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Das Rätsel der stillen Glocke: Kirchengeläut schweigt zeitweise, Gerüchteküche kocht geräuschvoll

Das Rätsel der stillen Glocke: Kirchengeläut schweigt zeitweise, Gerüchteküche kocht geräuschvoll

Gerücht oder Wahrheit? Die Betglocke der Schönecker Kirche darf, so heißt es im Dorf, nicht mehr läuten - tatsächlich ist sie seit einiger Zeit nicht zu hören. Angeblich haben einige Anwohner das bewirkt. Der TV sperrte die Ohren auf.

Schönecken. Gerade haben wir noch über die frisch festgestellten Preisträger im Schönecker Bürgerwettbewerb berichtet, da mischt sich ein leicht dissonantes Bimmeln in die Harmonie. Es geht ausgerechnet um ein echtes Eifeler Traditionsgeräusch: genau, ums Glockengeläut im Kirchturm. Davon nämlich fühlen sich einige Bewohner des Fleckens gestört. Heißt es. Und sie haben deshalb bewirkt, dass vor allem die Betglocke, die morgens um sechs, mittags um zwölf und abends um 19 Uhr erklingt, nun schweigen muss. Heißt es. Und dass das doch ein echter Skandal sei, heißt es ebenfalls.
Aber stimmt das auch? Oder war es ganz anders, vielleicht wird ja nur eine Kleinigkeit an die große, Dings, gehängt?37 Unterschriften gesammelt


"Ach Gott", sagt Pfarrer Siegfried May und atmet kurz durch. Ja, schon, da sei was gewesen. Es habe sich auch jemand beschwert wegen des Geläuts, vor allem wegen der Dauer, wenn zu den Messen gerufen werde, aber "da haben wir uns geeinigt".
Okay. Aber die Betglocke, was ist damit? Kommt gleich. Erst nämlich fällt dem Pastor noch ein, dass man die im Rheinland früher auch "Lumpenglocke" genannt habe: "Die wurde abends geläutet, damit die Stadttore zugehen und die Bewohner unter sich sind." Ach so - die Lumpen mussten draußen bleiben. Schade, dass es das heute nicht mehr gibt, aber Lumpen und weiteres Gesindel sind ja auch nicht mehr immer auf den ersten Blick zu erkennen.
Zurück zum Schönecker Glöckchen: Das mit der Sechs-, Zwölf- und Neunzehnuhrglocke, das stimme, die läute nicht richtig. Hat aber, wie Siegfried May erklärt, nichts mit irgendwelchen Protesten zu tun: Da gebe es einen Defekt in der Automatik, eine Firma sei bereits mit der Überprüfung beauftragt.
Gut, aber da kursierte doch angeblich eine Unterschriftenliste gegen das Bimmeln, oder? Schon, sagt der Pastor, aber da frage man besser Stephan Hannegrefs, der direkt gegenüber sein Hotel habe und deswegen immer die volle Glockendröhnung abbekomme.
Ja, sagt der, zeitweise habe es schon sehr heftig geläutet. Und es hätten sich auch einige seiner Gäste beschwert. Das mit der Unterschriftenliste stimme auch, er habe einfach wissen wollen, ob auch andere Bürger sich gestört fühlten. Immerhin 37 Schönecker haben unterschrieben. Die Liste ging dann an den Pfarreienrat, der in Waxweiler sitzt. Aber, das stellt Hannegrefs auch klar: "Ich habe überhaupt nichts gegen das Läuten." Es sei einfach darum gegangen, dass man es damit nicht übertreibe. Und mittlerweile sei auch alles wieder geregelt, mit der Küsterin Margret Schmidt, die die Glocken bedient, habe er ein Superverhältnis, zudem sei Siegfried May klasse, "so einen netten Pastor hatten wir hier noch nicht".
Also alles wieder gut? Michael Fischer aus Waxweiler, der Vorsitzende des Pfarreienrats, empfiehlt vorsichtshalber ein Gespräch mit seiner Stellvertreterin, Hildegard Cremer aus Nimsreuland, die kenne sich mit Schönecken aus. Stimmt: "Anfang Dezember hatten wir hier eine Wartung", sagt die zweite Vorsitzende. "Danach ist eine Glocke ausgefallen. Und das ist die, die mittags läutet." Deshalb werde jetzt im Dorf eben gemutmaßt, das Schweigen des Geläuts sei auf Beschwerden zurückzuführen. Aber mit den Unterschriften habe das nichts zu tun. Durch die Gerüchteküche sei alles "völlig überspitzt", was man da so zu hören bekomme. "Es ist, glaube ich, nicht halb so wichtig, wie es viele gerne darstellen würden."
Und überhaupt: Die Kirchenglocke, "das ist ein Kulturgut", sagt Hildegard Cremer. "Das war immer so. Und das bleibt auch so."Meinung

Friedensglöcklein, bitte
Der Hauptbestandteil der Welt, sagt der Schriftsteller Wolfgang Denkel, sei das Gerücht. Und in der Eifel, sagen wir, kommt dann noch die Kirche dazu. In Schönecken hat sich aus dem Gemisch dann etwas hochgeschaukelt, das sich am Ende gut wegerklären lässt: Alles halb so schlimm. Niemand will die Glocken zum Schweigen bringen. Kein Skandal, also: Friede dem Flecken. f.linden@volksfreund.de