...da war es nur noch einer

...da war es nur noch einer

TRIER. Mitte April schließen sich die Türen der Traditionsdrogerie Kolb in der Neustraße für immer. Inhaber Herbert Kolb setzt sich zur Ruhe, einen Nachfolger hat er nicht.

Kleinbild, Halbformat, sechs mal sechs, Rollfilme, Kassettenfilme, Negative entwickeln, Vergrößerer einstellen, auswässern - in der Fototechnik kennt Herbert Kolb sich aus. Schließlich gehörte die Negativ- und Positiventwicklung lange zu seiner täglichen Arbeit. "Und wenn die Abzüge fertig waren, wurden Büttenränder geschnitten", erzählt der gelernte Drogist. Viermal habe man jedes Schwarz-Weiß-Foto alleine dafür anfassen müssen. "Das war noch echte, personal- und zeitaufwändige Handarbeit", erinnert sich der 57-Jährige zurück an die Zeit, in der die elterliche Drogerie lief wie am Schnürchen.Drogerie besteht seit über 100 Jahren

Als dann die in der Entwicklung aufwändige Farbfotografie sich mehr und mehr verbreitete, gab die Familie Kolb ihr an die Drogerie angeschlossenes Fotolabor auf. "Und heute ist alles digital, und die Leute drucken sich ihre Bilder zu Hause am Computer aus." Sentimental macht ihn das nicht. "Das ist halt der Fortschritt." Die Drogerie in der Neustraße gab es schon am Ende des 19. Jahrhunderts. In den 40er-Jahren des vorigen Jahrhunderts betrieben zwei Brüder - Pharmazeuten ohne Gebietslizenz für die Gründung einer Apotheke - das Geschäft. Doch die Kutzbach-Brüder kehrten nicht lebend aus dem Krieg heim. So übernahm Vater Kolb am 15. August 1947 das Geschäft, 1962 ging die Immobilie in Familienbesitz über. Das Fotolabor machte nur einen kleinen Teil des Betriebs aus. "Zum Drogeriewesen gehören schließlich auch Botanik und Heilpflanzenkunde, Chemie und Drogenkunde, Schädlingsbekämpfung und Kosmetik - mit allen Produkten, die dazu zählen", erklärt Herbert Kolb, der bei seinem Vater in die Lehre ging und anschließend die Drogisten-Akademie in Braunschweig absolvierte. "In den 70ern gab's noch rund 25 inhabergeführte Drogerien in Trier - heute sind es in der Innenstadt nur noch wir und Jacoby in der Fleischstraße", sagt Kolb. Und trotz aller Nüchternheit klingt ein bisschen Wehmut durch. "Früher kostete eine Tube Blendamed überall einszwanzig und ein Stück Palmolive-Seife 70 Pfennige. Da war es für die Leute egal, wo sie kaufen", erzählt Kolb. Dann fiel die Preisbindung, und das Sterben der familiengeführten Drogerien setzte ein - zu Gunsten preiswerter Ketten. Als Herbert Kolb 1981 die Drogerie von seinem Vater übernahm, hatte er gleich mit zwei schwierigen Randbedingungen zu kämpfen: Die erste "dm"-Filiale eröffnete in der Brotstraße, und die Bauarbeiten, die die Neustraße in eine Fußgängerzone verwandelten, machten den Weg zu seinem Geschäft sechs Monate lang äußerst unwegsam. "Aber unsere Stammkunden blieben uns erhalten", sagt Kolb. Denn mit allem können die Drogerieketten nicht dienen: "Wir beliefern über 100 Labore in der Region", sagt Kolb und schlägt einen 1800 Seiten starken Chemikalien-Katalog auf. "Krankenhäuser, etliche medizinische Labore, Hotels, die ihre Schwimmbäder sauber halten müssen, Schulen für den Chemieunterricht, das Landesmuseum für Konservierungen", zählt er die Kunden auf, die auch heute noch Salpetersäure, Salzsäure, Chlor und andere Chemikalien, Petrischalen und Reagenzgläser bei ihm bestellen. "Die Stadtbibliothek braucht zum Beispiel regelmäßig Schwefelwasserstoff für die Restaurierung alter Bücher", erzählt der ledig Gebliebene. Ausgereicht hat der Umsatz daraus zum Schluss allerdings nicht mehr. Im Juni vergangenen Jahres zog die Drogerie in die hinteren Geschäftsräume, die zur Straße gelegenen wurden an das Bekleidungsgeschäft Thomas Koch vermietet - ebenfalls ein Trierer Traditionsunternehmen. Zum Januar hat Herbert Kolb die ganze Immobilie verkauft. "Aber wohnen bleibe ich im Haus - schließlich habe ich mein ganzes Leben hier verbracht."