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Betroffenheit auch noch nach 35 Jahren

Betroffenheit auch noch nach 35 Jahren

Den 7. Oktober 1972 werden Hildegard und Kurt Metzger nie in ihrem Leben vergessen: Mitten in der Nacht brach in ihrem Hotel "Gräfinburg" ein Feuer aus, das acht Menschen das Leben kostete. Fast 35 Jahre später erinnert sich das Ehepaar im Gespräch mit dem TV an die schrecklichen Ereignisse, die für Schlagzeilen im In- und Ausland sorgten.

Traben-Trarbach. (GKB) Die Geschichte des Hotels in der Moselstraße 17, das immer im Besitz der Familie Metzger war, reicht zurück bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. "Damals war es ein Gasthaus mit Pferdestall", erzählt Hildegard Metzger. Beim großen Stadtbrand im Juli 1857 wird es ein Opfer der Flammen, aber das dreistöckige Haus mit den 1,50 Meter dicken Bruchsteinmauern, in dem Kurt Metzger im Oktober 1920 auf die Welt kommt, wird wieder aufgebaut. Der junge Hotelierssohn freut sich, als er in Koblenz im Hotel "Riesen-Fürstenhof", einem der ersten Hotels am Rhein, eine Lehrstelle als Koch bekommt. Der Krieg verschlägt ihn nach Russland und Italien, und das von der Mutter nach dem frühen Tod des Ehemannes allein geführte Hotel wird 1945 von englischen und später französischen Besatzungstruppen belegt. Kurt Metzger besucht indessen die Heidelberger Hotelfachschule und lernt in Weinheim seine künftige Ehefrau kennen. Als die Besatzungstruppen weg sind, widmet sich das seit Januar 1947 verheiratete Ehepaar dem Hotel mit vereinten Kräften. "Zunächst war alles sehr provisorisch", erinnern sich die beiden. 18 Betten hat das Haus, das zumeist von Geschäftsreisenden genutzt wird. "Anfang der 50er-Jahre hatten wir schon einen Alleinunterhalter, die Gäste trafen sich zu Musik und Tanz", erzählt Hildegard Metzger. "Damals kriegten wir wenig Schlaf, aber wir waren im Aufbau und mussten sehen, dass das Geschäft läuft." Am 7. Oktober 1972 ereignet sich die Tragödie. Hildegard Metzger ist um 2 Uhr zu Bett gegangen, Ehemann Kurt folgt etwas später. Warum um 3.30 Uhr im Erdgeschoss des Hotels ein Feuer ausbricht, kann nie geklärt werden. Die schwere Eichentreppe hält den Flammen stand, dicker Qualm zieht durch das Haus, die Gäste geraten in Panik, öffnen die Türen, und der Luftzug gibt den Flammen neue Nahrung. "Wären alle Leute in ihren Zimmern geblieben, wäre keinem etwas passiert", ist Hildegard Metzger überzeugt. In der Brunnenstraße entdeckt das Ehepaar Wilmot den Feuerschein, der sich in den Fensterscheiben der Buchhandlung Balmer spiegelt. Kenneth Wilmot alarmiert die Feuerwehr und rennt mit einer Leiter zum Hotel. Fünf Menschen kann er so das Leben retten. Die Feuerwehr rückt mit nur einer Leiter an, "damals hatte sie keine weitere Ausrüstung", bedauern die Metzgers. Sieben Betriebsausflügler aus Ortenberg und ein Dortmunder sterben. Mit einem Sprung in die Tiefe versuchen sie vergeblich, ihr Leben zu retten. Einige Gäste retten sich, indem sie über das Dach zum Nachbarhaus klettern, eine Frau springt gar im 3. Stock über das Gässchen ins Nebenhaus. Die Metzgers gelangen mit weiteren Gästen durch den Hinterausgang ins Freie. Vier Frauen und vier Männer verlieren in jener Samstagnacht ihr Leben, fünf Kinder werden zu Waisen. Die Anteilnahme im Moselstädtchen ist indes sehr groß, "wir haben viel Hilfe erfahren", erinnert sich das Ehepaar dankbar. "Jede Nacht um 3.30 Uhr aufgewacht"

52 Lastwagenfuhren voll Schutt holt Kurt Metzger mit einem Arbeiter aus dem Haus, das durch die Flammen und das Löschwasser schwer beschädigt ist. Nach dem Wiederaufbau wird es als Wohn- und Geschäftshaus vermietet, und die Metzgers setzen alle Kraft in ein neues Projekt. In nur elf Monaten bauen sie das Hotel "Krone" an der Mosel, das am 1. März 1975 eröffnet wird. Sie sind entsetzt, als vier Jahre nach der Brandkatastrophe Anklage gegen Kurt Metzger erhoben wird. In Trier muss er sich im November 1976 wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Brandstiftung vor Gericht verantworten. Am 10. Januar 1977 wird er von allen Vorwürfen freigesprochen. Heute lebt das freundliche Ehepaar im Ruhestand, aber die dramatischen Ereignisse von 1972 und der sechs Wochen währende Prozess haben ihre Spuren hinterlassen. Die tiefe Betroffenheit ist den beiden noch heute anzumerken. "Viele Jahre sind wir jede Nacht um 3.30 Uhr aufgewacht", erinnert sich Hildegard Metzger.