Die meisten Karnevalsorden stammen aus Krummenaui

Karneval : Wo Orden funkeln, läuten und tanzen

Wenn in diesen Tagen in ganz Deutschland Fastnachtsorden vergeben werden, kommen viele davon aus dem Hunsrück. In Krummenau hat sich ein Unternehmen in den vergangenen Jahren zu einem der Marktführer in diesem Nischenmarkt entwickelt.

Holger Bersch ist der Stolz anzumerken, als er den aktuellen Orden des Festkomitees Kölner Karneval von 1823 in der Hand hält. Denn dieser ist eng angelehnt an das Motto der Session 2017/2018 „Mer Kölsche danze us der Reih.“ Den Rahmen hat das Team rund um den Chefdesigner des Krummenauer Unternehmens Zinnhannes mit mehreren Gelenken beweglich gestaltet. In der Mitte des Ordens befindet sich ein rotes Tanzpaar, bei dem der Mann, dessen Beine ein A des Mottos bilden, seine Partnerin hochhebt. Umgeben sind die beiden von verschiedenen Fastnachtsfiguren, die auf Federn befestigt sind, also tatsächlich scheinbar tanzen, wenn der Träger des Ordens sich bewegt.

„Das Kölner Festkomitee will immer einen ganz besonderen Orden, da sind die Anforderungen besonders hoch“, sagt Wolf Schneider, Inhaber des Unternehmens in dem 175-Einwohner-Dorf im Kreis Birkenfeld. Dabei ist das Festkomitee des Kölner Karnevals nur eine von vielen Fastnachtsorganisationen und -vereinen, die ihre Orden bei Zinnhannes im Hunsrück bestellen. Im Musterraum finden sich tausende Exemplare verschiedenster Art: Jubiläumsorden, Prinzenpaarorden, Orden mit passenden Pins, Sessionsorden, Orden für den 1. FC Köln. Das Kerngeschäft von Zinnhannes ist in Deutschland, doch finden sich unter den Abnehmern auch Karnevalsvereine in Österreich, den Beneluxländern und den USA. „Der Stadtprinz von Chicago hat die Orden von uns“, sagt Schneider.

Das Entwerfen und Zeichnen der Orden ist eines, aber wie wirkt das in Metall, sei eine der Fragen, die sich die Grafiker bei Zinnhannes stets stellen müssen. Alle Orden werden galvanisiert, um deren Optik zu verstärken und zu edlem Geschmeide zu machen. „Ein Orden muss funkeln und glänzen“, macht Schneider klar. „Die Kunden haben Themen und Ideen, wir haben Grafiker, die diese Kundenwünsche umsetzen“, ergänzt er und zeigt einen läutenden Orden des Mainzer Narren-Clubs, der der Glocke des Sitzungspräsidenten nachgebaut ist.

Der Ausstellungsraum bei Zinnhannes ist mit einer Narrenkappe närrisch gestaltet. Foto: Christoph Strouvelle

Viele der Ordensbezieher danken dem 18-köpfigen Team rund um Schneider persönlich. Dazu gehört das Kölner Dreigestirn des Jahres 2017, dessen Dankschreiben eingerahmt im Eingangsbereich des Firmengebäudes hängt, und weitere Tollitäten und Prinzenpaare. Nebenan hängt ein Zeitungsausschnitt mit dem damals amtierenden Papst Benedikt, der in Köln mit einem Fastnachtsorden aus dem Hause Zinnhannes geehrt worden ist.

Hier ist der Beweis. Auch der emeritierte Papst Benedikt  hat laut Zeitungsartikel einen Orden aus dem Hause  Zinnhannes verliehen bekommen. Foto: Christoph Strouvelle

Schneider  ist für seine Arbeiten auch vielfach persönlich ausgezeichnet worden. Beispielsweise hat ihn die Mülheimer Karnevalsgesellschaft zum Ehrensenator ernannt. Des weiteren ist er Träger des närrischen Posthorns der Narrenzunft Gelb-Rot Koblenz und Ehrenfunke der Koblenzer Karnevalsfunken 1936. In seinem Büro hängen vier goldene Rahmen mit hunderten Fastnachtsorden und -pins. Nur wenige davon sind nicht aus seinem Haus.

Foto: Christoph Strouvelle

Doch wie hat sich ein Unternehmen in einem kleinen Hunsrückdorf zu einem der führenden Hersteller von Karnevalsorden entwickeln können? Schneiders Vater hatte sich in Krummenau mit Zinngießerei befasst und Gebrauchs- sowie Dekogüter wie Zinnteller, Zinnbecher und Bierkrüge aus Zinn hergestellt.

Foto: Christoph Strouvelle

Als dieser Markt Anfang der 1990er Jahre komplett zusammengebrochen war, hatte Schneider senior bereits Verfahren entwickelt, wie man auf schnelle und preiswerte Art und Weise individuelle Motive in Metall gießen konnte. „Das wurde damals viel genutzt für Plaketten der Amerikaner, die in Deutschland stationiert waren“, sagt Wolf Schneider. Daraus sind Ende der 1980er die ersten Fastnachtsorden entstanden. „Wir mussten damals viel lernen, was die Anforderungen an diese Produkte angeht“, sagt der Inhaber. Denn nicht mehr grau, sondern bunt mussten diese sein und auf den Karnevalskostümen keinen Abrieb hinterlassen.

Foto: Christoph Strouvelle

„Der Orden hat heute nichts mehr gemein mit dem grauen Zinn“, sagt Schneider. „In diesem Nischenmarkt gehören wir zu den marktführenden Unternehmen“, sagt der Inhaber. Zudem verfüge man über eine Herstellerkompetenz. Zinnhannes ist eines der wenigen Unternehmen, das seine Orden in Deutschland selbst produziert.

Foto: Christoph Strouvelle

Neben der Qualität der Orden ist der persönliche Kontakt mit den Kunden das zweite Erfolgserlebnis des Unternehmens. Viele sind langjährige Kunden von Zinnhannes, die der Inhaber persönlich besucht und denen er die Prototypen  vorstellt. Gerade das Prinzenamt sei für viele  Karnevalisten eine Herzensangelegenheit, stellt er dabei fest. Der Orden sei ein Teil des Projektes „Wir machen Prinz“, was für die meisten Tollitäten nur einmal im Leben vorkommt.

Foto: Christoph Strouvelle
Foto: Christoph Strouvelle

Der Orden sei wichtig für die Außenwirkung und stelle die Aktiven individuell dar, sagt Schneider: „Wenn die Prinzen sich freuen, wenn sie ihren Orden sehen, dann macht uns das stolz.“

(cst)