Wirtschaft: Diese Musk-Rakete sollte zünden

Wirtschaft : Diese Musk-Rakete sollte zünden

Für die einen ist er ein Wundermann, für andere ein Schaumschläger. Elon Musk bringt die Wirtschaft mit seinen Ideen weltweit auf Trab. Auch in der Region Trier (siehe Info II).

Für Elon Musk steht viel auf dem Spiel, wenn heute,  Dienstag, die Falcon Heavy in Florida von der Startrampe abheben soll. Mit der Rakete will er vergessen lassen, was zuletzt alles an seinem Image kratzte, allem voran die ernüchternden Zahlen, mit denen der Autobauer Tesla aufwartete. Noch im Juli hatte Musk optimistisch verkündet, bis Dezember rund zwanzigtausend Model-3-Limousinen ausliefern zu wollen, jene Elektroautos, die Tesla den Weg in die Massenproduktion ebnen sollen. Tatsächlich waren es dann im vierten Jahresquartal gerade mal 2425, ein Klacks, wenn man es mit der Lawine von Vorbestellungen vergleicht.

Da war sie wieder, die Kluft zwischen luftigen Ankündigungen und eher mageren Ergebnissen. Da war Musk in den Augen seiner Kritiker wieder der Sprücheklopfer, der seine Visionen mit maximalem PR-Effekt an die große Glocke hängt, aber nur selten hält, was er verspricht. Mal träumt er von Kolonien auf dem Mars, mal von Vakuumröhren, durch die Züge in weniger als dreißig Minuten von Los Angeles nach San Francisco rasen. Alles nur Hype? Oder wichtige Denkanstöße eines Genies? Big picture statt kleinem Karo?

Schon um den Vorwurf der Schaumschlägerei zu entkräften, hängt jedenfalls umso mehr an seiner Rakete. Seit dem Apollo-Programm mit seinen Mondflügen hat Cape Canaveral keine mächtigere mehr gesehen. Zwar kann es auch die Falcon Heavy von der Größe her nicht mit der Saturn V aufnehmen, die einst die Mondastronauten ins All brachte. Doch sie kann fast dreimal mehr an Ladung aufnehmen als die Falcon 9, ihre Vorgängerin. Siebzig Tonnen. „Ich liebe diese Rakete so sehr“, schrieb Musk neulich in einem Tweet.

Musk hat weder Aeronautik studiert noch hat er je die Erde in einem Rauschiff umkreist oder in einer Kommandozentrale der Nasa gesessen. Dass er Autodidakt ist, gibt er ohne Umschweife zu. Allerdings, fügt er bisweilen hinzu, ein Autodidakt mit Physikdiplom. Seit er als Kind im südafrikanischen Pretoria Science-Fiction-Romane verschlang, ist er besessen von der Erforschung des Universums.

Mit 17 wanderte er aus, in die kanadische Heimat seiner Mutter, von wo es ihn bald in die USA zog. An der prestigeträchtigen Universität Stanford brach er ein Studium ab, weil die Dotcom-Revolution rief. 1995 gründete er ein Unternehmen namens Zip 2, spezialisiert auf eine Mischung aus digitalen Landkarten und Gelben Seiten. Als er es verkaufte, steckte er den Millionenerlös in sein nächstes Start-up, einen Online-Bezahldienst. Als dann Paypal für 1,5 Milliarden Dollar an das Auktionshaus eBay ging, hatte Musk, finanziell gesehen, den Sprung in die Spitzenliga des Silicon Valley geschafft. Den plötzlichen Reichtum nutzte er, um seiner eigentlichen Leidenschaft zu frönen, dem Bau von Weltraumraketen. 100 Millionen Dollar zweigte er als Startkapital ab, um die Space Exploration Technologies Corporation zu gründen, kurz Space X.

Mit welchem Eifer er sich dem Kapitel widmete, bevor seine Ideen Gestalt annahmen, hat Kevin Hartz, einer der ersten Investoren bei Paypal, einmal anhand einer Episode aus einem Hard Rock Café geschildert. „Wir lungern ein bisschen herum, und da ist Elon, vertieft in ein obskures sowjetisches Raketenhandbuch, dessen Seiten nach Schimmel rochen und das aussah, als hätte er es sich bei eBay besorgt.“ Musk, schreibt wiederum dessen Biograf Ashlee Vance, habe mit kühlem Kalkül eine Marktlücke erkannt. Die Etablierten hätten zu teure Produkte angeboten, „sie bauten für jeden Start einen Ferrari, wo es auch ein Honda getan hätte“. Musk wollte das ändern. In Hawthorne, im Ballungsraum von Los Angeles, gründet er eine Fabrik, die auf dem Prinzip beruht, selber herzustellen, was sich selber herstellen lässt. Möglichst billig.

Ein von SpaceX zur Verfügung gestelltes Bild zeigt den Teststart einer SpaceX Falcon Heavy Rakete auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Foto: dpa/-
Elon Musk stellt seine neuen Pläne vor. Foto: dpa/Ben Macmahon

Anfangs geht alles schief. Beim ersten Versuch, im März 2006, versagt nach nur 34 Sekunden das Triebwerk der Falcon 1. Auch der zweite Versuch schlägt fehl. Beim dritten trennen sich die erste und zweite Stufe nicht wie geplant, sodass der Flug in einem Feuerball endet. Erst beim vierten Anlauf wird der Leidenschaftliche für seine Ausdauer belohnt. Wäre auch der gescheitert, verriet er später dem Fernsehmagazin „60 Minutes“, hätte er aufgeben müssen, für einen fünften Versuch hätte ihm das Geld gefehlt. Vance hat es anders beschrieben. In seinem Buch zitiert er Musk mit den Worten, seine Mentalität sei die eines Samurai. Er würde sich eher ins Schwert stürzen als ein Scheitern einzugestehen.

(dpa)
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