Improvisationen locker vom Hocker

Improvisationen locker vom Hocker

Der Kern der Band formierte sich 2015 aus Anlass eines Benefizkonzertes für Menschen mit Multipler Sklerose. Die mittlerweile fünfköpfige Band um Steff Becker hat am Mittwoch in der Trierer Tufa vor vollem Haus Musik verschiedener Genres gespielt. Besonders begeistert war das Publikum von den Jazz-Improvisationen.

Trier. "Da geht mir das Herz auf", sagt Steff Becker, als er mit einem breiten Lächeln im Gesicht zuhört, wie seine Mitmusiker auf ihren Instrumenten spielen. Er bewegt sich, auf seinem Hocker sitzend, mit geschlossenen Augen im Takt hin und her und wippt mit den Füßen. Schon beim ersten Titel, "C-Jam Blues", zeigen seine Bandmitglieder ihr Können. Das Stück, bekannt geworden durch Duke Ellington, lädt Musiker geradezu ein zu zeigen, wie gut sie ihr Instrument beherrschen.
Schon Ellington hat seine Konzerte in seinen späteren Jahren zum Aufwärmen immer mit diesem Blues begonnen. Auch Erhard Wollmann demonstriert hier, dass er seiner Gibson-Gitarre erstaunliche Töne und Melodien entlocken kann.
Beifallsstürme



Nicht nur bei diesem Stück reagieren die Zuhörer auf seine Improvisationen mit anhaltendem Beifall. Den bekommt auch sein Bruder Rainer reichlich. Tanzend und schwingend zupft und schlägt er den Kontrabass perkussiv mit Fingern, Händen und Handballen. Aber er streicht auch gefühlvoll mit dem Bogen über die Saiten seines Instruments und entlockt ihm tiefe, langgezogene Töne bei Nummern wie "Waltzing Mathilda" oder "Take my breath away", einem Liebeslied der früh verstorbenen Eva Cassidy.
Wenn das Publikum bei diesen ruhigeren Nummern schon gepackt mitgeht, so wird es von funkigen Nummern wie "I feel good" von James Brown oder "Superstition" von Stevie Wonder zum Mitklatschen und zu Beifallsstürmen mitgerissen. Insgesamt überwiegen aber eher ruhige Jazznummern. Sie geben dem Saxofonisten Thomas Desch genug Gelegenheit zu gefühlvollen Improvisationen auf dem typischen Jazz-Instrument mit dem warmen Klang. Er ist in dieser Formation nicht wegzudenken. Ebenso wenig die Unterstützung durch Fred Noll am Schlagzeug, der stilsicher die rhythmische Basis für rockige, funkige und bluesige Musiktitel legt. Sogar seine Mitmusiker lauschen gebannt seinen Soli.
Frontman Steff Becker hält die Truppe mit seiner Ausnahmestimme und seiner Darstellungskraft zusammen und drückt dem Auftritt der Band seinen Stempel auf. Durch seine Interpretationen macht er die unterschiedlichen Musiktitel zu seinen eigenen.
Berührende Texte


Unter den Zuhörern im Tufa-Saal ist Tina Wilhelmus (37) aus Trier. Sie will nach längerer Zeit noch einmal Steff Beckers unverwechselbare Stimme hören, und wie er "aus voller Seele" singt. Monika Heser (63) aus Bitburg hat Steff Becker nur vom Hörensagen gekannt. Nach dem Konzert ist sie von seinem Auftritt begeistert und besonders berührt von den Texten. Für eine Zugabe wieder zurück auf die Bühne geklatscht, steigt Steff Becker ein letztes Mal für diesen Abend auf seinen Hocker, singt: "I've got a woman" von Ray Charles und wird dann erst mit viel Beifall aus dem voll besetzten Saal der Tufa entlassen.

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