Sie kommen als Feinde und gehen als Freunde

Sie kommen als Feinde und gehen als Freunde

Bitburg feiert in diesem Jahr seinen 1300. Geburtstag. Zu diesem Anlass blickt der TV auf die Geschichte der Stadt und geht dabei jede Woche auf einen Aspekt ein, der die Entwicklung Bitburgs beeinflusst hat. Diesmal geht es um Bitburg und die Amerikaner - eine Freundschaft unter denkbar schlechten Voraussetzungen.

Bitburg. Es sind drei Kriege, die im 20. Jahrhundert das Verhältnis zwischen Bitburg und Amerika prägen: Zwei dieser Großereignisse, der Erste und der Zweite Weltkrieg, führen jeweils am Ende dazu, dass die Amerikaner nach Bitburg kommen. Was den dritten Krieg betrifft, so ist dessen Ende diesmal kein Anlass für einen Einmarsch der Amerikaner, sondern vielmehr der Auslöser für deren Abzug.
1300 Jahre Bitburg


Denn nachdem sich ab 1989 der Kalte Krieg und damit das Jahrzehnte dauernde Kräftemessen zwischen der USA und der damaligen Sowjetunion dem Ende neigt, fangen die Amerikaner in den 90er Jahren damit an, ihre Militärstandorte in Westeuropa deutlich zu reduzieren. Davon betroffen ist auch der Flugplatz Bitburg.
Am 23. Februar 1994 wird dort mit der Verlegung der letzten acht Flugzeuge nach Spangdahlem offiziell der Flugbetrieb eingestellt. Vier Monate später schließt die Bitburger Air-Base schließlich komplett. Die Nachricht von der Auflösung der Militärbasis ist für viele Bitburger ein Schock. Vor allem für jene, die als Zivilisten auf der Base beschäftigt sind, aber auch für die Geschäftsleute, die wegen des Abzugs der Amerikaner große Umsatzverluste befürchten. Zudem verbindet Bitburg und der Nato-Partner aus Übersee inzwischen eine gute Partnerschaft. Ja, sogar eine Freundschaft. Eine deutsch-amerikanische Freundschaft. Dass es einmal soweit kommen würde, damit hätte 50 Jahre früher keiner gerechnet. Nachdem die Amerikaner im Winter 1944/1945 ihre Bomben über Bitburg abgeworfen haben, ist von der Stadt nicht mehr viel übrig.
Selbst die Amerikaner, die sich im Februar 1945 erstmals in die Stadt hineinwagen, sind vom Ausmaß der Zerstörung beeindruckt. "Das XII. Corps hatte geglaubt, dass Echternach schwer vom Krieg mitgenommen sei, aber das dachten sie nur - bevor sie Bitburg gesehen hatten", beschreibt Lieutenant Colonel George Dyer später in einem Buch die Situation in Bitburg. Ähnlich erschreckend ist auch die Bilanz der Stadtverwaltung im April 1945: 423 total zerstörte Häuser, 205 ausgebrannte Gebäude, 317 teilweise zerstörte Gebäude und kein einziges Haus ohne Schäden. Wie viele Menschen noch unter den Trümmern liegen, kann keiner sagen. Insgesamt also denkbar schlechte Voraussetzungen für eine transatlantische Freundschaft.
Bis die US-Armee von den Franzosen abgelöst wird (siehe Extra), ist Bitburg zunächst fest in amerikanischer Hand - ähnlich wie Ende 1918, wo nach Beendigung des Ersten Weltkriegs ebenfalls amerikanische Truppen in die Stadt einmarschieren. Zu Beginn herrscht vor allem Misstrauen. Und das auf beiden Seiten. Doch das ändert sich recht schnell. "Als wir zum ersten Mal nach Bitburg kamen, gab es noch keine Verbrüderung", berichtet Sergeant James Cain über seine Zeit in Bitburg. Doch nach einer Weile habe man in den Bitburgern auch Menschen gesehen, so Cain. Und den Bitburgern sei es umgekehrt mit den Soldaten genauso gegangen.
Als die US-Soldaten nach ihrem kurzen Aufenthalt wieder abrücken, stehen viele Bitburger auf der Straße und winken zum Abschied. Es gibt im 20. Jahrhundert zweifelsohne mehr Amerikaner, die nach Bitburg kommen, als Bitburger, die es im Lauf ihres Lebens nach Amerika zieht. Für das 19. Jahrhundert trifft das allerdings nicht zu. Denn aufgrund der allgemein wirtschaftlich schlechten und perspektivlosen Situation in der Eifel verlassen viele Menschen ihre Heimat, um auf der anderen Seite des Ozeans ihr Glück zu versuchen. Was diejenigen betrifft, die in der Eifel zurückbleiben, so arrangieren sie sich im Lauf der Jahrzehnte meist sehr gut mit den Amerikanern.
Schwieriger Start, gutes Ende


Auch wenn die Ausgangslage jedes Mal alles andere als optimal ist - was nicht nur auf die Einmärsche der Amerikaner nach den beiden Kriegen zutrifft, sondern auch auf die Ankündigung zum Bau der Air-Base im Jahr 1950. Auch hier werden die Menschen in Bitburg und vor allem die in Mötsch mit Tatsachen konfrontiert, auf die sie keinen Einfluss haben. Seine Freunde kann man sich nicht aussuchen, heißt es so schön. Im Großen und Ganzen gilt das auch für die Beziehungen zwischen Bitburg und der USA. Die meisten Amerikaner kamen schließlich nicht auf Einladung, sondern auf Befehl. Dass daraus aber trotzdem enge Freundschaften entstanden sind, ist umso besser.Extra

Kriegsende: Auch wenn die Amerikaner die ersten sind, die zum Ende des Zweiten Weltkriegs nach Bitburg kommen, so ist ihr Aufenthalt in der Kreisstadt zunächst nur von vergleichsweise kurzer Dauer. Denn bereits wenig später werden sie als Besatzungsmacht von den französischen Bündnispartnern abgelöst. Und die Franzosen wiederum übergeben noch im November des gleichen Jahres die Kasernen in der Mötscher Straße an die Luxemburger. Rund 10 000 Luxemburger leisten in den darauf folgenden Jahren in Bitburg ihren Militärdienst, bis die Einheit im Juli 1955 schließlich aufgelöst wird. Während die Luxemburger Bitburg also nach zehn Jahren wieder verlassen, bleibt ein Teil der Franzosen deutlich länger. Erst im Juni 1985 wird das 512. Regiment du train als letzte Einheit der französischen Garnison aus Bitburg verabschiedet. uhe

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