Breitseiten gegen die Bundeswehr

Breitseiten gegen die Bundeswehr

Friedensaktivisten protestieren gegen ein öffentliches Gelöbnis von jungen Rekruten in Trier. Sie sehen darin eine Verklärung des Militärs und eine Anknüpfung an Wehrmachtsrituale.

Mitten in der Diskussion um Traditionen und Wehrmachtsandenken bei der Bundeswehr sorgt ein öffentliches Gelöbnis von 119 Rekruten am Mittwoch in Trier für Kritik. Die 119 jungen Soldaten, die erstmals vor den Kaiserthermen ihren Eid ablegen sollen, stammen vom Fallschirmjägerregiment 26 in Zweibrücken. Unter den Rekruten sind auch fünf Minderjährige. Das geht aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Trierer Linken-Bundestagsabgeordneten Katrin Werner hervor. "Viele Killerspiele sind für 17-Jährige verboten, reales Tötenlernen erlaubt die Bundesregierung dagegen", sagt der Mainzer Friedensaktivist Gernot Lennert.

Immer wieder gibt es Kritik an solchen öffentlichen Gelöbnissen. Gegner sehen darin eine Verklärung des Militärdienstes. "Dass der Veranstaltungsort öffentliches Gelände und nicht etwa der Innenhof einer Kaserne ist, zeigt deutlich die Werbestrategie, die die Bundeswehr seit einigen Jahren anwendet", sagt Markus Pflüger von der Arbeitsgemeinschaft Frieden in Trier. Zusammen mit anderen Organisationen und Parteien wie den Grünen und Linken beteiligt sich die Arbeitsgemeinschaft an einer Demonstration vor Beginn der Militärveranstaltung.

Die Bundeswehr verteidigt das Gelöbnis in Trier. "Die öffentliche Veranstaltung soll der Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft dienen", teilt Oberstleutnant Uwe Schmelzeis, Sprecher des Landeskommandos Rheinland-Pfalz in Mainz, mit. Die Jungen Liberalen, die Nachwuchspolitiker der FDP, kritisieren den Protest an dem Gelöbnis und die Teilnahme von Bundestagsabgeordneten wie der Triererin Corinna Rüffer (Grüne).

Auch an der Form und dem Ablauf der militärischen Zeremonie samt Ehrenformation und Musikkorps entzündet sich immer wieder Kritik. Laut einer Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags von 2009 wurde die Form der öffentlichen Gelöbnisse von der Wehrmacht übernommen. "Es liegt auf der Hand, dass die propagandistische Zurschaustellung des Militärs in Zusammenhang mit der Kriegspolitik des Dritten Reiches stand. Der Bundeswehr stünde es daher gut an, auf die Fortführung dieser Tradition zu verzichten und die Gelöbnisse in schlichtem Rahmen zu belassen", forderten die Linken bereits 2009 im Bundestag. Die Kritik an dem Gelöbnis in Trier fügt sich in die aktuelle Diskussion über ein möglicherweise falsches Traditionsverständnis bei der Bundeswehr ein.

Nach dem Auffliegen des terrorverdächtigen, rechtsextremistischen Oberleutnants Franco A. werden Kasernen systematisch nach Hinweisen auf Andenken an die Zeit der Wehrmacht durchkämmt. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat angekündigt, auch die Namen der Kasernen zu ändern, die an Soldaten der Wehrmacht erinnern.

Würde die ehemalige Luftwaffenkaserne in Trier noch von der Bundeswehr genutzt, würde sie vermutlich auch auf der Liste stehen. Namensgeber des Stützpunktes war General von Seidel. Hans-Georg von Seidel war während des Dritten Reiches im Generalstab der Luftwaffe und zuletzt Oberbefehlshaber einer Luftflotte.Info: Gelöbnis vor den Kaiserthermen

Die Zeremonie beginnt am Mittwoch, 24. Mai, um 11 Uhr. Der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) und der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) werden daran teilnehmen.

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