Morbacher sehen Windkraft positiv

In der Gemeinde Morbach sind Windräder nach wie vor gut akzeptiert. Die Zahl der Befürworter ist in den vergangenen beiden Jahren sogar noch gestiegen. Biogas hingegen wird kritisch gesehen. Das sind Ergebnisse einer Befragung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung.

Wie können Kommunen ihren Bedarf komplett mit erneuerbaren Energien decken? Und wie gehen sie dieses Ziel am besten an? Diese Fragestellungen stehen hinter einem Forschungsprojekt zu erneuerbarer Energie, für das drei wissenschaftliche Organisationen zusammenarbeiten (siehe Extra) und für das Bürger in fünf deutschen Regionen befragt werden. Eine der Regionen ist Morbach. 200 Einwohner der Einheitsgemeinde wurden dafür 2010 und im vergangenen Jahr zu ihrer Einstellung zu Windkraft, Photovoltaik und Biogas interviewt. Das Ergebnis: Die Windkraft ist nach wie vor beliebteste Energieform. Ihre Akzeptanz ist in den vergangenen Jahren noch gestiegen, und zwar von 81 Prozent auf 85 Prozent.

Morbach ist damit laut Michael Kress vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung die einzige der untersuchten Kommunen, in der Windräder eine noch höhere Befürwortung erfahren als Solaranlagen auf Dächern. Untersucht wurden neben Morbach die Landkreise Lüchow-Dannenberg und Schwäbisch Hall sowie die Gemeinde Wolpertshausen. Der Verlierer der Umfrage zu den Energiearten ist hingegen das Biogas. Die Biogas-Anlagen werden nur noch von etwa einem Viertel der Einwohner (22 Prozent) befürwortet, 2010 waren es noch ein Drittel (34 Prozent).
Die meisten Bedenken gegenüber der Nutzung von Biogas beziehen sich auf den Anbau der Energiepflanzen. So wird befürchtet, dass Anbauflächen für Lebensmittel verloren gehen und dass Monokulturen mit Energiepflanzen sich dafür breitmachen.

Mit Ausnahme der Biogasanlagen besteht in Morbach immer noch eine hohe prinzipielle Bereitschaft, sich an Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energie zu beteiligen. Laut Umfrage besitzt jeder Vierte (22 Prozent) eine eigene Photovoltaik- oder Solarthermieanlage. Zwei Drittel der Befragten wären grundsätzlich zur Installation einer solchen bereit. Auch beim Strombezug zeigt sich ein Drittel der Morbacher ökologisch. 35 Prozent der Befragten beziehen nach eigenen Angaben Ökostrom. Von der politischen Zielsetzung der Gemeinde, sich bis 2020 vollständig mithilfe erneuerbarer Energie zu versorgen, haben vor der Befragung die meisten der Interviewten (86 Prozent) bereits gehört. Eine große Mehrheit, 88 Prozent befürwortet die Zielsetzung auch.Extra

Das oben beschriebene Projekt nennt sich "EE-Regionen: Sozialökologie der Selbstversorgung". Darin arbeiten das Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEE) der Universität Freiburg, die Universität Hohenheim und das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) zusammen. Gefördert wird das etwa 1,8 Millionen teure Projekt für einen Zeitraum von vier Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Weitere Infos sind zu finden auf der Homepage www.ee-regionen.de maiExtra

Bislang drehen sich in der Gemeinde Morbach 14 Windräder. Sie alle stehen in der Energielandschaft bei Wenigerath. Dort steht auch eine der beiden Biogasanlagen in der Gemeinde. Ein zweite befindet sich in Hundheim. Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 4,5 Megawatt sind in der Kommune zu finden. 2,1 Megawatt davon kommen aus der Energielandschaft, 1,8 Megawatt von der Gewerbebrache bei Hinzerath. Der Rest befindet sich auf Dächern kommunaler Gebäude oder auf privaten Häusern. Laut Michael Grehl von der Verwaltung könnte die Gemeinde den Strombedarf ihrer 10 750 Einwohner bereits jetzt dreifach mit erneuerbaren Energie, die auf eigenem Gebiet gewonnen wird, decken. Allerdings reicht der Strom dieser Anlagen nicht für die Betriebe. Dafür muss sich die Energiegewinnung noch auf das Drei- bis Vierfache steigern. mai