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Ein wirtschaftliches Abenteuer

Als Webdesignerin hat sich Hanne Jegen selbstständig gemacht.Foto: Angelika Koch
Als Webdesignerin hat sich Hanne Jegen selbstständig gemacht.Foto: Angelika Koch
SPEICHER. (ako) Der Blick für klare Linien und Überzeugungskraft gehören zu Hanne Jegens Metier: Als Webdesignerin, Grafikerin und Galeristin hat sie den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit gewagt und früh entdeckte Talente verwirklicht.

Der Handelsort Speicher, nah an der Air Base Spangdahlem gelegen, wirkt auf den ersten Blick nicht wie die ideale Heimstatt für künstlerisch ausgefeilte Gestaltung, sondern eher nüchtern und auf das rein Praktische orientiert. Doch Hanne Jegen, selbst gebürtige Speichererin, hat hier das große wirtschaftliche Abenteuer ihres Lebens gestartet: Als Existenzgründerin geht sie mit moderner Kunst um in einer kleinen Galerie. "Die ist allerdings eher schmückendes Beiwerk", sagt sie, "die habe ich eingerichtet, weil ich selbst auch seit den 80er Jahren male und gute Beziehungen zur Kunstszene pflege." Ihr Talent habe sie schon als Kind wecken dürfen, da ihre Mutter aus den ortsansässigen kunstkeramischen Werkstätten stammte. Ihr Vater, ein Architekt, vererbte ihr den Hang zu klaren Formen: "Ich bin sehr vom Bauhausstil beeinflusst." Der Broterwerb kommt heutzutage jedoch nicht von der Kunst, sondern überwiegend von Firmenkunden, für die sie Internetauftritte und andere Werbemittel grafisch gestaltet. Nach einer Bauzeichner-Lehre und einem Studium der Innenarchitektur an der Fachhochschule Trier, das sie als Diplom-Designerin abschloss, arbeitete sie Jahre lang im grafischen Bereich als Angestellte. Schon bald kam als allein erziehende Mutter die Doppelbelastung hinzu. Doch die Freude an der Gestaltung und die positive Resonanz weckten in ihr die Lust, den Beruf mit mehr Eigenverantwortung zu leben. Als dann eine betriebliche Veränderung anstand, nahm Jegen die neue Situation ohne Festanstellung als Herausforderung an. "Ich merke immer deutlicher, dass die Selbstständigkeit auch mehr Kreativität befreit und das Selbstwertgefühl stärkt. Die Leute sehen einen ganz anders an", sagt sie. In ihren Entwürfen für die Web-Seiten ist ihre Vorliebe für exakte Linien und leuchtende Farben durchgehend. Die Ergebnisse sind oft Gratwanderungen zwischen Funktionalität und Emotionalität. "Ich denke, meine Arbeiten sind feinfühliger als die vieler männlicher Kollegen. Aber jede Schwülstigkeit fände ich unangebracht." Zu ihrer Arbeit gehört viel Beratung und Kommunikation. Kontakte knüpfen, auf Menschen zu gehen und sich fachlich auf dem Laufenden halten sind für Hanne Jegen wichtige Mittel, sich auf ihrem Markt zu etablieren. Neben der gestalterischen Seite der Internetauftritte bietet Jegen auch Fähigkeiten an, die noch aus ihrem "früheren" Leben resultieren: Sie entwirft am Computer Modelle für Gebäudesanierungen oder auch für stadt- und landschaftsplanerische Vorhaben. Dafür sind vor allem Architekten und Bauherren ihre Ansprechpartner. "Für Fassaden und Innenräume erarbeite ich auch Farbvorschläge, wobei ich auch den gedachten Zweck des Gebäudes mit einbeziehe." Manche Bauherren müsse man bei ihren Vorhaben ein wenig an die Hand nehmen, um ihren Blick für eine ansprechende Gestaltung zu schulen. "Diese menschlichen Kontakte sind für mich immer eine Bereicherung", genießt sie die Seite ihres Berufes, "die mir Luft lässt für die Entwicklung der Persönlichkeit."