Paris: Adieu für einen Helden

Paris : Adieu für einen Helden

Mit einer staatlichen Trauerzeremonie hat sich Frankreich von dem Gendarmen Arnaud Beltrame verabschiedet. Der „Held von Trèbes“ ist schon jetzt ein Mythos.

Lange stand Emmanuel Macron schweigend am Sarg von Arnaud Beltrame. So, als wollte er sich von dem toten Gendarmen jenen Idealismus und jene Kraft holen, mit der der 44-Jährige sich am Freitag für eine Geisel geopfert hatte. Die Heldentat des Bretonen, der daraufhin vom Geiselnehmer, einem 25-Jährigen Islamisten, erstochen worden war, ging um die Welt. Von Papst Franziskus bis zu Donald Trump reagierten die Mächtigen auf das selbstlose Verhalten des Oberstleutnants. Doch es war Aufgabe des französischen Präsidenten, aus dem Tod Beltrames bei der nationalen Trauerzeremonie am Mittwoch eine Botschaft für das ganze Land zu machen. Und Macron holte weit aus: Er stellte Beltrame in eine Reihe mit den Widerstandskämpfern gegen die NS-Besatzung. „Männern und Frauen, die wussten, dass Frankreich nur um den Preis ihres Lebens weiterbesteht.“ Von Jeanne d’Arc bis zu Charles de Gaulle spannte der Staatschef in seiner 20-minütigen Ansprache den Bogen jenes französischen Heldentums, von dem auch der getötete Gendarm Zeugnis ablegte.

Den Helden Frankreichs stellte der Staatschef den „barbarischen Obskurantismus“ gegenüber, der Freiheit und Solidarität auslöschen wolle. Das gelte nicht nur für den Mörder von Beltrame, sondern auch die beiden Männer, die am Freitag die 85-jährige Jüdin und Holocaust-Überlebende Mireille Knoll in ihrer Wohnung erstachen (der TV berichtete). „Sie haben unsere heiligen Werte und unser Gedenken mit Füßen getreten.“ Doch das französische Volk werde diese Prüfung wie schon andere davor überstehen. „Ohne Schwäche, ohne Hemmungslosigkeit, mit Hellsichtigkeit und Methode.“

„Einer von uns hat sich erhoben“: Mit seinen wohl gewählten Worten reagierte Macron auf scharfe Kritik von Rechtsaußen an seinem Anti-Terror-Kurs. So hatte die Chefin des Front National, Marine Le Pen, das Attentat mit insgesamt vier Toten und 15 Verletzten als Versagen im Anti-Terror-Kampf gewertet und den Rücktritt von Innenminister Gérard Collomb gefordert. Der Vorsitzende der konservativen Republikaner, Laurent Wauquiez, sprach von einer „schuldhaften Naivität“ des Staatschefs im Umgang mit Terroristen. Er und Le Pen waren bei der Zeremonie im Ehrenhof des Invalidendoms ebenso anwesend wie der Chef der Linkspartei La France Insoumise, Jean-Luc Mélenchon. Der sonst so laut polternde Linkspopulist hatte sich am Dienstag mit einer flammenden Rede in der Nationalversammlung hinter die Regierung gestellt. „Es liegt an uns, dem Feind keinen Sieg zu überlassen, vor allem nicht den der Spaltung, der Verwirrung und des Streits“, sagte der Oppositionsführer und wurde dafür mit stehenden Ovationen bedacht.

Macron zeichnete in seiner ersten Trauerfeier für ein Terroropfer die letzten Stunden des Gendarmen nach. Er schilderte den 400 Gästen, darunter die Ex-Präsidenten Nicolas Sarkozy und François Hollande, wie Beltrame gegen elf Uhr am Freitag mit seinen Leuten vor dem Supermarkt Super U in Trèbes bei Carcassonne Stellung bezog. Dort hatte der Dschihadist Radouane Lakdim, der bereits zwei Männer in dem Laden erschossen hatte, eine Angestellte als Geisel genommen. Für diese Frau, eine 40-jährige Kassiererin und Mutter einer kleinen Tochter, bot Beltrame sich im Austausch an und wurde daraufhin von dem Geiselnehmer erstochen. „Als wir von dieser Geste hörten, haben wir Franzosen alle eine Gänsehaut bekommen: Einer von uns hat sich erhoben“, bekannte Macron.

ARCHIV - 13.12.2017, Frankreich: Arnaud Beltrame, Polizist aus Frankreich, lies sich bei der Geiselnahme in einem Supermarkt am 23.03.2018 in Trebes, Frankreich, freiwillig gegen Geiseln eintauschen. Beltrame wurde von dem Geiselnehmer lebensgefährlich verletzt und verstarb in der Nacht (24.03.2018). Foto: Boyer Claude/MAXPPP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Boyer Claude

Die Mutter des „Helden von Trèbes“ hatte nach dem Tod ihres Sohnes von seinem lebenslangen Engagement berichtet. „Schon von klein auf stand er im Dienst der anderen, engagierte sich für sein Vaterland“, sagte sie dem Radiosender RTL. „Um ihn zu ehren, spreche ich über ihn. Damit seine Tat dazu beiträgt, dass wir ein bisschen menschlicher werden, ein bisschen toleranter.“ Auch seine Frau Murielle, mit der Beltrame erst seit einigen Monaten standesamtlich verheiratet war, sprach über den Toten. „Er war ein sehr aufmerksamer Ehemann. Er unterstützte mich und trieb mich zu Höheren“, sagte sie der christlichen Zeitschrift „La Vie“.  Seinen Tod sieht sie „als Geste eines Gendarmen und eines Christen.“ Murielle und Arnaud Beltrame sollten im Juni kirchlich heiraten. Der Priester, der die Trauung vornehmen sollte, spendete statt dessen die letzten Sakramente.

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