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"Wenn das Geld fehlt, steigt die Kreativität"

Gregor Eibes räumt seinen Schreibtisch im Morbacher Rathaus. TV-Foto: Klaus Kimmling
Gregor Eibes räumt seinen Schreibtisch im Morbacher Rathaus. TV-Foto: Klaus Kimmling
Morbach. Nach 14 Jahren als Morbacher Bürgermeister tritt Gregor Eibes in der kommenden Woche sein neues Amt als Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich an. Ilse Rosenschild und Nora John haben mit ihm über die Zeit in Morbach sowie über Abschied und den Neuanfang in Wittlich gesprochen.

Morbach. Es ist Zeit, den Schreibtisch zu räumen. Nach 14 Jahren als Bürgermeister in Morbach wird Gregor Eibes in sein neues Amt als Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich eingeführt. Für ihn ist das auch die Rückkehr an seine frühere Wirkungsstätte, wo er zuletzt als Pressesprecher für seine Amtsvorgängerin Beate Läsch-Weber tätig war.

Sie haben im Rathaus in Morbach und im Kreishaus in Wittlich schon gearbeitet, bevor sie als Bürgermeister beziehungsweise als Landrat zurückkamen beziehungsweise -kommen. Ist es eher ein Vor- oder ein Nachteil, wenn man bereits in der Behörde gearbeitet hat, die man dann führen soll?
Gregor Eibes: Ich habe es 14 Jahre lang in Morbach eher als Vorteil empfunden, obwohl der Aspekt bei meiner Bewerbung fürs Bürgermeisteramt sehr kritisch hinterfragt wurde. Bei der Landratswahl war das übrigens kein Thema und ich sehe hierin auch bei der Kreisverwaltung kein Problem.

Ihr Anfang in Morbach war alles andere als einfach. Mit dem CDU-Parteibuch wurden Sie damals von der Freien Wählergruppe unterstützt, während der CDU-Kandidat bei der Bürgermeisterwahl mit Pauken und Trompeten durchfiel. Hat Ihnen die Situation im Nachhinein geschadet?
Eibes: In der besonderen Situation, die damals im Gemeinderat geherrscht hat, war sie kein Nachteil. Es gab damals zwei Lager mit je 14 Stimmen. Der Bürgermeister war mit der 15. Stimme das Zünglein an der Waage. Ich habe immer die Zusammenarbeit gesucht, mit der CDU und mit den anderen Fraktionen. Bis zur Kommunalwahl 1999 war keine einzige Kampfabstimmung notwendig. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

Sie haben vor Jahren gesagt, sie seien kein Freund von Visionen. Stimmt das noch?
Eibes: Heute würde ich das so nicht mehr unterschreiben. Ich bin Pragmatiker geblieben. Aber man muss über den Tellerrand hinausblicken, wenn man Dinge vorantreiben will. Sonst gäbe es beispielsweise keine Energielandschaft in Morbach.

Sind haben Morbach vor allem mit ökologischen Themen bekanntgemacht. Sind Sie ein grüner oder ein schwarzer Bürgermeister?
Eibes: Ich war nie und bin kein Öko. Aber die Energiewende - und für die plädiere ich ja - muss ein parteiübergreifendes Thema sein, wenn sie gelingen soll.

Was war der schönste Moment in Ihrer Zeit in Morbach?
Eibes: Meine erstmalige Ernennung zum Bürgermeister war für mich ein sehr ergreifender Moment. Ansonsten sind es keine Einzelereignisse, sondern viele schöne Begegnungen mit Bürgerinnen und Bürgern und die Tatsache, hier in Morbach viele neue Freunde gefunden zu haben.
Was werden Sie am meisten vermissen?
Eibes: Ich bleibe ja im Landkreis. Aber ich werde den direkten Kontakt mit vielen lieben Menschen vermissen, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe. Da ist schon die Träne im Knopfloch.

Welchen Gegenstand nehmen Sie von Ihrem Schreibtisch garantiert mit nach Wittlich?
Eibes: Das Modell vom Morbacher Kreisel, das ich zum 50. Geburtstag im vergangenen Jahr geschenkt bekommen habe.

Welches gescheiterte Projekt bedauern Sie am meisten?
Eibes: Das Nahwärmeprojekt, das ich nach wie vor für zukunftsweisend halte und das leider nicht zustande kam. Aber ich habe kein Problem deswegen. Es war eine demokratische Entscheidung.

Dass man mit Geld mehr Gestaltungsmöglichkeiten hat als ohne, ist in Morbach bekannt. Was glauben Sie, können Sie im hoch verschuldeten Landkreis bewegen?
Eibes: Zunächst ist mir der Hinweis wichtig, dass in Morbach stets für eine gewerbe- und unternehmerfreundliche Infrastruktur gesorgt wurde. Von daher sind die rund 12,8 Millionen Euro Gewerbesteuer, die im letzten Jahr als Rekordwert zu verzeichnen waren, nicht nur ein Selbstläufer. Wir haben dank dieser guten Steuereinnahmen in den letzten 14 Jahren in der Einheitsgemeinde rund 60 Millionen Euro investiert und den Schuldenstand in derselben Zeit von 5,8 Millionen auf 4,4 Millionen Euro zurückgeführt.

Ähnliches wird im Kreis kaum möglich sein ...
Eibes: Nein, das stimmt. Eine solch komfortable Situation gibt es im Kreis nicht. Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht optimistisch an die Sache herangehen würde.

Was kann das konkret heißen?
Eibes: Da spielen jetzt wiederum auch Visionen eine Rolle. Wenn das Geld fehlt, steigt vielleicht die Kreativität. Darüber hinaus wird zu prüfen sein, wo es auf der Ausgaben- und Einnahmenseite noch Ermessensspielräume gibt.

Welche Erfahrungen nehmen Sie mit nach Wittlich?
Eibes: Ganz wichtig ist mir die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Sie sollen nicht mit ihrer Meinung in das Büro des Landrats hineingehen und mit meiner wieder herauskommen. Ich stehe für eine offene Kommunikation, auch mit der Politik. Und: Ich will als Mensch bleiben, wie ich bin.

Welche Meinung hat der neue Landrat zur Kommunalreform?
Eibes: Dieselbe wie bisher. Es muss für alle Ebenen und ohne Tabus parteiübergreifend nach einer Lösung gesucht werden. Und bei aller Bürgernähe und Bürgerbeteiligung, die ich für wichtig halte - eine Entscheidung wie diese muss wie vor 40 Jahren als Gesetz von oben kommen. Jedem wohl und niemandem wehe, das geht nicht.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Eibes: Große Mehrheiten bei den Entscheidungen in den Gremien und eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. iro/noj

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