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Literatur
Eintauchen in ein düsteres Kapitel der Geschichte

 Sandra Jungens Erstling „Hanna – Kriegsjahre einer Krankenschwester“ basiert auf den Erinnerungen ihrer Großmutter.
Sandra Jungens Erstling „Hanna – Kriegsjahre einer Krankenschwester“ basiert auf den Erinnerungen ihrer Großmutter. FOTO: Brigitte Bettscheider
Von Brigitte Bettscheider. Die Idee für einen Roman entstand, als die Gillenfelderin Sandra Jungen von den Kriegserlebnissen ihrer Großmutter erfuhr. Von Brigitte Bettscheider

Eine Vorliebe fürs Schreiben hatte Sandra Jungen von Jugend an. Auch an Geschichte war sie interessiert, besonders an Zeitgeschichte. Im Deutsch- und Geschichtsunterricht an der Dauner Realschule gab es dafür seinerzeit gute Noten. Doch bei der Berufswahl blieben diese beiden Neigungen erst einmal auf der Strecke.

„Statt dessen lernte ich mit Licht zu schreiben“, erklärt Sandra Jungen mit Blick auf die wortwörtliche Bedeutung von Fotografie. Nach der Geburt der heute 22 und 17 Jahre alten Kinder gründete die Gillenfelderin ein mobiles Fotostudio. Der Wunsch zu schreiben blieb bestehen. „Ich wusste aber nicht, worüber ich schreiben sollte und ob ich es überhaupt kann“, räumt sie ein. Schließlich setzte ihre Großmutter mütterlicherseits vor fünf Jahren unbewusst den Impuls, als sie dem Rat ihrer Hausärztin folgte und zu ihrem 90. Geburtstag ihre Lebenserinnerungen zu Papier brachte – zehn getippte Seiten, davon fünf über die Kriegsjahre 1942 bis 1945. „Ich hatte bis dahin keine Ahnung, dass meine Oma als Frontschwester eingesetzt war und in München den grausamen Luftkrieg erlebt hatte“, sagt Sandra Jungen.

Doch ihr Interesse genau an diesen Erlebnissen war geweckt. Es folgten Dutzende von Nachmittagen, die die Enkeltochter mit stundenlangen Gesprächen mit der damals noch in Bullay lebenden Großmutter verbrachte. „Ich habe Fragen gestellt, Oma hat erzählt, und wir haben zusammen gelacht und geweint“, erinnert sich Sandra Jungen. Parallel dazu recherchierte sie die historischen Hintergründe. Und fügte Geschichten und Geschichte auf  annähernd 400 Seiten zusammen. „Ich habe größten Respekt davor, was meine Oma durchgemacht und wie sie durchgehalten hat“, betont sie.

Neben dem Interesse am bewegten Leben ihrer heute 95-jährigen, inzwischen im Schwarzwald lebenden Großmutter und dem Wunsch, daraus ein Buch zu machen, entwickelte sich Jungens Ehrgeiz, mehr über das Schreibhandwerk zu erfahren.

So absolvierte sie einen Autorenkurs bei der Schriftstellerin und Übersetzerin Lea Korte und überarbeitete ihr Manuskript. Sie reichte es beim Rhein-Mosel-Verlag in Zell ein. „Eine Sternstunde“ – so nennt Sandra Jungen heute den Augenblick, als der Verlagschef Arne Houben ihr telefonisch mitteilte: „Wir veröffentlichen das Buch.“

Seit Februar ist es auf dem Markt, nun finden die ersten Lesungen statt (siehe Info). Doch beim Erstling soll es nicht bleiben. Im Herbst wird ein literarischer Adventskalender veröffentlicht, für den Sandra Jungen eine Kurzgeschichte verfasst hat. Sie erzählt, dass ihr zweiter Roman in Arbeit ist. Dann lacht sie und sagt: „Und den Stoff für einen dritten Roman habe ich bereits im Kopf.“