Kreuzbrot gegen den Hunger

Unterernährung in Indien, drohende Hungersnot im Südsudan und oft sind es Kinder, die am meisten leiden. Mit seiner Kreuz-Brotform will Erich Schwind aus Bengel etwas dagegen unternehmen. Der 84-Jährige hofft, dass die Idee von vielen Bäckern angenommen wird.

Bengel/Lüxem. Mit Brot stillt man Hunger. Als christliches Symbol steht das Kreuz für Nächstenliebe und Solidarität. Und ein Brot in Kreuzform? Es stillt nicht nur den eigenen Hunger, sondern soll auch helfen, den anderer Menschen zu bekämpfen. Das ist der Grundgedanke, der hinter Erich Schwinds neuer Aktion steckt. Die Idee kam dem ehemaligen Fahrlehrer und Busfahrer vor einigen Wochen, als er seine Schnitzarbeiten auf der Alftaler Gewerbeschau ausstellte.
Christliche Motive fertigt der 84-Jährige gerne, nachdem er vor zwölf Jahren beim Urlaub in Oberammergau bei Herbert Haseidel einen Schnitzkurs belegte. "Die sakrale Kunst hat es mir angetan", sagt Schwind. Er schnitzte das 1,60 Meter große Kruzifix für die Kirche in Kinderbeuern und kam dabei auf die Idee, einen kompletten Kreuzweg mit 14 Stationen aus Holz darzustellen.
Als Josef Ratzinger 2005 als Benedikt XVI. zum Papst gewählt wurde, war für Schwind klar: "Dieser Kreuzweg muss - zu Fuß - nach Rom!" Und zwar über einen Weg, auf dem einige der wichtigsten Wirkungsstätten des Nikolaus von Kues liegen. In verschiedenen Etappen ging Schwind zwischen April 2006 und Ostern 2007 an insgesamt 94 Tagen zusammen mit 30 weiteren Pilgern den rund 1500 Kilometer langen Weg von Bernkastel-Kues bis zum Petersdom in Rom. An der Spitze des Zugs ein Pilgerkreuz mit einem schiefen Mittelbalken. Dieser weise auf die Schräglage in der Gesellschaft und der Welt, dem Missverhältnis zwischen Arm und Reich hin, erklärt Schwind.
Deshalb hat sein Kreuzbrot die gleiche Form. Nach der Idee nahm der rüstige Senior sofort seine Schnitzmesser zur Hand. "Innerhalb von zwei Tagen war die erste Form aus Holz fertig geschnitzt", erzählt er. Die ersten beiden Brote, ein Weizenmisch- und ein Mehrkornbrot, wurden von seinem Freund Josef Ambrosius in der Lüxemer Mühlenbäckerei gebacken. Eines der Brote, das er nach dem aktuellen Papst Franziskusbrot nennt, schnitt Schwind bereits beim Bengeler Seniorennachmittag auf. Für den Verzehr wurde gespendet. Die ersten 50 Euro klingelten in der Spendenbüchse. Es soll aber noch viel mehr werden. Schwind will dafür werben, dass möglichst viele Bäcker sein Kreuzbrot backen. Ein kleiner Aufschlag auf den normalen Brotpreis soll als Spende an gemeinnützige Organisationen zur Unterstützung von Kindern in Not fließen. "Eine tolle Idee. Ich denke, die Sache wird auch backtechnisch umsetzbar sein", sagt der Bäckermeister Christian Bauer aus Zell. "Ich wäre dabei", sagt auch sein Kollege Karsten Fleury aus Brauneberg. "Prinzipiell sind wir für solche Aktionen immer offen", bestätigt der Bernkastel-Wittlicher Innungsmeister Raimund Licht (Lieser).
"Es können Millionen zusammenkommen", ist sich Schwind sicher. Zweifel lässt er nicht zu: "Wer sagt, du schaffst das nicht, hat mich schon motiviert." Das sei schon vor knapp zehn Jahren so gewesen, als er sich auf dem Weg nach Rom gemacht habe.
Extra

Zwischen 1962 und 1983 bereitete Erich Schwind im Alftal Fahranfänger auf die Führerscheinprüfung vor. Nachdem sein Sohn das Geschäft übernahm, steuerte er 17 Jahre lang insgesamt 66 Mal einen Bus nach Rom. 2002 begann er zu schnitzen. Die 14 Kreuzweg-Stationen wurden 2006 und 2007 nach Rom gebracht und Schwind von Papst Benedikt XVI. empfangen. teu