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Eine Stadt sieht Rot: Erste Details zu den großen Marx-Ausstellungen stehen fest

Trier. Karl Marx. Seine Name ist bekannt in der ganzen Welt. Dass Trier seine Geburtsstadt ist, soll ihr im Jubiläumsjahr 2018 zu Besucherströmen verhelfen. Wie die beiden großen Ausstellungen über Marx aussehen sollen, steht nun in Grundzügen fest. Michael Schmitz

Trier. Rund um den Mai 2018, so viel ist klar, dürfte weltweit über einen Mann geredet werden, dessen Ideen revolutionär waren und die noch heute kontrovers diskutiert werden: Karl Marx, geboren am 5. Mai 1818 in der heutigen Brückenstraße 10 in Trier. Fernsehsender werden Dokumentationen zeigen, alte wie neue Bücher werden auf dem Markt sein, die Zeitungen weltweit über Marx berichten. Und pünklich zu seinem 200. Geburtstag werden in Trier auch die beiden Ausstellungen starten, mit denen die Stadt vom Ruf ihres großen Sohnes profitieren will. Die Macher haben am Mittwoch erste Details vorgestellt:

Der Ausstellungszeitraum: Gezeigt werden die Ausstellungen vom 5. Mai bis zum 21. Oktober 2018. Viel länger als ein halbes Jahr sei bei einer solchen Großausstellung nicht möglich, erläutert Rainer Auts, Leiter der von Stadt und Land getragenen Karl-Marx-GmbH. Viele Leihgeber, also in erster Linie Museen, seien nicht bereit, Exponate länger zur Verfügung zu stellen.

Rheinisches Landesmuseum: Im Landesmuseum werde der Schwerpunkt auf dem Werk von Karl Marx liegen, sagt Rainer Auts. Das Ausstellungskonzept wird sich daher an drei zentralen Hauptwerken entlangarbeiten: am "Kommunistischen Manifest", an der "Kritik der politischen Ökonomie" und natürlich am "Kapital". Zentrale Schlagworte von Marx sollen erläutert werden, Bilder und Installationen sollen das Entstehen der Werke in ihre Zeit einbetten und erklären.
Claude Monets Bild "Bahnhof Saint-Lazare" soll beispielsweise gezeigt werden, um die Eisenbahn als Triebkraft der Industriealisierung darzustellen. Das Bild hängt im Musée d'Orsay in Paris und ist - wie weitere rund 400 Exponate - für die Ausstellung im Landesmuseum als Leihgabe angefragt. Ganze Räume sollen mit großen Installationen gefüllt werden. Auts stellt sich beispielsweise den Nachbau einer Barrikade vor, mit der in der 1848er-Revolution Straßen blockiert wurden. Moderne Medienstationen sollen ebenso zum Konzept gehören wie historische Requisiten. Die Fläche im Landesmuseum soll mit etwa 1000 Quadratmetern ähnlich groß sein wie die bei der Nero-Ausstellung.

Stadtmuseum Simeonstift: Hier soll, sagt Rainer Auts, ebenfalls auf einer Fläche ähnlich der Nero-Ausstellung (rund 500 Quadratmeter), das Leben von Karl Marx im Mittelpunkt stehen, seine Familie, sein Umfeld, sein unstetes Leben zwischen Flucht, Exil, der vergeblichen Hoffnung auf die Revolution, seine Freundschaft mit Friedrich Engels und die schweren familiären Schicksalsschläge - Marx musste den Tod von fünf seiner sieben Kinder miterleben. Die Ausstellung werde voraussichtlich nach den Orten seines Lebens gegliedert, sagt Auts, also ausgehend von Marx' Geburtsstadt Trier über Bonn, Berlin, Köln, Paris und Brüssel bis nach London. Rund 100 Exponate, Bilder, Archivarien und Briefe sollen dafür geliehen werden, berichtet Auts.

Das Design: Die Berliner Agentur Polyform hat ein Logo entwickelt, das neben dem Titel der Ausstellung ein weltweit bekanntes Foto von John Mayall aus dem Jahr 1875 von Karl Marx zeigt. Ann-Kathrin Reichenbach, die die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortet, erklärt dazu, die Farbe Rot als Hintergrundfarbe verweise ikonografisch auf das Rot der Arbeiterbewegung - auch wenn das Logo leuchtender und moderner sei. Wer das Design der Ausstellungen in den Museen übernimmt, ist noch unklar. Dazu werden die Ausschreibungen derzeit vorbereitet.

