Käsespätzle als Fall für das Labor

Hintergrund: Lebensmittelkontrollen : Käsespätzle als Fall für das Labor

Bakterien in Lebensmitteln, Katzenkralle im Kuchen: Was Kontrolleure im Land finden.

Es war ein Schock, als im vergangenen Jahr 40 Kinder und Erwachsene im Kreis Ahrweiler an Durchfall und Brechreiz erkrankten. Das Landesuntersuchungsamt in Koblenz fand danach heraus, wovon sich der Magen der Betroffenen krümmte.

Ein Caterer hatte Käsespätzle falsch zubereitet, ein giftiges Bakterium machte sich breit, was Experten im Labor herausfanden. Immerhin: Seit dem Vorfall arbeitet das rheinland-pfälzische Amt mit einem Gerät, das 250 000 Euro kostet und innerhalb weniger Minuten Krankmacher aufspürt. „Die gewonnene Zeit kommt erkrankten Verbrauchern zugute, die sich viel besser vom Arzt behandeln lassen können“, sagt Stefan Bent, Präsident des Landesuntersuchungsamts.

Kontrolleure in den Kommunen spürten im vergangenen Jahr aber noch mehr Ekel-Lebensmittel auf. In einem Stück Lachs fanden sie Bakterien, die für ältere Menschen und Kleinkinder tötlich sein können. In zwei Proben Wabenhonig lagen Heftklammern, in einem Schweinerückensteak steckte ein spitzer Holzsplitter, in einem Baguette hing eine Glasscherbe und in der Schokoladencremetorte eines Hotels gar eine Katzenkralle.

Von fast 20 000 Proben waren zwar nur 26 gesundheitsgefährdend, sagte die rheinland-pfälzische Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne). Darunter waren meist gefährliche Keime wie Salmonellen, die schwere Magen-Darm-Erkrankungen auslösen können. Die Eifelerin bekannte aber, dass es mehr Transparenz für Verbraucher benötige, um Ekel-Betriebe ausfindig zu erkennen.

Ein dänisches Smiley-System, wie es die Organisation Foodwatch fordert, gefalle ihr zwar nach einem Besuch vor wenigen Jahren. Höfken wendet aber ein: „In Dänemark herrscht eine andere Transparenz-Kultur, da werden Verstöße nicht so schnell skandalisiert. Deutschland diskutiert ein solches Modell als Pranger. Das lässt sich nicht direkt übertragen“, sagt die Grünen-Ministerin. Dennoch kündigte sie an, dass die Länder an einem einheitlichen Portal für Verbraucher arbeiten. Gesetze vom Land bis zur EU forderten immer mehr Transparenz ein. Höfken tadelt wiederum, dass der Bund nicht daran interessiert sei, ein gemeinsames Meldesystem zu schaffen.

Eine Sprecherin des Bundesagrarministeriums sieht das anders: „Den für die Durchführung der Lebensmittelüberwachung zuständigen Ländern steht es frei, Transparenzsysteme wie das Smiley-System durch landesgesetzliche Regelungen zu schaffen“, heißt es aus Berlin.

Immerhin: Einen Lebensmittelskandal – wie einst beim Gammelfleisch – gab es im vergangenen Jahr nicht. Mehr als 130 Kontrolleure im Land statteten 26 100 Betrieben rund 46 000 Besuche ab. In 4200 Betrieben stellten Fahnder Verstöße gegen Hygiene, Bau oder Kennzeichnung von Speisen fest, heißt es vom Landesuntersuchungsamt.

Laut Karl-Josef Leibig, Landeschef des Verbandes der Lebensmittelkontrolleure, könne es aber mehr Kontrollen geben, um Ekel-Betriebe aufzuspüren. „Die Personaldecke ist gerade so abgedeckt. Fällt ein Kontrolleur aus, gibt es keinen Ersatz“, sagt Leibig, der fehlende Kräfte und zu niedrige Gehaltseinstufungen durch Kommunen kritisiert.

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