Drei Dörfer, ein Windpark

Sechs Windräder sollen sich in Zukunft in einem gemeinsamen Park der Gemeinden Lückenburg, Neunkirchen und Talling (Verbandsgemeinde Thalfang) drehen. Die Ortsbürgermeister haben den Anwohnern erste Entwürfe präsentiert.

Lückenburg/Neunkirchen/Talling. Die Windkraftplanung geht in die nächste Runde: Bei einer gemeinsamen Bürgerversammlung haben die Ortsbürgermeister von Lückenburg, Neunkirchen und Talling sowie die Firma Abo Wind aus Wiesbaden ihre Entwürfe für einen interkommunalen Windpark der drei Orte vorgestellt.
"Ich bin davon überzeugt, dass die Windenergie erforderlich und gut ist", sagte Tallings Ortschef Erich Thösen. Es sei eine ökologisch sinnvolle Investition, die die Finanzen sichere und die Attraktivität der Orte steigere, sagte Richard Pestemer, Ortsbürgermeister von Neunkirchen. Etwa 30 Männer und Frauen waren gekommen, um sich über das Projekt zu informieren.

Die Planung: Auf dem Gebiet zwischen den drei Orten Lückenburg, Neunkirchen und Talling sollen sechs Windräder gebaut werden. Mehr sind laut der beauftragten Firma Abo Wind nicht möglich, da ein Mindestabstand zu den Häusern gewährleistet sein muss. Derzeit rechnet das Unternehmen mit 750 Metern. Geplant ist, pro Ort zwei Räder aufzustellen, die jeweils eine Gesamthöhe von 199 Metern sowie eine Leistung von zwei bis drei Megawatt haben könnten.

Der Standort: Die sechs Windräder liegen in dem Bereich, den auch die Verbandsgemeinde (VG) Thalfang in einer Vorstudie als mögliches Windkraftgebiet ausgewiesen hat. Dabei wurden unter anderem Kriterien wie Windgeschwindigkeiten, Abstände zu Siedlungen, Straßen und Strom trassen sowie der Naturschutz berücksichtigt.

Der Netzausbau: Der Windpark soll über unterirdisch liegende Mittelspannungsleitungen an eine 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung angeschlossen werden. Am Umspannwerk Thalfang sind laut Anja Rösen, Projektleiterin bei Abo Wind, derzeit noch Kapazitäten frei, die die Firma bereits reserviert hat. "Der Windpark Lückenburg ist deshalb nicht von einer neuen Stromtrasse abhängig."
Diese neue 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung plant das RWE zwischen Gielert und Osburg (Kreis Trier-Saarburg), um den Zuwachs an erneuerbarer Energie auch ins Stromnetz einspeisen zu können (der TV berichtete).

Die Einnahmen: Die drei Ortsbürgermeister sind sich einig, dass die Einnahmen zu gleichen Teilen auf die Dörfer aufgeteilt werden - egal, auf welchem Gebiet sich die Räder im Endeffekt drehen. Pro Windrad können die Orte laut Thösen mit knapp 50 000 Euro an Pacht pro Jahr rechnen.

Die Probleme: Noch ist nicht sicher, ob tatsächlich alle sechs Windräder auch genehmigt werden. Problematisch ist zum einen, dass eine Richtfunktrasse sehr nah an einer Anlage vorbeiführt. Laut Rösen verläuft das Signal allerdings oberhalb des Rades und wird deshalb durch den Rotor nicht gestört. "Wir sind mit dem Anbieter im Gespräch", sagt die Projektleiterin.
Schwieriger stellt sich die Situation bei einem weiteren Windrad dar. An der geplanten Stelle brütete nach Angaben von Gutachtern der Rotmilan im vergangenen Jahr. Der Greifvogel steht auf der Vorwarnliste der Roten Liste gefährdeter Vögel.
Auch beim Schall könnte es an einer Stelle kritisch werden, sagt Rösen. Denn: Für den Thalfanger Ferienpark gilt als ein reines Wohngebiet nachts eine Höchstlautstärke von 35 Dezibel. Diese könnten jedoch nicht eingehalten werden. Die Werte von 45 Dezibel für Lückenburg, Neunkirchen und Talling seien hingegen nicht problematisch. Dort liegt die Grenze höher, da die Dörfer als Mischgebiet eingestuft werden.

Der Zeitplan: Derzeit stecken die drei Gemeinden sowie Abo Wind noch in den Planungen. "Uns steht noch ein langer Weg bevor", sagt Erich Thösen. Der hängt auch von den übergeordneten Windkraftplanungen der Verbandsgemeinde, der Region Trier und des Landes ab. Rösen geht davon aus, dass der Baubeginn im Herbst oder Winter dieses Jahres liegen könnte - vorausgesetzt die Flächennutzungspläne sind fortgeschrieben und alle Genehmigungen liegen vor.

Die Sorgen der Bürger: Wo verläuft die geplante neue Stromtrasse, die die RWE aufgrund der regenerativen Energien bauen wollen? Diese Frage lag den Anwohnern bei der Bürgerversammlung besonders am Herzen. Diskutiert wurde vor allem, ob die Kabel unterirdisch oder als Freileitung verlaufen sollen. Die Trasse sei wichtig, sagten die drei Ortschefs. Reiner Roth, Ortsbürgermeister von Lückenburg, plädiert in der Nähe der Wohngebiete aber für eine Erdverkabelung.Extra

Bislang drehen sich 16 Windräder auf dem Gebiet der Verbandsgemeinde Thalfang. Sie stehen in Berglicht, Heidenburg, Talling, Breit und Büdlich. Weitere sollen aber hinzukommen. Derzeit sucht die VG gemeinsam mit Planungsbüros nach geeigneten Standorten für die Anlagen. Die Ergebnisse einer Vorstudie sind bereits im November im VG-Rat vorgestellt worden (der TV berichtete). Nach Ausschluss aller Konfliktbereiche ergeben sich mögliche Windkraft-Gebiete vor allem im Norden der VG. Die größten Flächen liegen demnach in den Gemeinden Büdlich, Breit, Heidenburg, Berglicht, Talling, Schönberg, Neunkirchen, Immert sowie Rorodt. hsc

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