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Kommandowechsel bei Gerolsteiner Fernmeldern: Der Klappspaten wird nun wieder verstaut

Gerolstein. Kommandowechsel bei den Gerolsteiner Fernmeldern: Oberstleutnant Kai Lootz (44) tritt die Nachfolge von Hans-Jörg Oster (47) an. Der gebürtige Mayener, der sich aufgrund seiner kernigen Art und seines Faibles für soldatische Grundtugenden den Spitznamen "Kommandeur Klappspaten" erarbeitet hat, übernimmt einen Bürojob bei der Bundeswehr in Köln. Mario Hübner

Gerolstein. Sonnenschein und erträgliche Temperaturen. Das ist Ende März eher die Ausnahme "Auf windiger Höhe". Die steife Brise, die gestern herrschte, dagegen nicht. Die Kommandoübergabe beim Führungsunterstützungsbataillon 281 in Gerolstein entsprach diesmal also weder dem strengen Protokoll noch dem üblichen Wetter in der Eifelkaserne um diese Jahreszeit. Dennoch waren rund 200 Gäste aus Politik, Verwaltung, von befreundeten Verbänden und Streitkräften der Einladung auf die "windige Höhe" gefolgt.
Für die weiteren ungewöhnlichen Momente sorgte der nach rund drei Jahren scheidende Kommandeur, Oberstleutnant Hans-Jörg Oster. Beim Abschied von seinen sechs angetretenen Kompanien, die so gut wie vollzählig waren, da ausnahmeweise kein Auslandseinsatz ansteht, sprach er nicht nur die üblichen Dankesworte. Vielmehr startete er mit einem Appell an die anwesenden Politiker: dafür zu sorgen, dass die Bundeswehr die Wertschätzung erhalte, die ihr angesichts von gefährlichen Einsätzen im Ausland (Afghanistan) und auch Hilfseinsätzen im Inland (Elbe-Hochwasser) zustehe.
Dann begrüßte er mit einem Reim (!) eine weitere Formation, die nicht nur aufgrund ihrer schwarz-gelben Farbenpracht etwas aus dem Rahmen fiel: die Gerolsteiner Stadtsoldaten. Diese hatte er als Zeichen der guten Verbindung zwischen Militär und Kommune - nicht nur an Karneval - eingeladen. Und die revanchierten sich mit Salutschüssen. Einmalig in der Eifelkaserne.Stadtschild ist zurück


Ebenso außergewöhnlich: Der Kommandeur gab Stadtbürgermeister Bernd May das Gerolsteiner Stadtschild zurück, das seine Verbände von Einsatzort zu Einsatzort mitgenommen hatten: von Masar-i-Sharif über Kundus nach Kabul. Auch ein Zeichen der gegenseitigen Wertschätzung. Das betonte auch May, und zwar mit besonderen Worten: "Wichtig ist nicht, dass das Schild zurück ist, sondern dass alle Soldaten wohlbehalten zurück sind."
Auch für Oster waren die vielen Auslandseinsätze seiner Soldaten - er selbst hat als Soldat sechs mitgemacht - der "rote Faden" seiner Dienstzeit. Besonders als Kommandeur der Gerolsteiner Fernmelder, die eigentlich Rundum-IT-Spezialisten sind und daher bislang bei jedem Auslandseinsatz der Bundeswehr dabei waren. Oftmals gefährliche Zeiten. Und daher überraschte es auch nur ein wenig, dass Oster von drei gepanzerten Fahrzeugen abgeholt wurde - Abschiedsgeschenk seiner Soldaten.

Aber nicht dadurch wird der drahtige 47-Jährige, der bei Übungen gerne auch mal vorne mitmarschiert und gerobbt ist, in Erinnerung bleiben. Sondern durch einen Ausrüstungsgegenstand: den Klappspaten. Den hat er seine Soldaten wieder kennenlernen lassen. Sein Motto: Jeder muss neben dem fachlichen Wissen auch die soldatischen Grundtugenden beherrschen und fit sein. Nur so ist man möglichst gut auf den Einsatz vorbereitet.
Ob ein Aufatmen durch die Truppe ging, als Oster symbolisch zu seinem Abschied den Spaten zuklappte und weglegte, war aus der Entfernung nicht zu erkennen. Dass sein Wirken Anerkennung fand, schon. So sagte sein Chef, Brigadegeneral Heinrich-Wilhelm Steiner, Kommandeur des Führungsunterstützungskommandos der Bundeswehr: "Sie haben hervorragende Arbeit geleistet und sich nachhaltig einen Namen gemacht als Kommandeur Klappspaten." Seinem Nachfolger Kai Lootz wünsche er eine "glückliche Hand" bei der Führung dieses "stolzen Bataillons".