1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Allein zu klein: Drei Dörfer verbünden sich

Allein zu klein: Drei Dörfer verbünden sich

Sie sind Nachbarn und sie wollen gemeinsame Sache machen: Die drei Ortsgemeinden Halsdorf, Stockem und Enzen denken über einen Zusammenschluss nach. Konkrete Beschlüsse stehen zwar noch aus, doch Gespräche für den eifelweit ersten freiwilligen Zusammenschluss von Ortsgemeinden laufen.

Halsdorf/Stockem/Enzen. 51 Ortsgemeinden hat die Verbandsgemeinde (VG) Bitburg-Land. 21 Orte sind es in der benachbarten VG Kyllburg. Wenn beide zum 1. Juli 2014 miteinander fusionieren, entsteht eine Einheit mit 72 Ortsgemeinden und knapp 25 000 Einwohnern. Im Schnitt werden dann in jedem der Orte 336 Menschen leben.
Halsdorf ist von diesem Durchschnittswert weit entfernt. Stockem auch. Und Enzen erst recht. Die drei benachbarten Dörfer im Südwesten der VG Bitburg-Land kommen zusammen auf gerade einmal 207 Einwohner. Angesichts der wenigen Einwohner und der guten Nachbarschaft machen sich die Orte Gedanken über ihre Zukunft macht - über eine gemeinsame Zukunft.
Erste Gespräche im Rat


Werner Viktor, Ortsbürgermeister in Halsdorf (88 Einwohner), könnte sich vorstellen, dass sich seine Gemeinde und die beiden Nachbardörfer zusammenschließen. "Darüber haben wir bereits im Gemeinderat gesprochen", sagt Viktor. Im Großen und Ganzen sei diese Überlegung auf Zustimmung im Rat gestoßen. "Wir haben ja bereits eine gemeinsame Freiwillige Feuerwehr", erklärt der Halsdorfer Ortsbürgermeister. Im Forstbereich werde ebenfalls zusammengearbeitet, und auch das in Halsdorf stehende Gemeindehaus werde von Bürgern aller drei Orte genutzt. Etwaige Beschlüsse gebe es bislang zwar noch nicht, sagt Viktor, doch stehe auch die VG-Verwaltung dieser Idee aufgeschlossen gegenüber.
Das gilt auch für den 83 Einwohner zählenden Nachbarort Stockem, wo Ortsbürgermeister Markus Gaspers davon ausgeht, dass Stockem von einem solchen Zusammenschluss auf jeden Fall profitieren würde. Denn durch die inzwischen abgeschlossene Kanal- und Straßenbaumaßnahme sei Stockem in "eine finanzielle Schieflage" geraten. Wie viel Minus am Jahresende unter dem Strich stehen werde, könne er noch nicht sagen, da das Bauprojekt noch nicht komplett abgerechnet worden sei. Für Gaspers jedoch wäre ein Zusammenschluss eine Möglichkeit, die Schuldenlast auf breitere Schultern zu verteilen. Wobei er damit nicht die Schultern der Nachbargemeinden, sondern die des Landes meint. "Wir wollen natürlich erst mal sehen, inwieweit das Land dieses Vorhaben unterstützen würde", erklärt der Stockemer Gemeindechef.
"Wir bleiben im Gespräch", sagt auch Manfred Elsen, Ortsbürgermeister der kleinen 36-Seelen-Gemeinde Enzen. Im Gegensatz zu Stockem habe Enzen zwar nach einigen Jahren nun endlich wieder einen ausgeglichenen Haushalt, erklärt Elsen, dennoch stoße dieser Vorschlag auch in Enzen auf offene Ohren. Natürlich gebe es auch dort Menschen, die davon weniger begeistert seien, räumt Elsen ein, doch "insgesamt wird es eher positiv als negativ gesehen".
Ob es tatsächlich zu einem Zusammenschluss kommt, ist noch offen. VG-Bürgermeister Josef Junk will das Thema zurückstellen, bis die Fusion mit der VG Kyllburg abgeschlossen ist.
Es soll kein Strohfeuer sein


Genau wie sein Kollege in Stockem will auch Halsdorfs Orts-Chef zunächst wissen, inwieweit das Land ein solches Vorhaben unterstützen würde. Und für Viktor zählt auch: "Wenn wir so etwas machen, dann darf das nicht nur für zwei Jahre sein."
Für alle drei Gemeinden geht es bei den Überlegungen um ihre Zukunft. Was die drei Orts-Chefs langfristig verhindern wollen, bringt Stockem Orts-Chef Gaspers auf den Punkt: "Wir wollen auf jeden Fall nicht Bettingen zugeschlagen werden."
Meinung

Mutig nach vorn!
Dass die drei Orte Halsdorf, Stockem und Enzen ernsthaft über einen Zusammenschluss nachdenken, ist mutig und angesichts der demografischen Entwicklung - gerade im ländlichen Raum - zukunftsweisend. Bereits heute arbeiten Musik- und Sportvereine sowie Feuerwehren ortsübergreifend zusammen, weil es in vielen Dörfern nicht nur insgesamt immer weniger Bürger gib. Sondern auch, weil es zunehmend schwieriger wird, solche Leute zu finden, die bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren. Das ist in den Ortsgemeinderäten nicht anders. Gemeinsam lässt sich leichter ein intaktes Dorfleben sichern. Das Modell sollte Schule machen. d.schommer@volksfreund.de