Kunst kommt von Klönen

Der Museumsverein der Wartehalle Welchenhausen geht sein nächstes Vorhaben an: Eine Skulptur für den Brückenplatz an der Our, die man auch benutzen kann. Titel: Stamm-Tisch.

Lützkampen-Welchenhausen Mehr Kunst pro Einwohner hat keine Gemeinde weit und breit: 28 Menschen wohnen in Welchenhausen, dem schönen Nest im Dreiländereck. Dort steht auch das mutmaßlich kleinste Museum des bekannten Universums: die Wartehalle, die der dazugehörige, hochaktive Verein immer wieder mit sehenswerten Ausstellungen bestückt.
Gerade läuft dort die Frühlingsschau mit Skulpturen der Bildhauerin Esther Wiswe (der TV berichtete). Und das trotz der Straßen- und Kanalbauarbeiten, die den Dorfbetrieb derzeit stark einbremsen: Zeitweise, sagt der Vereinsvorsitzende Christof Thees, sei es nahezu unmöglich, mit dem Auto durch- oder hinaus zu kommen. Manche 80-Jährige hätten sich "mittlerweile veritable Rallyefahrerqualitäten angeeignet, was zum Glück offenbar allen Eifelern im Blut steckt".
Während der Bauarbeiten wird auch der Platz vor der Grenzbrücke über die Our nach Belgien erneuert. "Bislang als relativ schmuckloser Parkplatz für Touristen genutzt, gibt es keine konkreten Konzepte für dessen Gestaltung", sagt Thees.
Der Verein wird das nun ändern: "Statt der üblichen Parkplatzmöblierung mit Bänken" soll die Fläche künstlerisch gestaltet und zu einem angrenzenden Brachgrundstück mit einer großen Skulptur abgeschlossen werden. Die ist aber nicht nur zum Angucken - sie soll als Sitzgelegenheit dienen "und Kindern das Spielen und Klettern gefahrlos ermöglichen".
Die Idee dafür hatte Esther Wiswe, die voriges Jahr den Förderpreis der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen erhielt. Der Verein, "beeindruckt von der schlichten, aber sehr durchdachten Formgebung" ihrer Plastiken, bat die Künstlerin darum, eine Skulptur für den Brückenplatz zu entwerfen, mit der man eben auch etwas machen könne. Das tat sie - und das Modell dieser im Original elf Meter langen Arbeit, sagt Thees, "ist nun das Glanzstück der Ausstellung".
Titel: "Stamm-Tisch." Weil aus drei gewaltigen Eichenholzstämmen gebaut, die die Grenzländer symbolisieren. Und weil das Werk als Sitzgelegenheit, als Tisch und als Klettergerüst dient. Dazwischen Querstreben aus Eichenholz und Basaltstein: Sie bilden die römischen Jahreszahlen 2002 (Gründung der Dorfinitiative) und 2018 (Einweihung der "Kult-Ourtal-Straße").
Der Museumsverein war so angetan von Esther Wiswes Idee, dass der Vorstand sofort sechs alte Eichbäume spendierte, um das Projekt zu verwirklichen.
"So wird nicht nur einer jungen Nachwuchsbildhauerin ermöglicht, ihre erste große Arbeit für den öffentlichen Raum zu schaffen", sagt Christof Thees. "Die Skulptur wird auch Teil der ,KultOurtal-Straße' zwischen Welchenhausen und dem 18 Einwohner zählenden Stupbach, die der Museumsverein 2002 ins Leben rief." Bei der geplanten offiziellen Eröffnung im Sommer 2018 sind dann auf einem 2,5 Kilometer langen Spaziergang durch das malerische Ourtal knapp 30 Kunstwerke und Kulturdenkmäler zu besichtigen: von der Welchenhausener Kapelle, gebaut 1686, bis zur Stahlskulptur von 2005, vom alten Wegkreuz aus Rechter Blaustein bis zu modernen, im Freien aufgestellten Großbannerfotos.
Inzwischen sind die Eichbäume von Vereinsmitgliedern gefällt und werden von ihnen im Sägewerk in Lützkampen vorbereitet. Die Künstlerin, sagt Thees, "arbeitet honorigerweise unentgeltlich, sodass lediglich für den Basaltstein Kosten anfallen". Die Summe - rund 5000 Euro - versucht der Verein im Lauf des Jahres über Spenden einzunehmen.
Näheres im Internet auf der Seite
des Museumsvereins unter
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Extra: DIE KÜNSTLERIN UND IHRE STAMM-TISCH-IDEE


"Drei lange Stämme an einem langen Fluss, der Our. Drei alte Eichen - Belgien, Luxemburg, Deutschland. Verbunden durch die Landschaft und durch Menschen, die sich hier im kleinen Welchenhausen zusammen an einen Tisch setzen und Großes schaffen." So äußert sich Esther Wiswe zu ihrem Entwurf für die Skulptur, die an der Ourbrücke aufgestellt werden soll. "Auch unsere drei Länder waren einmal auseinandergerissen. Getrennt durch Grenzen und Schranken." Projekte wie das des Museumsvereins, sagt die Künstlerin, "setzen Zeichen: Das hier gehört zusammen!" Ihr Stamm-Tisch soll Symbol sein für gelungene Zusammenarbeit: "Einer stiftet die Bäume, einer fällt sie, ein anderer transportiert sie ab. Der nächste sägt sie, wieder ein anderer organisiert oder sponsert die Mittel, und zusammen werden sie dann aufgebaut - zu einem Tisch, der eine Einladung ist, daran Platz zu nehmen und diese Gemeinschaft zu leben."