Die Kultur im Dorf lassen Auslese

Schlendert man durch den alten und hübschen Weinort Kinheim, stößt man mitten im Dorf auf einige unansehnliche Häuser – Häuser mit einer langen Vergangenheit, Häuser, erbaut im moselländischen Fachwerkstil, die aber schon viele Jahre nicht mehr bewohnt sind und langsam verfallen.

Das ist nicht nur in Kinheim so, auch in anderen Moselorten stehen zahlreiche historische Gebäude leer und drohen irgendwann ganz zu verschwinden, wenn niemand bereit ist, mit Geld und Idealismus die Häuser zu erhalten. Es sind Kulturdenkmäler. Wein ist ein Kulturgut, die steilen Weinberge sind ein Teil der Kulturlandschaft. Vieles wird getan, auch mit Hilfe von Fördergeldern, um die Kulturlandschaft und die Steillagen zu erhalten. Die historischen Ortskerne sind ebenso erhaltenswert. Was wäre die Stadt Bernkastel-Kues ohne die historische Altstadt mit den berühmten Fachwerkhäusern? Und die kleinen Dörfer? Vielen droht ein Ausbluten der Ortskerne, weil Läden schließen, die Bevölkerung schrumpft und viele junge Familien lieber ein großes und neues Haus mit Garten und Wiese bevorzugen. In einigen Gemeinden hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Sie richten den Blick auf die Innenentwicklung des Ortes, weniger auf die Außenentwicklung.

Die Dorfmoderation, das heißt Fachleute überlegen mit den Einheimischen, wie der Ort lebenswert bleiben kann, ist beispielsweise eine Möglichkeit, einem Dorf neue Impulse zu geben. Sinnvoll ist ferner ein Dorfmarketing, in dem die Gemeinde nicht nur ihre Bauplätze im Neubaugebiet, sondern auch die innerorts leer stehenden Gebäude und freien Grundstücke am Markt anbietet, möglichst gleich mit Ideen zur möglichen Nutzung. Und falls es eine Gemeinde schafft, die Dorfgemeinschaft zum Engagement für ihren Ort zu motivieren, ist eine positive Zukunft auch für die kleinen Dörfer möglich.

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