Mehr Marx: Neben den beiden großen Sonderausstellungen soll 2018 die dann erneuerte Dauerausstellung im Karl-Marx-Haus (Träger: Friedrich-Ebert-Stiftung) wiedereröffnet werden. Das Bischöfliche Dom- und Diözesanmuseum greift 2018 ebenfalls ein zu Marx passendes Thema auf: "Lebenswert Arbeit", sei es überschrieben, berichtet Auts. Theater Trier, Tufa, Galerien, die Hochschulen und Schulen sowie Vereine in Trier planen schon konkrete Veranstaltungen für ein Rahmenprogramm zur Ausstellung.
Die Marx-GmbH finanziert das Programm mit ihrem 5,1 Millionen-Euro-Etat zwar nicht direkt, unterstützt aber die Koordination. Dabei sollen die Bezüge zwischen Marx' Werk und der heutigen Zeit in den Blick genommen werden. Auch damit dürfte man dann wieder nah an der weltweiten Diskussion zu Marx sein.
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volksfreund.de/marx2018Meinung

Es darf ein bisschen mehr sein
1000 Flyer zur Marx-Ausstellung werden gerade in Triers Partnerstadt Xiamen verteilt. In einer Stadt mit zwei Millionen Einwohnern und einem Land mit 1,3 Milliarden Bewohnern ist das tatsächlich nur ein erster kleiner Aufschlag, wie die Ausstellungsmacher gestern sagten. Angesichts der Bekanntheit, die Marx in China bis heute hat, sollte es bei professionellem Marketing gelingen, aus dem Reich der Mitte wirklich signifikante Besucherzahlen nach Trier zu locken. Und nicht nur von dort: Als Marx' Geburtstadt hat Trier schließlich ein gehöriges Alleinstellungsmerkmal in Deutschland und Europa. Dass die Ausstellungsmacher die erhoffte Besucherzahl für 2018 auf dem Niveau der Nero-Ausstellung ansiedeln, sollte man daher getrost als branchenübliches Tiefstapeln betrachten. Angesichts der Voraussetzungen und des ordentlichen Budgets von 5,1 Millionen Euro müsste die Marx-Ausstellung mehrere Hunderttausend Besucher anziehen - alles andere wäre enttäuschend. m.schmitz@volksfreund.deExtra

Herr Auts, ein bekanntes Bonmot lautet in Trier ja: Marx macht mobil. Wie haben Sie das bisher im Hinblick auf die Vorbereitung des Marx-Jahres erlebt: Macht Marx die Trierer auch schon 2016 mobil?
Rainer Auts: Ja, das kann man sagen. Sowohl in meinem beruflichen Umfeld als auch im privaten ist die Vorfreude groß, und man fragt mich dann auch neugierig, was wohl alles passieren wird und was die große Ausstellung alles zeigen wird. Marx ist eine weltbekannte Persönlichkeit: Wie soll die Welt davon erfahren, dass Trier 2018 etwas Besonderes zu bieten hat?
Auts: Wir bedenken in unserem Marketingmaßnahmen natürlich auch die internationalen Besucher, die wir gerne nach Trier holen möchten. Wir werden also nicht nur in der Großregion, sondern auch in Großbritannien und den USA werben. Und natürlich auch auf dem chinesischen Markt. Da sind sie derzeit ja schon aktiv.
Auts: Ja, aktuell sind die Trier-Touristiker (TTM) auf einer Tourismusmesse in der Trierer Partnerstadt Xiamen, und wir sind dort am Stand präsent. Der Trierer Ex-OB Klaus Jensen hat einmal scherzhaft gesagt, er habe bereits in China für das Jubiläum geworben, aber gesagt, die Chinesen sollten nicht alle auf einmal kommen. Im Ernst: Kann man tatsächlich mit nennenswerten Besucherzahlen aus China rechnen?
Auts: Das ist schwer abzuschätzen. Wir möchten es natürlich versuchen, so viele wie möglich zu erreichen. Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung in China - dem Wachsen einer Mittelschicht, die auch gerne reist, unter anderem nach Europa - wäre meines Erachtens nach schon ein Potenzial da, das wir gerne ansprechen möchten. Es gab in Trier die große Konstantin-Ausstellung, derzeit läuft Nero. Gibt es etwas, was sie von den beiden Veranstaltungen für 2018 lernen können?
Auts: Man kann sicherlich lernen hinsichtlich der Kooperation der vielen Akteure in der Stadt, der vielen Vereine und der engagierten Bürger, die wir ja auch einbinden wollen im Marx-Jahr. Eine Postkarte zur Werbung haben Sie heute schon vorgestellt: Wird es auch die passende Briefmarke dazu geben?
Auts: Wir hoffen das sehr. Es laufen wohl auch schon die ersten Gespräche. Zuständig ist dafür das Finanzministerium. mic

Flyer auf Chinesisch: Damit wird für das Karl-Marx-Jahr 2018 in Triers Partnerstadt Xiamen geworben.
Flyer auf Chinesisch: Damit wird für das Karl-Marx-Jahr 2018 in Triers Partnerstadt Xiamen geworben. FOTO: (g_kultur