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Heimat-Film wird im Hunsrück uraufgeführt

Vorbereitungen für die Premiere: Edgar Reitz (Zweiter von rechts) bespricht in Simmern mit den Verantwortlichen, wie die Aufführung von „Die andere Heimat“ im Pro-Winzkino ablaufen soll. Mit im Bild: Simmerns Stadtbürgermeister Andreas Nikolay (Vierter von rechts). Foto: Werner Dupuis
Vorbereitungen für die Premiere: Edgar Reitz (Zweiter von rechts) bespricht in Simmern mit den Verantwortlichen, wie die Aufführung von „Die andere Heimat“ im Pro-Winzkino ablaufen soll. Mit im Bild: Simmerns Stadtbürgermeister Andreas Nikolay (Vierter von rechts). Foto: Werner Dupuis
Simmern/Morbach. Für die Stadt Simmern ist es so, als käme die Bundesgartenschau oder - viel passender - ein Unesco-Weltkulturerbe-Titel über sie. Am 28. September wird "Die andere Heimat" des gebürtigen Morbachers Edgar Reitz in der Kreisstadt uraufgeführt. An zwei Spielorten wird dieser fast vier Stunden lange Kinofilm in vier Vorführungen gezeigt. Volker Boch

Simmern/Morbach. Zwei Tage bevor in der Millionenstadt München, der Wahlheimat von Edgar Reitz, weitere Premieren geplant sind, findet die Welturaufführung von "Die andere Heimat" in Simmern statt. Der Film ist eine Hommage des Simmerner Ehrenbürgers an den Hunsrück. "Als Stadt freuen wir uns sehr, dass wir Gastgeber für diese Premiere sein dürfen", erklärt Stadtbürgermeister Andreas Nikolay im Rahmen eines Ortsbesuchs von Edgar Reitz.
Gut 1600 Gäste sollen "Die andere Heimat" am 28. September in Simmern sehen können. "Wir wollen vier Vorführungen zeigen", erklärt Produktionsleiter Christian Reitz, der gemeinsam mit Lutz Prauser von Concorde Filmverleih und Vater Edgar Reitz die technischen Gegebenheiten vor Ort geprüft hat. Das Simmerner Pro-Winzkino eignet sich bestens, ist aber mit einer Kapazität von rund 200 Plätzen allein zu klein. Dazu kommt als großer Veranstaltungsort die Hunsrückhalle in Simmern.
"Es soll ein großes Wiedersehensfest für alle Beteiligten werden", blickt Edgar Reitz voraus. "Alle, die an diesem Film mitgewirkt haben, sollen dazu eingeladen werden." Allein aus der Region sind dies rund 500 Menschen, die als Komparsen, Berater und Partner mitgeholfen haben, dass dieser feinfühlige und tiefgreifende Film entstehen konnte.
Sie alle werden mit ihren Partnern eingeladen, dazu kommen Ehrengäste aus Politik, Kultur, Medien und Gesellschaft - und der gemeine Kinobesucher, auf den Regisseur Reitz besonderen Wert legt. Es ist ihm ein Anliegen, den Film am 28. September jedem zugänglich zu machen.
Edgar Reitz hat seinen Kinofilm selbst erst vor wenigen Wochen in der vollständigen Fassung in einer Art internen Premiere mit "20 handverlesenen" Zuschauern gesehen. Die "Geschichten aus den Hunsrückdörfern" machten einst den Anfang, es folgte "Die Reise nach Wien" und dann die monumentalen internationalen Erfolge der "Heimat". Reitz\' "Die andere Heimat" rückt den Hunsrück mit dem Hauptspielort Gehlweiler nun erneut in den Blickpunkt.
Es ist ein Nachmittag voller Wärme, an dem sich der 80 Jahre alte Regisseur und Drehbuchautor gemeinsam mit seinem Sohn und Produzenten Christian Reitz mit den Vertretern aus der Region in Simmern trifft. Die Euphorie in der Runde ist greifbar, bei den Vertretern der Stadt, aber auch bei Edgar Reitz. Der 28. September soll ein Höhepunkt werden.
225 Minuten lang ist sein Film über die Zeit um 1850, die Lebensverhältnisse im Hunsrück und die Welle der Auswanderung nach Brasilien geworden. Es ist ein einfühlsamer Film in der Tradition der "Heimat"-Trilogie. "Der Film zeichnet sich aus durch eine ganz besondere Bildqualität", sagt Reitz. Der Regisseur ist ein faszinierender Erzähler: mit Bildern schafft er Emotionen, seine sprachliche Ausdruckskraft ist fesselnd. Und Reitz selbst ist begeistert von seinem neuen Film. "Von allem, was ich bis jetzt gemacht habe, ist es der Höhepunkt", sagt er, "die Bilder sind wunderschön."
Zwar hat Reitz erstmals vollständig digital gedreht, aber "Die andere Heimat", trägt die unverwechselbare Handschrift von "Heimat"-1-Kameramann Gernot Roll, den Reitz als "besten Kameramann in Deutschland" beschreibt.
Zudem ist es ein Film ganz in Schwarz-Weiß, der nicht auf harte schnelle Schnitte setzt und hohes Tempo, sondern enorme Ruhe ausstrahlt und die Kraft der Reduzierung wirken lässt.
Mit einer gut durchdachten Inszenierung will die Stadt Simmern dem einzigartigen Film und ihrem ebenso besonderen Urheber am 28. September gerecht werden.