicher, ob ich tatsächlich berufen bin, da hat mir mein geistlicher Begleiter sehr geholfen. Ich habe meine Krise überwunden, und es kamen auch keine weiteren dazu.“

Mit seinem Beruf will er vor allem den Glauben an Jesus Christus weitergeben. Das spiegelt sich auch in seinem Primizspruch wider, der lautet: „Und Jesus sprach zu ihnen: Folget mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen!“ Er stammt aus dem Markus-Evangelium.

Spannend findet Comes das Priesteramt, weil es sehr vielfältig ist. „Es gibt viele Menschen, die denken, wir hätten sehr viel mit Bürokratie zu tun, aber hier in Wittlich ist das nicht so. Ich habe tolle Mitarbeiter und Ehrenamtliche, die mir sehr viel abnehmen.“

Weiter sagt er: „Die Buntheit der Aufgabe schätze ich, beispielsweise halte ich Schulgottesdienste zum Ausbildungsabschluss der Physiotherapeuten, also Erwachsenen. Zudem bin ich Maria Grünewald sehr verbunden. Da ist, wie sehr oft in meinem Beruf, Fingerspitzengefühl gefordert, wenn beispielsweise ein Bewohner mich mitten in der Messe umarmen will.“

Bei allen kirchlichen Tätigkeiten ist ihm die Atmosphäre wichtig, ob das im Pfarrbüro, den Gremien oder in den Gottesdiensten ist. Comes ist sicher: „Eine positive Grundstimmung ist wesentlich, damit man sich wohl und ernst genommen fühlt.“

Was ihn zunehmend nervt, ist die Konsumhaltung bei religiösen Diensten. „Besonders bei Terminen ist es für die Menschen zunehmend schwierig, sich an vorgegebene Daten zu halten. Da kann man nicht immer den Wunschtermin bekommen, weil einfach weitere Personen dranhängen wie Küster und Organist.“

Als er vor 25 Jahren, nach seinen Kaplanstellen in Koblenz und Sinzig/Bad Bodendorf, die Pfarreiengemeinschaft in Niederehe in der Vulkaneifel überahm, hatte er die Vorstellung, als Priester ein Begleiter für alle seine Mitglieder zu sein. „Von diesem Ideal musste ich mich schon teilweise in Niederehe verabschieden und in Wittlich auch, denn die Einheiten sind einfach zu groß, als dass man alle Mitglieder kennt. Das ist schade.“

Vieles, was er sich als Priester vorgenommen hat, konnte er aber umsetzen, beispielsweise war er bei den Weltjugendtagen 2005 in Köln und 2008 in Australien. Außerdem hat er Wallfahrten ins Heilige Land, nach Rom und auf den Spuren des Heiligen Martin unternommen. „Ich wäre gerne öfter unterwegs, wenn ich nicht Probleme mit meinen Knien hätte, das macht Pilgertouren schwierig“, sagt er.

Bruno Comes ist in Wittlich aber nicht nur wegen seines Priesteramts bekannt, sondern auch als sehr guter Schachspieler. Mehrmals war er Stadtmeister. Auch auf Rheinlandebene hat er schon den zweiten Platz im Schnellschach erreicht. In diesem Jahr, am 7. September, wird Comes wieder im Simultanschach für einen guten Zweck antreten. Daneben schwimmt er gern, spielt Skat und Doppelkopf und jubelt und leidet mit der Fußballmannschaft des 1. FC Kaiserslautern, die Rote Teufel genannt werden.

In Wittlich fühlt er sich so wohl, dass er auch nach der Reform 2020 bleiben möchte. Dabei ist es für ihn nicht wichtig, ob als leitender Pfarrer oder Kooperator. „Ich muss nicht der Chef sein, ich möchte Sakramente spenden, für die Menschen da sein und das gerne weiter in Wittlich“, sagt er.

Der Festgottesdienst zum Priesterjubiläum von Pfarrer Bruno Comes findet am Samstag, 14. Juli, um 17.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Bernhard in Wittlich statt.