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Neue Diskussion um Risiko im Zirkus

Neue Diskussion um Risiko im Zirkus

Der Sturz eines Motorradfahrers im Trierer Weihnachtscircus beschäftigt inzwischen auch die Politik. Die Stadtratsfraktion der Grünen will von der Verwaltung wissen, welche Richtlinien es für Vorführungen gibt und welchen Einfluss die Stadt hat.

Trier. Der Trierer Weihnachtscircus 2011 setzte auf mehrere spektakuläre Darbietungen, bei denen Zuschauern der Atem stockte. Am 23. Dezember passierte ein Unfall: Edison Felipe Adero stürzte mit seinem Motorrad in der sogenannten Todeskugel und wurde schwer verletzt.
Inzwischen ist der 26-Jährige in sein Heimatland Kolumbien zurückgeflogen. In einer Spezialklinik will er sich eine zweite Meinung zu der Diagnose einholen, dass weitere Zirkusauftritte wegen des Risikos einer Gehirnblutung zu gefährlich für ihn sein könnten (der TV berichtete).
In Trier löst der Unfall eine generelle Debatte aus. Uschi Britz (Bündnis 90/Die Grünen) hat eine Anfrage an Dezernent Thomas Egger (FDP) gerichtet, die im Ausschuss am Mittwoch, 18. Januar, beantwortet werden soll: "Welche Sicherheitsrichtlinien sind grundsätzlich zu beachten bei öffentlichen Vorführungen? Inwieweit sind die Vorgaben des Bundesgesetzes über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit relevant? Hat die Stadt Einflussmöglichkeiten auf öffentliche Darbietungen auf städtischem Gelände unter dem Aspekt Sicherheit?"
Oliver Häberle, Pressesprecher des Weihnachtscircus, hat sich schon damit beschäftigt. "Selbstverständlich liegt uns die Sicherheit unserer Künstler und Mitarbeiter am Herzen. Wir legen großen Wert darauf, dass die technischen Mitarbeiter bei den Auf- und Abbauarbeiten entsprechende Schutzkleidung tragen oder anderweitige Schutzvorkehrungen treffen", sagt Häberle auf TV-Anfrage.
Ein gewisses Risiko liege jedoch in der Natur des Artistenberufs. Das sei auch im Alltag oder bei Freizeitsportlern nicht auszuschließen.
Konkret habe der Zirkus dem kolumbianischen Team Los Talento Stars angeboten, seine Hochseilnummer mit einer Longe (Sicherungsseil) zu machen. Das habe das Team jedoch ebenso abgelehnt wie Luftkissen.
Zudem wollten Zuschauer eben ein Spektakel mit riskanten Darbietungen sehen: "Wenn wir Durchschnitt zeigen, werden die Menschen nicht mehr in den Zirkus gehen." cusExtra

Laut Unfallverhütungsvorschrift für Schausteller- und Zirkusunternehmen müssten nur bei Vorführungen in mehr als zehn Metern Höhe Sicherungen vorhanden sein. Diese Höhe wurde beim Trierer Weihnachtscircus nicht erreicht. Bei allen "fliegenden Luftnummern" müssen Netze gespannt sein. Geräte müssen Belastungen standhalten. Insgesamt schränkt die Vorschrift Artisten kaum ein. Das heißt, es bleibt dem einzelnen Künstler und den Teams überlassen, welche Risiken sie einzugehen bereit sind. cus