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Wenn Seelen SOS schicken

Nach dem Vortrag haben viele Zuhörer die Gelegenheit genutzt, um sich ihre Bücher signieren zu lassen. Foto: Privat
Nach dem Vortrag haben viele Zuhörer die Gelegenheit genutzt, um sich ihre Bücher signieren zu lassen. Foto: Privat
Maria Laach. Zu Hause und in der Schule: Kinder brauchen Bezugspersonen, die ihnen Orientierung geben. Wenn das nicht geschieht, läuft etwas schief in der Entwicklung. Das ist die These des Jugendpsychiaters Michael Winterhoff, die er vor 500 Zuhörern im Laacher Forum vorgetragen hat.

Maria Laach. Der renommierte Jugendpsychiater und Bestsellerautor Dr. Michael Winterhoff ist ein beliebter Referent im Laacher Forum. So ist auch diesmal das Informationszentrum Maria Laach mit 500 Zuhörern ausverkauft.
Im Vortrag "Was läuft schief bei unseren Kindern?" ging es dem Referenten nicht um die Erziehung, sondern um die psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Immer mehr Jugendliche sind unkonzentriert und nicht belastbar und scheitern in der Ausbildung. Dr. Michael Winterhoff: "Was sie in zehn Jahren Schule gelernt haben, darüber können sie nicht verfügen." Und er verglich das Gehirn jener Jugendlichen mit einem Computer, der über zahlreiche Programme verfügt, auf die aufgrund eines veralteten Betriebssystems aber nicht zugegriffen werden kann. Winterhoffs Analyse überrascht, denn er nennt zuerst als Auslöser dieser Verrohung nicht die Medien, sondern die Eltern.
Eltern, die sich zu sehr mit ihren Kindern verbinden und diese nicht als autonome Menschen wahrnehmen, hindern sie an ihrer Entwicklung. Michael Winterhoff: "Der Erwachsene ist nicht mehr abgegrenzt vom Kind und dient nicht mehr als Orientierung für die Entwicklung. "
Auch spiele in der Schule "Disziplin" eine immer geringere Rolle, stellte Winterhoff fest. Wenn Kinder im Unterricht nicht wild durcheinander reden, sondern erst aufzeigen und dann sprechen, hat dies laut Michael Winterhoff mit Gehorsam nichts zu tun: "Das Kind zeigt vielmehr Gespür für die Situation." Dabei gilt die Lehrerin als erste Autorität. Sie ist "Bezugsperson", die dem Kind, sozusagen als "Gesetz", Sicherheit gibt. "Je kleiner Kinder sind, desto klarer müssen Bezugspersonen und Abläufe sein. Ohne das kann sich die Psyche nicht entwickeln."
Zum Schluss machte der Referent Mut, denn verhaltensauffällige Kinder sind nicht wirklich krank. Es gibt Hilfen. Allerdings muss das SOS der Kinderseelen auch gehört werden. red