Sanierung in Bitburg wird teurer: Kreis duldet unzulässige Zulassungsstelle

Sanierung in Bitburg wird teurer: Kreis duldet unzulässige Zulassungsstelle

Entgegen der ersten Kostenschätzung von 2015 wird die Sanierung der Kreisverwaltung den Steuerzahler wohl drei Millionen Euro mehr kosten. Vor allem der Schimmel im Keller des Altbaus und strengere Brandschutzvorschriften lassen die Ausgaben steigen.

Nicht 5,8 Millionen Euro, wie anfänglich geplant, sondern mittlerweile rund neun Millionen Euro wird den Steuerzahler die Sanierung der Kreisverwaltung in Bitburg kosten. Im Herbst sollen die Arbeiten mit einem ersten Bauabschnitt im Altbau starten. Doch wer angesichts der Investitionssumme von neun Millionen Euro denkt, im Kreishaus würden goldene Wasserhähne montiert oder Marmor verlegt, der irrt sich gewaltig. "Die Leute denken, die machen sich alles chic", sagt Landrat Joachim Streit, "aber wenn wir hier fertig sind, wird kaum jemandem die Veränderung auffallen."
Die Kostensteigerung sei hauptsächlich auferlegten Brandschutzmaßnahmen geschuldet, sagt Streit. Ein externer Gutachter habe zum Brandschutz nun Zahlen auf den Tisch gelegt, die weit höher seien als die erste Kostenschätzung der Verwaltung. Streit: "Aber mit dem externen Gutachter sind wir auf der sicheren Seite." Der Trierische Volksfreund klärt im Gespräch mit Landrat Joachim Streit und Kämmerer Martin Olinger, der den Überblick über die Finanzen des Eifelkreises wahrt, wo und wie die Millionen verbaut werden.

Schimmel: Einen verschimmelten Joghurt schmeißt man in die Tonne. Für den modernden Keller in den Tiefen der Kreisverwaltung, in dem gewaltige Aktenberge lagern, kommt solch eine einfache Lösung wohl nicht in Betracht. Doch es besteht Handlungsbedarf: Denn mittlerweile hat sich der Schimmel nicht nur an den Kellerwänden, sondern auch schon auf die Akten ausgebreitet. Um den Keller trockenzulegen und für eine ordentliche Lüftung zu sorgen, sind in der aktuellen Kostenkalkulation mehr als 500 000 Euro angesetzt. "Dazu kommt die Säuberung der bereits mit Schimmel befallenen Akten", sagt Olinger, "vielleicht haben wir uns den Pilz sogar über Akten aus anderen Verwaltungen eingeschleppt."
Wenn sich das Problem allein schon mit einer vernünftigen Lüftungsanlage in den Griff kriegen lasse, sagt Streit, käme man aber günstiger davon.

Zulassungsstelle: Mehr als 35 000 Besucher betreten jährlich in Bitburg eine KFZ-Zulassungsstelle, die nach heutigem Baurecht selbst nicht zulässig ist. Denn der in den 1990ern errichtete Glas-Stahl-Anbau genügt geltenden Brandschutzvorschriften nicht. "Damals war das genehmigungsfähig. Heute wäre es aber nicht mehr zulässig", sagt Streit. Da der Mangel der Verwaltung bekannt sei und "aktiv geduldet" werde, sei man dennoch bis zum geplanten Umbau auf der sicheren Seite. Da der Glas-Stahl-Anbau, der im Brandfall einen Übergriff der Flammen auf höher gelegene Stockwerke nicht verhindern könnte, komplett abgerissen und durch feuersicheres Mauerwerk ersetzt werden muss, steigen auch bei der KFZ-Zulassungsstelle die Kosten: Kalkulierte die Verwaltung 2015 noch mit 250 000 Euro, wird der Umbau, von Sanierung kann man kaum mehr sprechen, der Zulassungsstelle nun mit 715 000 Euro zu Buche schlagen. Dabei wird auch angebaut und die Fläche der Zulassungsstelle erweitert. Streit: "Mit 35 000 Besuchern jährlich müsste die Zulassungsstelle eigentlich unsere erste Adresse sein. Derzeit haben wir dort nicht mal eine Kundentoilette."

Holzdecken: Im Altbau müssen die Decken ertüchtigt werden: Das heißt: Holzbalken raus. Beton rein. Auch diese Maßnahme ist dem Brandschutz geschuldet, denn Holzdecken liegen in der Brandschutzklasse von "F0". Heißt: Sie halten im Brandfall weniger als 30 Minuten.
Der Kreistag hat deshalb die Mehrkosten von 60 000 für die Betonausstattung genehmigt. Für den Einbau der Betondecken muss der Altbau allerdings komplett entkernt werden. Die Kosten für die Sanierung des Altbaus steigen von anfänglich geschätzten 969 000 auf 2,3 Millionen Euro.

IT-Sicherheit: Auch ein weiterer Serverraum und eine bessere Vernetzung der Kreisverwaltung mit breitbandigem Glasfaserkabel haben ihren Preis: 1,5 Millionen Euro will die Gemeinde in die IT-Sicherheit investieren.

Prüfung: Derzeit prüft die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD), ob das Neun-Millionen-Euro-Projekt bauplanerisch und finanziell wie geplant umgesetzt werden kann. Baubeginn ist deshalb frühestens im Herbst.KommentarMeinung

Irrationale Angst
Ob es die Verlegung von Glasfaserkabeln ist, deren Kabelschächte feuerfest abgedichtet werden müssen oder der Umbau der KFZ-Zulassungsstelle mit feuerfestem Mauerwerk. In beinahe jeder Baumaßnahme stecken Ausgaben für den Brandschutz. Aber wer hat schon mal ein Verwaltungsgebäude, das eh nur am Tag besetzt ist, just zu dieser Tageszeit, wenn dort tatsächlich Menschen gefährdet sein könnten, lichterloh in Flammen stehen sehen? Müsste man nicht sagen: Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, und mehrere Millionen Euro in den vorbeugenden Brandschutz zu stecken, wäre übertrieben? Natürlich kann Brandschutz Leben retten und der Schutz der Menschen sollte immer oberste Priorität haben. Dennoch sollte man auch den Brandschutz kritisch in Frage stellen dürfen. Stehen Aufwand und Ertrag in einem vernünftigen Verhältnis oder ufern die immer strengeren gesetzlichen Brandschutzvorschriften langsam aus? Brennt es wirklich so häufig in Deutschland, oder wird unsere Angst vor Feuer langsam irrational? c.moeris@volksfreund.de